Nur schauen, nicht ausstellen

Hocherfreut war HAK-Vorsitzender Hans Rösch (rechts) über den Besuch von Lorenz Grünbeck. Dieser hatte ein sehr seltenes Grenadiergewehr aus der Fortschauer Gewehrfabrik mitgebracht. Bild: jzk

Schon vor gut 200 Jahren lobte Ingenieur und Major Johann Carl Pigenot die Büchsenmacher aus Kemnath und Fortschau. Sein Urteil kann Lorenz Grünbeck nur bestätigen. Denn der Altenkunstädter besitzt selbst eine Waffe, deren Herstellung um das Jahr 1760 datiert.

Kemnath. (jzk) Diese Rarität präsentierte Lorenz Grünbeck dem Vorsitzenden des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath (HAK), Hans Rösch. Der passionierte Waffensammler war zum Tag des offenen Denkmals eigens aus dem Landkreis Lichtenfels angereist. "Ich war schön öfter im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum, weil mir die dortige Waffensammlung sehr gut gefällt", erzählte er. Rösch lud ihn daher auch prompt zu einem Rundgang ein.

Mitgebracht hatte Grünbeck ein Grenadiergewehr vom Leibregiment des Kurfürsten Max Emmanuel. "Dabei handelt es sich um ein messinggarniertes Steinschlossgewehr", erklärte der Fachmann. Aus dieser Kupferlegierung seien die drei Laufringe, der Abzugsbügel, die Schaftkappe und das Damenblech gefertigt.

Auf dem Lauf und allen Messingteilen sind Schmiedemarken in Form einer Sonne zu erkennen. Deutlich lesbar sind auch noch die Schmiedemarken der Büchsenmacher Friedrich Cigoni (FC) und Adam Gsöll (AG) sowie die Nummer III auf dem Ladestock. Auf der Schaftseite ist eine platzende Granate abgebildet. Darin sind die Initialen VG zu erkennen. "Das ist wahrscheinlich das Monogramm des Kompaniechefs", vermutete Lorenz Grünbeck. Die beiden Großbuchstaben MJ auf der Schaftkappe und dem Daumenblech stehen höchstwahrscheinlich für die Initialen des bayerischen Königs Max Josef.

Hergestellt wurde diese Waffe in der Zeit um 1760 im Fortschauer Armaturwerk, das 1689 auf Betreiben von Kurfürst Max Emanuel gegründet worden war. Der wohl kriegerischste aller baierischen Herrscher wollte sein stehendes Heer vom Ausland unabhängig machen. Beim Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen mit Österreich im Jahr 1745 hatte sein Heer unter anderem neun Infanterieregimenter zu je drei Bataillonen. Jedes Regiment zählte 2400 Mann. Zum neunten Infanterieregiment gehörten sowohl das Leibregiment als auch das Regiment Kurprinz. Beide hatten Gewehre mit Messingbeschlägen.

100 Jahre lang Heer beliefert

"Mehr als 100 Jahre lang wurde die baierische Armee mit Vorderladergewehren und Pistolen aus der Gewehrmanufaktur Fortschau beliefert", erklärte Rösch seinem Gast. Selbst nach der Auflösung des Werkes im Jahre 1801 seien die Gewehre der Kemnather Büchsenmacher berühmt wesen. Zum Beweis zeigte er Grünbeck das Buch "Die Kuchenreuther und ihre Zunftgenossen".

Allerdings konnte er das sehr gut erhaltene Grenadiergewehr von Lorenz Grünbeck der Kemnather Waffensammlung nicht einverleiben. Der Altenkunstädter war nicht bereit, sein kostbares Stück zu verkaufen oder dem HAK als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Grünbeck verfügt über eine private Sammlung von über 60 Gewehren und ist stets auf der Suche nach weiteren Exemplaren. Besonders die Gewehre aus Fortschau haben es ihm angetan: "An ihnen ist weder an Güte nach an Schönheit etwas auszusetzen." Dies hatte schon Major Johann Carl Pigenot erkannt, als er auf Befehl des Kurfürsten eine Inspektion vor Ort vornahm.

Er war verblüfft von der Leistung der Handwerker, die unter ungünstigen Umständen für das kurfürstliche Armaturwerk arbeiten mussten und doch Vorderladergewehre von höchster Qualität herstellten.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.