Pfarrer Edmund Prechtl erzählt Frauen von seinen Erfahrungen in der Hospizarbeit
Sterbenden einfach zuhören

Für das schwierige Thema "Sterben" wollte Pfarrer Edmund Prechtl sensibilisieren. Bild: jzk
Kemnath. (jzk) Ein herzhaftes Frühstück und dann einen hörenswerten Vortrag von Pfarrer Edmund Prechtl - diese Mixtur hat sich wieder bewährt. 57 Landfrauen waren der Einladung von Ortsbäuerin Marianne Schmidt-Kopp zum Oberpfälzer Brunch in die "Fantasie" gefolgt.

Zuerst genossen die Teilnehmerinnen bei der Veranstaltung des Bildungswerks des Bayerischen Bauernverbandes Oberpfälzer Spezialitäten, die Wirtin Christa Sertl mit ihrem Team vorbereitet hatte. Rein thematisch schwerer verdaulich war der Vortrag von Pfarrer Edmund Prechtl. "Sterben zu Hause und im Krankenhaus - aus der Sicht eines Pfarrers" war das Referat des Pressathers überschrieben. Trotz des heiklen Themas war ihm die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen gewiss. Er beschränkte er sich nicht auf theologische Erläuterungen, sondern berichtete von seinen Erfahrungen als Mitarbeiter in der Hospizinitiative Fichtelgebirge, deren zweiter Vorsitzender er war. Auch beim Hospizdienst Neustadt/Waldnaab steht er Sterbenden bei.

Schwer erkrankte Menschen könnten in der letzten Phase ihres Lebens meist nicht mehr daheim versorgt werden. Die Veränderung der Gesellschaft und der Wegfall der Großfamilie seien die Ursachen. Deshalb brauche es immer mehr stationäre Einrichtungen, die sich um sie kümmern. "Aber Sterben kann man auch daheim gut", wusste der Geistliche.

Wichtig sei zuzuhören und für den leidenden Mitmenschen da zu sein. Schweigen sei besser als zu viel reden, kleine Wünsche erfüllen besser als unnütze Geschenke mitbringen. Auf Fragen wie "Warum muss gerade ich sterben?", könne niemand eine befriedigende Antwort geben. Der Besucher sollte keine Hektik verbreiten und beim Abschied das Wiederkommen erfragen. Er sollte Gefühle nicht unterdrücken, sondern zulassen und weinen, wenn es ihm danach zumute ist.

"Kinder sollten beim Sterben mit dabei sein", forderte Prechtl. Sie reagierten oft viel vernünftiger als die Erwachsenen meinen. Schmerz und Trauer sollten nicht durch Medikamente unterdrückt werden. Wer diese Gefühle zulasse, komme besser mit dem Verlust zurecht. Nach dem Tod sollten sich die nahen Verwandten Zeit nehmen, um sich vom Verstorbenen zu verabschieden. Marianne Schmidt-Kopp dankte Prechtl mit einem Glas Bienenhonig.
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