Nur mit dem Wetter unzufrieden

Die syrischen Asylbewerber Mohamad, Rakan, Said, Yousef, Mohamed, Ibrahim und Ahmad fühlen sich in Luhe wohl. Die pensionierte Lehrerin Gertraud Feiner gibt ihnen Deutschunterricht.

Sie heißen Mohamad, Rakan, Said, Yousef, Mohamed, Ibrahim und Ahmad und kommen aus Aleppo, Damaskus und kleineren Orten wie Dirik oder Marista im Norden Syriens. Die sieben muslimischen Kurden sind Anfang/Mitte 20 und leben seit Juli in Luhe am Forst.

Die Schleuser, so berichten die syrischen Asylbewerber, hätten zwischen 2000 und 8000 Euro pro Person verlangt. Zwei Flüchtlinge kamen erst einmal nach Bulgarien. Dort waren die Lebensbedingungen so schlecht, dass sie weiter flüchteten, bis sie schließlich in Luhe landeten.

Deutschland gefällt ihnen, bis auf das Wetter. Das finden sie wirklich nicht gut. Aber die Leute sind sehr freundlich. Es gibt hier in der Gemeinde einige Bürger, die die Asylbewerber bereitwillig unterstützen, indem sie Fahrräder zur Verfügung stellen, diese reparieren, Kleidung und Schuhe austeilen, auch "Fußballtreter". Denn Fußball spielen einige von ihnen sehr gern.

Auch die Gemeinde selbst hilft, indem sie den Unterrichtsraum für einen Sprachkurs zur Verfügung stellt, die Fahrradersatzteile bezahlt. Eine wichtige Ansprechpartnerin ist Susanne Schwab. Unentbehrlich ist auch die pensionierte Lehrerin Gertraud Feiner. Sie hält zweimal in der Woche einen Deutschkurs ab.

Integrationskurs

Die Fortschritte, die die wissbegierigen, fleißigen Männer bislang gemacht haben, sind beachtlich. Die Jüngeren dürfen seit September die Berufsschule in Weiden besuchen. Die Älteren gehen nachmittags noch zusätzlich in einen Integrationskurs der Volkshochschule. Die gut 50 Euro für die Zugfahrkarte pro Monat nehmen sie in Kauf. Sie sind sehr motiviert und möchten gerne arbeiten oder eine Ausbildung machen. Es sind ganz normale Berufe wie Auto-Mechatroniker, Bäcker, Friseur, die sie gerne erlernen würden. Yousef würde gerne als Koch arbeiten.

Mohamad musste in Syrien sein Studium abbrechen. Das Pendeln zwischen dem Heimatort und der Universität wurde zu gefährlich. Zudem drohte ihm, wie auch den Kameraden, die Einberufung zum Militärdienst. Aber er sagt: "Ich kann auf keinen Menschen schießen". Seine Schwester bekam vor einiger Zeit ein Visum für ein Zahnmedizinstudium in Aachen. Zwei Brüder und die Eltern leben noch in Syrien.

Noch ist es dort weitgehend sicher, aber das kann sich täglich ändern. Da Mohamad in Syrien bereits zwei Sprachkurse besucht hat, spricht er schon recht gut Deutsch. Er ist eine große Hilfe, da er fleißig übersetzt und die Kommunikation entscheidend erleichtert. Den Haushalt haben die Sieben gut organisiert. Zwei sind fürs tägliche Putzen zuständig und zwei fürs Kochen. Sie wechseln sich ab, wobei festgelegt ist, wer putzt und wer kocht. Und das funktioniert in dem Männerhaushalt wohl sehr gut, da es immer ordentlich und sauber in der Wohnung ist. Bei den Jüngeren hapert es wohl noch an Kochkenntnissen, denn das übernehmen die drei Älteren.

Sinnloser Krieg

Wenn man die Syrier auf die Situation in ihrer Heimat anspricht, erzählen sie, dass es lange Zeit verboten war, kurdisch zu sprechen. Sie mussten arabisch reden, obwohl die kurdische Sprache der türkischen ähnelt und ganz anders als arabisch ist. Es gebe wohl, so erklärt Ibrahim, Männer, die tagsüber für die eine Seite und nachts für die gegnerische Seite kämpften. Ein Ende dieses sinnlosen Krieges sei nicht abzusehen. Wann sie in ihre Heimat zurückkehren können ebenso wenig. (Hintergrund)
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