Partnerschaft mit Adels-Flair

Beim 35-Jährigen auf Burg Wernberg hatte Bürgermeister Franz Zwölbar (links) als Geschenk ein Bild von der Kirche Sternberg mitgebracht. Georg Butz (rechts) revanchierte sich zum Gemeindejubiläum im letzten Jahr mit einem Schwergewicht: Einer Glasstele aus Flachglas-Produktion auf einem Granitsockel - symbolisch für die Bergwelt Kärntens. Archivbild: Baehnisch

Franz Zwölbar kennt inzwischen bei Urlaubsbekanntschaften am Dialekt, "ob jemand aus der Wernberger Gegend, aus der Oberpfalz, stammt". Der Österreicher ist Bürgermeister der Partnergemeinde Wernberg in Kärnten. Und auch vor 38 Jahren führte ein Urlaub die beiden Kommunen zusammen.

Wernberg-Köblitz. (cv) 1973 erschien im "Neuen Tag" ein Bild von der Gemeinde Wernberg in Kärnten. Ein Urlauber, der in der Villacher Gegend die reizvolle Bergwelt und Gastfreundlichkeit genossen hatte, brachten das Foto mit nach Hause und machte in Wernberg-Köblitz auf die Schwestergemeinde in Österreich aufmerksam.

Bekannt, verwandt

Aus der Bekanntschaft wurde Verwandtschaft: Wie sich herausstellte, sind die beiden Orte durch die Geschichte des Geschlechtes der Khevenhüller seit dem 16. Jahrhundert bereits miteinander verbandelt. Beide Wernbergs wurden damals von ein und demselben Herrn regiert. Beide Bauten wurden in die Neuzeit gerettet: Heute ist Burg Wernberg Hotel und Tagungszentrum, Schloss Wernberg beherbergt eine Fremdenpension, ein Bildungshaus und einen Klosterladen.

Neues Leben kam nicht nur in die historischen Gebäude: Die Wernberger bandelten miteinander an. Die Bürgermeister Theo Albrecht und Erich Hohenberger unterzeichneten am 4. September 1977 in Wernberg in Kärnten die Partnerschaftsurkunde. Es gibt viele Erinnerungen an gegenseitige Besuche, an gesellige und auch weinselige Abende im schönen Kärnten, an gemeinsame Festivitäten. Markträte und Bürger wie Fritz Geitner, Erwin Hartinger, Erich Fleischmann, Franz Bauer, Karl Kastner, Uli Hübner und Josef Krös pflegten die Verbindungen. Immer auf Kärntner Seite dabei: Poldi Schmoliner. Zwischen den Feuerwehren entstanden Partnerschaften, die KJK klinkte sich ein, die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Glaubendorf.

Die Gemeindevertreter besuchen sich regelmäßig. Runde Jubiläen werden in Kärnten, die halbrunden in der Oberpfalz gefeiert. Und die Bürgermeister haben einen guten Draht: Der Franz und der Schorsch. Als vor drei Jahren in Wernberg-Köblitz das 35-Jährige gefeiert wurde, lud Franz Zwölbar seinen Amtskollegen und dessen Frau zur Besteigung des "Hausbergs", des Mittagskogels, ein. "Es ist schwierig, gemeinsame Termine zu finden", räumt Georg Butz ein. Man fährt eben nicht so hopplahopp mal schnell zum Partner. 550 Kilometer liegen dazwischen. Das sind rund sieben Stunden Fahrzeit. "Es ist nicht einfach, eine Partnerschaft am Leben zu erhalten" sind sich die Bürgermeister einig. Sie lebt von persönlichen Beziehungen. "Wir machen manchmal zu viel Programm bei unseren Besuchen", meint Bürgermeister Butz. Da bleibe nicht selten etwas wenig Platz für neue Begegnungen. Er würde gerne neben der Feuerwehr die KJK wieder mit ins Boot holen.

Viele Parallelen

Denn die Partnerschaft ist Zwölbar und Butz wichtig, hat man doch auch aktuell viele Parallelen. Da wären die vielen Ortsteile: Wernberg-Köblitz hat 27, Wernberg in Kärnten 23. In Wernberg-Köblitz trennt die Naab den Hauptort, bei den Nachbarn ist es die Autobahn. "Trennende Gemeinsamkeiten", nennt es Georg Butz. Beide Gemeinden haben eine rasante wirtschaftliche Entwicklung genommen: Franz Zwölbar war beim letzten Besuch schwer beeindruckt, was sich alles im Wernberger Industriegebiet getan hat. Doch auch seine Gemeinde, die er ehrenamtlich leitet, ist ein attraktiver Gewerbestandort und ein bevorzugtes Wohngebiet in Villach-Nähe geworden. Die beiden gleichaltrigen Bürgermeister haben sich stets viel zu erzählen. "Die Partei spielt da keine Rolle", so Franz Zwölbar, der der SPÖ angehört und im Hauptberuf Lokomotivführer ist - eigentlich eine gute Voraussetzung, damit die Partnerschaft in Fahrt bleibt. (Hintergrund)
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