Oberpfälzer Kaviar für die USA

Der Albino-Sterlet ist für den Züchter Roland Schröder pures Gold. Dieser Fisch liefert den sogenannten Goldenen "Zaren-Kaviar", weil er früher den russischen Herrschern vorbehalten war. Mythen umranken ihn, sein Geschmack gilt als unvergleichlich und seine goldgelbe Farbe machen ihn auch optisch zu einem Genuss. Der "Golden Stevruga", die teuerste Delikatesse der Welt, für den Genießer 40.000 Euro für das Kilogramm hinblättern, wird in Geisleithen bei Plößberg erzeugt. Bild: tr

Auch für den Gourmet Roland Schröder muss es nicht immer Kaviar sein. Verzichten mag er aber keineswegs auf die Delikatesse. Nicht zuletzt deshalb will er den vor dem Aussterben stehenden Beluga-Stör retten. Wie es aussieht, durchaus mit Erfolg.

Schröder ist in Sachen Stör ständig auf Achse. In Rumänien, Brandenburg, Ungarn, Polen und an der kleinen Zuchtanlage in Geisleithen bei Plößberg. Die bezeichnet der Unternehmer als das Herzstück der International Caviar Corporation (ICC) Aquakultur in Deutschland. Der Betrieb ist als einer von fünf in ganz Deutschland und als einziger in Bayern für die Störzucht und Kaviarproduktion EU-zertifiziert und CITES-lizensiert.

Warmwasser-Bruthaus

Am Standort kümmert sich Fischwirtschaftsmeister Paul Kummel darum, dass im Warmwasser-Bruthaus die befruchteten Eier der Elterntiere erbrütet werden und der Nachwuchs an Sterlets, Albino-Sterlets und Waxdick prächtig gedeiht. Hier werden die Tiere auch geschlachtet, der begehrte Kaviar gewonnen und das Störfleisch küchengerecht zerlegt. Auch die Tiere, die die ICC an anderen Standorten produziert, werden hier geschlachtet. Fleisch und Kaviar gehen dann postwendend wieder zurück an den jeweiligen Standort. Das ist momentan vor allem die Fischzuchtanlage in Zippelsförde bei Neuruppin in Brandenburg, in der seit 2011 die Produktion in vollem Gange ist. Aber Schröder will mehr, bleibt nicht in Europa stehen, sondern spricht die Gourmets in der Welt an.

Daniel Boulud

Die USA hat er bereits am Haken. Den Köder dafür, weißen "Zaren-Kaviar" aus eigener Aquakultur hat er schon einmal ausgelegt. Die exquisite Testgesellschaft sei begeistert gewesen, erzählt er. Der Schweizer Daniel Boulud, der als bester Koch Amerikas gekürt ist, habe ebenfalls Interesse bekundet.

Er verwöhnt mit seiner Küchenkunst die amerikanische High Society in seinen Restaurants. Wenn die Exportvorhaben von Geisleithen in Richtung Florida West Palm Beach zustande kommen, sei es nicht auszuschließen, dass die dortigen Weltstars den Plößberger Kaviar genießen. "Der kommerzielle Export nach USA wird noch in diesem Jahr Realität", ist Schröder überzeugt. Drei Aspekte seien ausschlaggebend, sagt er und bezeichnet sie als die Erfolgsgeheimnisse. "Man braucht eigene Elterntierbestände. Man muss die Tiere dazu bringen, dass sie sich vermehren. Und man muss die Jungfische an Trockenfutter gewöhnen." Letzteres sei wahrscheinlich das Schwierigste an der ganzen Geschichte.

Hilfestellung lieferte unter anderem das weltweit bekannte, in mittelbarer Nachbarschaft liegende, Kompetenzzentrum für Störzucht, der Teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb Wöllershof. "Die Experten dort vereinen seit 35 Jahren das fundierteste Fachwissen." Bis ein Sterlet geschlechtsreif wird, vergehen zwischen 3 und 5 Jahre. Der Waxdick braucht dafür 6 bis 10 und der Beluga 15 bis 20 Jahre. 10 Jahre hat die ICC nach einem Standort gesucht, der eine Massenproduktion erlaubt. Im brandenburgischen Zippelsförde wurde sie fündig und kaufte eine seit 35 Jahren bestehende Zuchtanlage. Dort strömen 1000 Liter Wasser pro Sekunde durch die Becken. Die ideale Stärke, um den Urviechern vorzugaukeln, dass sie es hier mit echter Strömung zu tun haben und sich bewegen müssen. Erst dadurch kommt der Stoffwechsel richtig in Schwung, lagern Fisch und Kaviar kein Fett ein.

5000 Liter pro Sekunde

Gegründet wurde die ICC 1999 in Rumänien als Artenschutzverein. Daraus entstand eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Danach wurde die Aquakultur Deutschland GmbH in Geisleithen gegründet. 2011 kam die ICC Preußen in Zippelsförde dazu. In Polen ist eine weitere große Anlage in Planung. "Dort strömen 5000 Liter Wasser pro Sekunde durch die Becken", freut sich Schröder.

In den nächsten Monaten will der Aktionärssprecher die einzelnen Firmen in eine klar strukturierte Holding zusammenführen. Dabei wird die rumänische Aktiengesellschaft International Caviar Corporation, mit 150 Millionen Aktien und derzeit 1300 Aktionären, die Holding und die ICC Aquakultur Deutschland in Geisleithen und die Fischzucht Zippelsförde in Brandenburg werden zwei operativ arbeitende Töchter.

2020 wieder in der Donau

Schröder sieht in der Zukunft gute Geschäfte mit Kaviar und Störfleisch. Wurden 1998 etwa 2000 Tonnen Stör in Aquakulturen produziert, sind es nach seinen Angaben derzeit bereits rund 60 000 Tonnen pro Jahr - Tendenz steigend. Trotz des Erfolgs hat Schröder die prekäre Situation der Tiere in den heimischen Gewässern nicht vergessen.

In Rumänien werden jedes Jahr Massen an Fingerlingen (fingerlange Belugas) in die Donau eingesetzt. "Wir rechnen dort ab 2020 wieder mit größeren Beständen." Momentan gingen den Fischern pro Jahr höchstens 5 bis 10 große Fische ins Netz. Bei der Störzucht sei man derzeit etwa auf dem Niveau, wie bei der Lachszucht um 1975. Die habe 1960 ähnlich angefangen. Heute werden weltweit über drei Millionen Tonnen produziert. Der größte Produzent ist, man höre und staune, Mitshubishi.

Übrigens soll auch schon der Scheich von Katar Interesse an den Stören, beziehungsweise ihrem Kaviar, bekundet haben. "Noch kann man in unser Aktiengeschäft günstig einsteigen. Wir rechnen aber in einem Zeitraum von etwa drei Jahren mit einer Steigerung um das Fünf- bis Zehnfache", sagt Roland Schröder selbstbewusst.
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