Pfarrei Neusorg plötzlich und unerwartet verstorben

Die Pfarrei Neusorg ist verstorben. Plötzlich und unerwartet. Am Kirchenportal hängt am Montagmorgen der Toten-Zettel. Requiem am Dienstag. Die Ursache für das Ableben im relativ zarten Alter von ungefähr 80 Jahren klingt auch auf den zweiten Blick irgendwie rätselhaft. Schwarz auf Weiß steht geschrieben: "Nicht einmal 1 Prozent hat sich für den Dienst der stillen Anbetung eingetragen."

Wer nun die Gedenkminute zum Nachgrübeln nutzt, eine gewisse Kombinationsgabe und dezente graphologische Kenntnisse besitzt, dem kommt womöglich der heilige Geistesblitz: Hier könnte Pfarrer Hans Riedl seine Finger im Spiel haben, um auf seine ihm eigene Art seinen schläfrigen Schäfchen etwas hinter die Ohren zu schreiben.

Und in der Tat: Als sich nach einem anonymen Hinweis "Der neue Tag" im Pfarramt meldet, sagt der Geistliche wie aus der Pistole geschossen: "Sie brauchen gar nicht zu fragen, ich erzähle es Ihnen auch so."

Pfarrer Riedl hatte für den heutigen Dienstag von 8 bis 16 Uhr eine stille Anbetung mit Aussetzung des Allerheiligsten angesetzt. Damit nichts passiert, sprich auch nichts wegkommt, sollte immer zumindest einer der 1300 Katholiken der Gemeinde als eine Art Aufsichtsperson anwesend sein - und zwar für 30 Minuten, bis die Ablösung kommt. Für acht Stunden hätten sich 16 Gläubige melden und in eine Liste eintragen müssen.

Doch die Resonanz war mäßig und Pfarrer Riedl entsprechend enttäuscht: "Wenn ich nun einen normalen Zettel mit einem Aufruf geschrieben hätte, hätte den niemand gelesen. Aber die Toten-Zettel an der Kirchentür liest jeder ganz neugierig." Die ausgefuchste Finte verfehlte ihre Wirkung nicht. Relativ rasch wuchs die Schar der Freiwilligen auf 14 Personen. "Die restlichen zwei werden sich auch noch finden", glaubt Riedl ganz fest. (man)
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