Oftmals blutiger Ernst

Minuten und großes fachliches Können sind oft überlebenswichtig beim Einsatz des Notarztes. Bei einem Kurs im Klinikum Fürth bildeten sich deshalb Notärzte vom Standort Eschenbach fort. Mit realitätsnahen Übungen.

Im Anatomischen Institut der Universität Erlangen, deren Leiter Professor Dr. Winfried Neuhuber ist, fand eine spezielle Ausbildung statt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Dormann, Chefarzt der zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth, sowie Prof. Dr. Holger Rupprecht, Chefarzt der Chirurgischen Klinik I, standen für einen ausgewählten Kreis von Notärzten praktische Fertigkeiten für den Notfall-Einsatz auf dem Übungsplan. Notfallmediziner, unter anderem vom Bundeswehr-Krankenhaus Ulm, zeigten zunächst in Vorträgen und Videoaufnahmen Behandlungsstrategien von schweren Brustkorb-Herz-Lungen- und Luftröhrenverletzungen auf.

Drainagen verlegen

Im zweiten Teil der Fortbildung nahmen die Teilnehmer an "Körperspenden" des Anatomischen Instituts "lebensnah" lebenserhaltende Notfallmaßnahmen vor. Die Einlage von Drainagen in den Brustkorb, etwa bei massiven Lungenblutungen, war eine der wichtigsten Techniken. Vor allem vor dem Hintergrund, dass etwa 25 Prozent der Schwerverletzten bei einem sogenannten Thoraxtrauma (Brustkorb- und Lungenverletzung) sterben. Mit dieser Methode könnten viele Unfallopfer gerettet werden. Gelegentlich kann schon eine stumpfe Gewalteinwirkung (zum Beispiel Sturz vom Gerüst oder Messerstich-Verletzung) zu Einblutungen in den Herzbeutel durch den Einriss der Herzmuskulatur führen. Mit Hilfe eines von Professor Dr. Harald Dormann vorgestellten Ultraschallgerätes, das mittlerweile dem Rettungsdienst zur Verfügung steht, kann ein Herzbeutelerguss geortet werden. Ein unbehandelter Herzbeutel-(Blut-)Erguss führe zum Herzversagen durch Kompression der Herzkammern. In manchen Fällen kann der Patient durch eine rasche Brustkorb- und Herzbeutelöffnung gerettet werden. Professor Dr. Holger Rupprecht wandte diese Technik mehrfach bei Schwerverletzten erfolgreich an.

Komplikationen

Am Körperspender führten die Notärzte eine Herz-Druck-Massage durch, die effektiver ist, als die indirekte Methode mit deutlich besseren Überlebenschancen. Eine gefürchtete Komplikation im Rettungsdienst ist die unmögliche Beatmung des Patienten, zum Beispiel bei einer Gesichts-Schädel-Zertrümmerung oder bei einem Wespenstich durch die Schwellung der Atemwege. Der Tod sei nur durch einen sofortigen Luftröhrenschnitt zu verhindern. Ein solches Ereignis trete zum Glück nur relativ selten auf. Prof. Dr. Holger Rupprecht musste als Notarzt in Eschenbach diesen Eingriff schon vornehmen. Mit verschiedenen Methoden machten sich die Mediziner damit vertraut.

Alle Teilnehmer waren der Meinung, dass sie ihren Notarztdienst nun gelassener antreten. Besonders erfreut war Professor Holger Rupprecht, dass sein Freund Professor Dr. Karlheinz Dietl, Chefarzt am Klinikum in Weiden, die Oberpfälzer Truppe verstärkte.
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