Oberpfälzer Tangofestival am Schafferhof - Schwermut und Melancholie mit Geige und Bandoneon
Argentinien liegt in der Oberpfalz

Susanne Hofmann (rechts) mit der Geige, Matias Gonzalez (links) am Bandoneon und Dietmar Engels an der Bassgeige entlockten ihren Instrumenten die typisch schwermütigen Tangoklänge. Bild: gge
Tango auf der Tenne - ein Novum. Statt Beat, Rock oder Kabarett waren klassisch-melancholische Töne angesagt. Bereits zum achten Mal veranstaltete Susanne Hofmann in Begleitung von Matias Gonzalez das Oberpfälzer Tangofestival mit verschiedenen Workshops für Tangobegeisterte.

Dabei waren nicht nur die typischen Tangoinstrumente wie Bandoneon oder Geige vertreten. Es kam auch ein Hackbrett vor, das dem Ganzen einen einheimischen Klang verlieh. "Wir waren erstaunt, wie viele Bandoneons plötzlich auf Dachböden in der Oberpfalz auftauchten", erzählte Hofmann, die aus Vohenstrauß stammt und heute in der Philharmonie Magdeburg Geige spielt.

"Duo Fracanapa"

Frühere Veranstaltungen hatte es bereits im Lobkowitzerschloss in Neustadt, in der Burg Wernberg oder im Rathaus in Vohenstrauß gegeben. Nun war der Schafferhof an der Reihe. Die Stimmung passte, ebenso die Bühne, mit dem schwarzen Vorhang im Hintergrund. "Lo que Vendra" von Astor Piazzolla bildete den Auftakt. Auf beiden Beinen balancierte Gonzalez sein Bandoneon, dehnte den Balg bis zum Anschlag oder ließ ihn über das Knie nach unten sinken. "De donde vendra?" von Leonardo Sanchez, "El Portenito" von Ángel Villoldo und natürlich immer wieder die großen Nummern von Astor Piazzolla präsentierten die beiden Musiker, die auch als "Duo Fracanapa" auftreten. Interessant ist Hofmanns unverwechselbare Art, die Geige nicht nur wie üblich mit dem Bogen zu spielen, sondern sie zu zupfen oder hinter dem Bund Kratztöne zu erzeugen. Bei ihrem gefühlvollen Bogenansatz wurde es andächtig still im Publikum.

Zu dem Duett gesellten sich schließlich der Coburger Bassist Dietmar Engels und die Pianistin Theresa Frischholz aus Georgenberg sowie als zweite Geigerin Astrid Wolfrath aus Roggenstein. Damit wurde der Tango zwar tanzbarer, besonders bei den Stücken von Astor Piazzolla, doch stand niemand auf. Einem Valse (Walzer) folgte eine Milonga. Dazwischen lauschten die Zuhörer Erzählungen von Argentinien, von den Menschen und den Landschaften. Das Publikum ließ sich auf verschiedene Stimmungen ein. Traurig, melancholisch, fröhlich oder auch gefährlich, wie bei "Escualo", der Geschichte über einen Hai.

Exzentrische Melodien

"Street 92" erzählte von Piazzollas Kindertagen in New York. Die Melodie war zwar etwas exzentrisch, doch trug sie unverkennbar Piazzollas Handschrift. Er ist der Begründer des Tango Nuevo.

Zwischendurch erzählte Hofmann von zwei Konzerten in den Grundschulen Vohenstrauß und Leuchtenberg am Vortag und von den Reaktionen der Kinder. Begeistert waren auch die Konzertbesucher im Schafferhof, was sich in lang anhaltendem Beifall ausdrückte. Mit zwei Zugaben verabschiedeten sich die Musiker von der Bühne.
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