Nur ruhig sitzen kann er nicht

Karl Trenz (rechts) erhält die Bürgermedaille für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement im archivarischen und sozialen Bereich. Mit ihm freute sich seine Gattin Elisabeth über die Auszeichnung. Bürgermeister Joachim Neuß überreichte die dazugehörige Urkunde. Bild: swt

Immer unterwegs, hilfsbereit und einsatzfreudig: So kennen die Auerbacher den Trenz-Kare. Aber längst nicht alle wissen, wo er überall anpackt. Deshalb holte ihn die Stadt am Mittwochabend ins Rampenlicht.

Karl Trenz heißt der Träger der Bürgermedaille 2014 in Auerbach. "Sinn und Zweck einer öffentlichen Ehrung ist immer auch, gerade solche Leistungen ans Licht zu fördern, die im Verborgenen erbracht werden", erklärte Bürgermeister Joachim Neuß bei der Verleihung im Rathaus. "Heute ehren wir in diesem Sinne ein Paradebeispiel, oder noch besser gesagt, einen Prototypen der unauffälligen Hilfsbereitschaft."

Begeisterter Handballer

Wer Karl Trenz kennt, hat den Eindruck, dass es ihm schwer fällt, ruhig zu sitzen. Schon immer war er flink unterwegs und ein richtiges Energiebündel. Nicht nur beim Handball, den er in jungen Jahren mit großer Begeisterung gespielt hat.

"Schemenhaft kann ich mich noch an ihn als Mitarbeiter der Firma Würl erinnern, wo der Trenz Kare Großhandelskaufmann gelernt hat", blickte der Bürgermeister zurück. Viel genauer habe er ihn als Filialleiter im Konsum am Marktplatz im Gedächtnis: "Schon damals war seine Leidenschaft unverkennbar, seine Kunden stets zufriedenzustellen und den Laden bestens zu präsentieren."

1989 holte ihn die Stadt als Verwaltungsangestellten für die Führung von Registratur und Archiv. Er sortierte sämtliche Akten und Dokumente nach dem Bayerischen Einheitsaktenplan, ordnete Tausende von Einwohnermeldekarten und ebenso viele Sterbebildchen. Damit schuf er die Voraussetzung, diese Unterlagen zu digitalisieren.

Dem Archiv treu geblieben

Obwohl er bereits seit mehr als 15 Jahren in Pension ist, hält er "seinem Archiv" die Treue. Die Übersetzung historischer Dokumente aus Antiqua, Fraktur oder Sütterlin sei ihm quasi zum Hobby geworden. "Wer schon mal vor solchen Dokumenten gesessen hat, weiß, wie schwer sich diese Buchstabenfolgen einem erschließen: In aller Regel nämlich gar nicht!"

Das sei Karl Trenz am Anfang nicht anders ergangen. Aber seine Neugier war stärker. Buchstabe für Buchstabe grub er sich durch die Zeilen, bis er schließlich nicht nur die gotischen Schriftzüge lesen konnte, sondern auch die mit lateinischen Ausdrücken gespickte Sprache verstand. "Auf diese Weise hat er im städtischen Archiv bis heute sage und schreibe rund 1000 Dokumente transkribiert und so einen ganzen Berg an historischer Information erschlossen", betonte Neuß.
Weitere Beiträge zu den Themen: Auerbach (9489)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.