Odyssee dauert fast ein Jahrzehnt

Einen noch langen Lebensabend wünschte Bürgermeister Peter Lehr Viktoria Müller (Zweite von rechts) anlässlich ihres 90. Geburtstags. Mit im Bild die Töchter Ingrid (Waldsassen, rechts) und Beate (Menzlas), die ihre Mutter täglich besucht. Bild: rn

Von der Bukowina über Westpreußen, Schlesien und das Egerland nach Bayern: Die Kinder- und Jugendjahre von Viktoria Müller waren überaus bewegt und entbehrungsreich. Auch in der Oberpfalz ging die Odyssee zunächst weiter.

Im Kreis ihrer Angehörigen und lieben Nachbarn feierte Viktoria Müller ihren 90. Geburtstag. Auch Bürgermeister Peter Lehr wünschte der langjährigen aktiven Helferin bei Festen der Krieger- und Soldatenkameradschaft einen noch langen Lebensabend.

Das Licht der Welt hatte Müller in Molodia, Kreis Czernowitz, in der Bukowina, auch Buchenland genannt, erblickt. Ihre Eltern Josef und Emilie Fuchs betrieben neben der Tätigkeit des Vaters als Bahnbediensteten eine kleine Landwirtschaft.

Als 1939 dieser nördlichste Teil Rumäniens, einst zu Ungarn und der K.-u.-K.-Monarchie gehörend, von der Sowjetunion annektiert wurde, mussten mehr als 80 000 Deutsche in das Weichselgebiet in Westpreußen umsiedeln. Nach Aufenthalten in Lagern fand die Familie von Viktoria Müller im Kreis Bielitz in Oberschlesien eine neue Heimat.

Als die russische Front näher rückte, hieß es im Januar 1945 allerdings erneut, Abschied nehmen. Mit Pferdewagen gelangte der Flüchtlingstreck in die Gegend von Tachau im südlichen Egerland. Im Zuge der Vertreibung der Deutschen erreichte die Familie zu Pfingsten Pleystein. Die weiteren Stationen der Kriegs- und Nachkriegsodyssee waren Wirbenz und Tremmersdorf.

Da es hieß, dass Ländereien auf dem Truppenübungsplatz für Ansiedlungen zur Verfügung stehen, folgte die Familie Fuchs anderen Flüchtlingen und Vertriebenen und ließ sich in Schlattermühle nieder. 1947 forderte die Militärregierung jedoch die umgehende Räumung der im Übungsplatz gelegenen Orte und ordnete diese mit Räumungsbescheid vom 14. April 1948 endgültig an. In den südlich von Eschenbach gelegenen Orten waren davon 206 Einheimische sowie 157 Vertriebene und Flüchtlinge betroffen.

Bei der Verlosung von Baugrundstücken in Apfelbach am 22. April 1948 erhielt auch die Familie Fuchs eine Parzelle. Hier entstand das neue Zuhause für die insgesamt acht Geschwister. 1954 heiratete Viktoria den Kraftfahrer Josef Müller aus Kirchenthumbach/Röthenlohe, der erst wenige Jahre zuvor als Spätheimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. Zur Familie gehörten bald die Töchter Beate und Ingrid. Seit 2002 ist Viktoria Müller Witwe.

Zu den Gratulanten zählten neben den Familien der Töchter, Enkelsohn Markus und Sparkassendirektor Wolfgang Busch auch die Nachbarinnen Elisabeth Adler und Rita Michalke, die sich viel um die Jubilarin kümmern. Ihren Haushalt kann sie zum Großteil noch selbst versorgen.
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