Per Heimunterricht zum Abitur

Viel Anerkennung erhielt Kevin Lesiewicz (Mitte), der jetzt das Abitur mit der Note 1,7 abschloss. Bei der Übergabe des Zeugnisses mit dabei waren (von links) OHG-Direktorin Gertraud Nickl, Ministerialbeauftrager Dr. Edmund Neubauer, Fichtelgebirgsrealschulleiter Oliver Brand, Oberstudienrätin Kerstin Seitz, Petra Lesiewicz, Oberstufenkoordinator Peter Weyer und Martina Spiller vom Sonderpädagogischen Förderzentrum Hof. Bild: lpp

Kevin Lesiewicz leidet an Muskelschwäche und hat in den vergangenen drei Jahren Hausunterricht erhalten. Dennoch legte er jetzt die Abiturprüfung des Otto-Hahn-Gymnasiums Marktredwitz mit der Note 1,7 ab. Sein Ziel ist nun ein Studienabschluss im Fach Informatik.

Das Zeugnis überreichten mehrere Gäste direkt am heimischen Bett des 20-Jährigen. Ministerialbeauftragter Dr. Edmund Neubauer sprach von einem schönen Tag und einem Riesenerfolg für den Abiturienten. "Das ist eine ungewöhnliche Leistung und zeugt von geistiger Kraft." Neubauer wünschte dem Absolventen für sein geplantes Bachelorstudium an der Fernuniversität Hagen viel Erfolg.

Dass Kevin ohne den Besuch des Unterrichts in der Schule so gut abschnitt, sei nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit vieler möglich geworden. Dank und Anerkennung sprach er vor allem Oberstudienrätin Kerstin Seitz und Martina Spiller vom Sonderpädagogischen Förderzentrum Hof aus. "Der Freistaat Bayern kümmert sich um die Menschen, die geistige Fähigkeiten haben und körperlich beeinträchtigt sind", versicherte Neubauer. Er überbrachte auch die Grüße des Kultusministeriums, welches sich um einen "Gleichklang" für alle Schüler bemühe.

Stets tolle Leistungen

Schulleiterin Gertraud Nickl erinnerte an den an der Fichtelgebirgsrealschule im Jahr 2012 abgelegten Schulabschluss und das notwendige Nacharbeiten des Lateinunterrichts für das Gymnasium. Drei Jahre lang habe Kevin Lesiewicz Hausunterricht erhalten und bei den halbjährlichen Tests stets tolle Leistungen gezeigt.

Dank des Einsatzes seiner Betreuerin Kerstin Seitz habe man im Sommer durch die Anschaffung eines Spracherkennungssystems den Unterricht für den 20-Jährigen erleichtern können. Dazu habe man mit Krankenkasse und Landratsamt zusammengearbeitet. Vor allem für die Abiturprüfungen sei dieses System eine große Erleichterung gewesen. Denn nach einem Krankenhausaufenthalt habe Kevin ein großes Pensum nachholen müssen. Er habe sogar noch am Känguru-Mathematik-Wettbewerb teilgenommen und einen hervorragenden dritten Platz belegt. Gertraud Nickl sprach Kevin ihre Hochachtung aus. Er mache anderen Schülern mit Behinderung Mut und sporne Jugendliche an. "Ich hoffe, dass wir auf dem Weg der Inklusion weitergehen." Nickls besonderer Dank galt Kevins Mutter Petra. Sie könne stolz auf die Leistungen ihres Sohnes sein.

Keine Klagen

Im Namen der Fichtelgebirgsrealschule gratulierte Schulleiter Oliver Brand. Er dankte den Lehrerkollegen, die Kevin auf seinem Weg begleitet haben. Kerstin Seitz, die Kevin wöchentlich besucht und ihn dadurch gut kennenlernt hat, berichtete, dass der Schüler sich nie über etwas beklagt habe. Der fleißige Schüler habe den Stoff stets gut vorbereitet und umgesetzt. Sie wünschte ihm für das Studium alles Gute und kündigte an, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Weiter hoffte sie, dass Kevin eine Studienbetreuung erhält. Auch Petra Lesiewicz dankte den Lehrkräften und dem Otto-Hahn-Gymnasium für die Unterstützung und freute sich über die guten Noten ihres Sohnes.

Kevin Lesiewicz erklärte, dass er das Heimstudium schwerer als den Schulbesuch empfunden habe, weil er sich den Stoff der Nebenfächer selbst habe aneignen müssen. Als eines seiner Lieblingsfächer bezeichnete er Wirtschaft und Recht.

Oberstudienkoordinator Peter Weyer erläuterte, dass Kevins Leistungsnachweise, Klausuren und Abschlussprüfungen identisch mit denen der anderen OHG-Schüler gewesen seien. Kevin habe lediglich andere Zeitvorgaben bekommen und mehrere Pausen einlegen können.
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