Partner, die sich grün sind

230 Kilometer liegen zwischen Grünsfeld und Pfreimd. Die beiden Wegweiser wurden beim Pfreimder Bürgerfest präsentiert. Distanz ist jedoch in den Beziehungen der beiden Städte ein Fremdwort. Bild: hm

"Es ist die Herzlichkeit. Ich fühle mich einfach angenommen". Sagt das nun Bürgermeister Richard Tischler oder sein Amtskollege Joachim Markert? Ihre Antwort auf die Frage nach dem Wert der Städtepartnerschaft ist nahezu im Wortlaut identisch. Was verbindet die Pfreimder und die Grünsfelder?

Pfreimd. (cv) Den Oberpfälzern wird Wortkargheit nachgesagt. "Das kann ich nicht unterschreiben", lacht Joachim Markert. Die Chemie stimmt - und das seit 42 Jahren. Markert (52) und Tischler (55) sind relativ neu "im Geschäft". Amtseinführung, Neujahrsempfang - man besucht sich und ist längst beim Du. Am 27./28.Juli fährt der Pfreimder Stadtrat zwei Tage nach Grünsfeld: Kultur, Serenade und als Höhepunkt die Einweihung des Leuchtenbergsaales. Darin wird auf Stelen, in Texten und Modellen Stadtgeschichte präsentiert. Die Grünsfelder Kommunalvertreter hätten ihre Kollegen übrigens spontan privat untergebracht, schildert Richard Tischler die Gastlichkeit der tauberfränkischen Stadt.

Die Leuchtenberger sind auch Dreh- und Angelpunkt der Partnerschaft. Sowohl in Grünsfeld als auch in Pfreimd haben sie Spuren hinterlassen. Grünsfeld gehörte von 1487 bis 1646 zur ehemaligen Landgrafenschaft Leuchtenberg, Pfreimd von 1332 bis 1646. Die 600. Wiederkehr der Stadterhebung 1973 nahmen der Pfreimder Bürgermeister Hans Reichl und das Grünsfelder Stadtoberhaupt Willi Bau zum Anlass, am 20. Juli 1973 die Partnerschaft zu begründen. 1993 wurde das 20-jährige und 1998 das 25-jährige Bestehen im Main-Tauber-Kreis gefeiert. Zum 40. Geburtstag gab es in Pfreimd eine schöne Geste: Der damalige Bürgermeister Arnold Kimmerl und Joachim Markert tauschten beim Bürgerfest zwei Hinweisschilder mit den Stadtwappen aus. 230 Kilometer sind es zu den Partnern. Ein Weg, den in den letzten Jahren viele zurücklegten: Stadtkapelle und Grünsfelder Musikverein sind eng verbandelt, ebenso der Pfreimder Stadtturm und der Grünsfelder Kulturverein. Naturschützer, Feuerwehr, Pfarrgemeinderat und Spielvereinigung fuhren ins Fränkische. Kunstausstellung hier, Krippenausstellung dort - die Kontakte sind vielfältig.

Und zum "Fahrtgeld" gibt die Stadt einen Obolus. Tischler möchte übrigens gerne mal mit dem Radl zu den Partnern strampeln. Die geselligen Mainfranken sind ein Zugpferd. Am Ort gibt es zwar keinen Weinanbau mehr, aber Würzburg und Veitshöchheim sind in der Nähe. Der Stadtrat ist beim Sommerausflug in die Winzergenossenschaft Beckstein, die beste Deutschlands, eingeladen.

Coca-Cola-Standort

Joachim Markert spricht von vielen Parallelen. Beide Städte haben den demografischen Wandel zu bewältigen. Beide standen oder stehen vor schulischen Umstrukturierungen. Sie legen sich ins Zeug, um Gewerbe und Industrie anzusiedeln. Grünsfeld ist ein guter logistischer Standort und hat ein interkommunales Gewerbegebiet mit Lauda-Königshofen geschaffen. Die Gewerbe- und Industriefläche umfasst stattliche 200 000 Quadratmeter. Gute Logistik: Das hatte zu Beginn der 1970er Jahre auch Coca Cola erkannt. Nachfolger ist die Kette "Refresco".

Grünsfeld versucht wie Pfreimd, Alt und Neu Platz zu geben. Stolz ist herauszuhören, wenn Markert von Dorothea von Rieneck spricht, der gemeinsamen Freundin der Städte. Die Gemahlin von Landgraf Friedrich von Leuchtenberg sicherte durch geschicktes Taktieren ihrem Sohn Johann das Grünsfelder Erbe. "Eine interessante Frau, der Bildung wichtig war", erzählt Markert. Die Schule trägt ihren Namen. Und auch der große Künstler Tilman Riemenschneider hat sich in der Stadt verewigt, deren Bürger stolz auf ihre Kirchen, Wehranlagen und das 400 Jahre alte Rathaus sind. Ein Brückenschlag nach Pfreimd: Hier steht zum Gruß im Foyer das Grünsfelder Wappen in Stein gemeißelt. (Hintergrund)
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