Opa letzter Kommunbraumeister

Mit dem Pferdegespann transportierten früher die Zoiglwirte - auf dem Bild Johann Rosner und Sepp Brewitzer (von links) - die Bierfässer in ihre Zoiglstuben.

Tradition lebt wieder auf: So lautete das Motto, als 2005 der "Brucksaler" nach 44 Jahren wieder seine Türen öffnete. Heuer feiert die Zoigl-Gaststätte ein markantes Jubiläum.

Neustadt/WN. (ms) Diplomkaufmann Michael Lang ist sich der Tradition bewusst. Der 46-jährige Zoiglwirt und seine Frau Kerstin (39) kennen die lange Familiengeschichte des Wiedenhofer-Anwesens am Eingang der Kreisstadt. Es befindet sich seit 1832 im Besitz der Familie von Langs Mutter Anna.

2004 investierte die Familie viel Zeit und Geld in die Renovierung des alten Bauernhofes. Mit Liebe zum Detail richtete sie die ehemalige Zoiglstube wieder so her, wie sie früher war. Sogar die ehemalige Schankkommode, die all die Jahre unbeachtet im Gartenhaus auf dem Felix gelagert war, steht wieder an der gleichen Stelle wie früher. In zwei originellen Gaststuben finden 100 Gäste Platz. Attraktion im Sommer ist der große Biergarten mit Brunnen und Backofen.

Michael Langs Opa Robert Wiedenhofer war der letzte Kommunbrauer in Neustadt. Er braute bis 1961. Noch drei Jahre zuvor hatten die letzten fünf verbliebenen Zoiglwirte - neben dem "Brucksaler" waren es Johann Gleißner ("Faber), Johann Rosner ("Aweg-Dampf"), Resl Lohwasser ("In der Schlucht") und der Brewitzer-Hias - noch das 400-jährige Zoigl-Jubiläum gefeiert. 1961 wurde das baufällige Kommunbrauhaus abgebrochen. Das war das Ende der Neustädter Brautradition. Das zweite Brauhaus in Neustadt, das dem Lobkowitzer Fürsten gehörte, existierte schon lange nicht mehr.

Dabei waren die Neustädter für ihren Durst bekannt. Heinrich Ascherl berichtet in seiner Chronik "Geschichte der Stadt und Herrschaft Neustadt", dass es im Jahr 1865 sage und schreibe 207 kommunbrauberechtigte Hauseigentümer gab. Zu dieser Zeit schenkten 57 Zoiglwirtschaften aus.

Am 9. Oktober 1865 hält der Stadtmagistrat fest, wer von den Brauberechtigten über geeignete Lokalitäten und Geräte zum Ausschank eines Kommunbiers verfügt. Nur wer auf dieser Liste stand, erhielt gegen Bezahlung eine neue Lizenz. "Das war vor 150 Jahren der Beginn des zertifizierten öffentlichen Schankrechts", stellt Michael Lang fest. Sein Ur-Ur-Großvater Thomas Wiedenhofer war dabei. Der Seilermeister hatte den Bauernhof 1832 erworben. Er bekam den Namen "Brucksaler" - der Seiler von der Brücke.
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