Pfarrer klopft an

Die achteckige Vierungskuppel wird durch eine goldene Krone mit Kreuz abgeschlossen.

Ora et labora - bete und arbeite. Im tschechischen Kladruby und im deutschen Zwiefalten entwickelte sich nach der Säkularisation ein modernes Leben. Die beiden ehemaligen Klöster erfüllen unter anderem als Kunstdenkmäler Orte des Gedenkens. Im Schicksal der Klöster spiegelt sich das Schicksal großer Ereignisse.

Es war ein besonderer Auftrag: Mönche des 1089 gegründeten benediktinischen Reformklosters Zwiefalten (Kreis Reutlingen) sollten das 1115 gegründete Kloster Kladrau nach der "Hirsauer Reform" ausrichten. Die Bitte kam von Richinza von Berg, einer Adeligen aus der Gegend von Zwiefalten. Und so holten die schwäbischen Ordensleute Mönche nach Böhmen.

Richinza vermählte sich 1110 mit Herzog Wladislaw I. von Böhmen, blieb jedoch stets in Verbindung mit ihrer Heimat. Zusammen mit ihrem Mann, dessen Grabmahl in der Basilika zu finden ist, sind sie die Stifter des Klosters Kladrau. Lange Zeit wurde dieser Bezug für wenig spektakulär erachtet.

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Es bedurfte eines äußeren Anstoßes, damit das Thema auf die historische Zwiefalter Agenda gesetzt wurde. Anfang der 1990er Jahre bekam der damalige Bürgermeister Hubertus Jörg Riedlinger, heute Vorsitzender des Geschichtsvereins, Besuch vom tschechischen Pfarrer Monsignore Jaroslav Kubovec. Dieser hatte nach dem Krieg seine Heimat aus politischen Gründen 1948 fluchtartig verlassen müssen. Seelsorgerisch betreute er zwei Orte in der Nachbarschaft von Zwiefalten. Kubovec, der aus der Nähe vom Klatovy stammt, trug schwer am Verlust seiner böhmischen Heimat und der deutsch-tschechischen Tragödie. "Der Priester", erzählt Riedlinger, "legte mir ans Herz, die geschichtliche Verbindung der Zwiefalter Benediktiner mit Kladrau in der Öffentlichkeit neu zu beleben". Die gute Nachbarschaft von Tschechen und Deutschen war ihm sehr wichtig.

Auf Anregung des Geschichtsvereins beschäftigen sich 1999 Studenten der Universität Tübingen mit den Klöstern in einem bau- und kunsthistorischem Seminar. Durch das Zusammenwirken der schwäbischen Gestalter der Ausstellung, des Fördervereins Goldene Straße Altenstadt/WN mit der Partnerschule in Kladruby an der Schnittstelle zwischen Ost und West, Musizierenden aus Tschechien, Frankreich und Deutschland konnten neue Wege geöffnet werden. Unterstützung auf tschechischer Seite kam von der Stadt Kladruby, dem Denkmalamt in Cesky Budovice, dem Direktor des Konservatoriums in Pilsen und Professor Dr. Karel Dolista vom Strahov-Kloster in Prag.

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Nachhaltigkeit gefordert

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Der 20. Juni wird ein besonderer Höhepunkt und will an die alten Beziehungen anknüpfen. "Wir haben ein Projekt initiiert, das in spiritueller Hinsicht eine Brücke über mehrere Epochen zu spannen versucht", berichtet Riedlinger. Die Initiatoren in Schwaben und der Oberpfalz blicken zurück auf Höhen und Tiefen bei ihrer Suche nach Gemeinsamkeiten. Es war ein steiniger Weg bis zum Jubiläum. Ein Aufgeben gab es nicht". Rainer Christoph vom Förderverein betont: "Die Mönche, die sich 1115 auf den ebenso schweren, unbekannten und sicher auch gefährlicheren Weg nach Böhmen machten, waren unser Vorbild." Die Veranstalter hoffen, dass die Saat für alle Beteiligten in Tschechien und Deutschland aufgeht. Riedlingers Vision: "Vielleicht schaffen wir es, durch das 900. Jubiläum der Klostergründung in Kladrau die Herzen der Bürger in und um Kladruby und Zwiefalten sowie in der Oberpfalz an dieser historischen Verbindung anzuknüpfen." Kontakte sollten weiterlaufen und vertieft werden. Eingebunden wurden daher auch Schüler der beteiligten Orte, die sich künstlerisch Gedanken über die Verbindung zwischen den Ländern und Kommunen gemacht haben.

Anfang September wandert die Ausstellung zur 250-Jahr-Feier der Zwiefalter Münsterweihe mit einem weiteren Konzert am 27. September nach Württemberg. Das Jubiläum tangiert auch den bayerischen Regierungsbezirk der Oberpfalz. Unter Regie des Förderverein Goldene Straße entstand ein von der Euregio gefördertes Begleitbuch zur Ausstellung.

Bei diesen Recherchen ergab sich eine unerwartete Entdeckung. Weder in Kladruby noch in Zwiefalten war bekannt, wo sich das Grab von Richinza (auch Reitza, Richza) von Berg befand. Geboren um 1095, war sie die Tochter des Grafen Heinrich I. von Berg-Schelklingen und Adelheid von Mochental, eine Tochter Markgraf Diepolds II., verwandt auch mit dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa. Richinza wurde zur Stamm-Mutter aller späteren Könige von Böhmen.

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Im Kindbett verstorben

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Kommissar "Zufall" spielte hier eine Rolle: Sie ist bestattet im Familiengrab ihres Onkels Diepold III. im Kloster Reichenbach am Regen, der 1146, also nach ihr verstarb. Wie kam es dazu? Nach dem Tod ihres Mannes wollte Richinza in ihre schwäbische Heimat zurück. In Reichenbach machte sie Station bei Verwandten. Hochschwanger starb sie jedoch am 27. September 1125 im Kloster an Kindbettfieber. Dies bezeugt der Chronist des Klosters im 15. Jahrhundert: "Sie starb im Kindbette und wurde mit ihrem Kind begraben".

Weitere Bezüge zu Böhmen und Schwaben ergaben sich durch das Wolfgangs-Patronat der damaligen Klosterkirche Kladrau. Dies freut besonders den Regensburger Schirmherren Bischof Rudolf Voderholzer. Von seinem berühmten Vorgänger stammt folgende Aussage: "Wir sehen im Boden jenes Landes eine kostbare Perle verborgen, die wir nicht, ohne unsere Schätze zu opfern, gewinnen können. Deshalb höret: Gern opfere ich mich selbst und das Meinige auf, damit dort die Kirche erstarke und das Haus festen Boden gewinne".

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Große Verehrung

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Mit diesen Worten löste 973 Bischof Wolfgang das Bistum Prag von Regensburg ab. Groß wurde seine Verehrung in Böhmen. Wolfgang (geboren um 924 in Pfullingen) besuchte 973 das Benediktinerkloster auf dem Weg nach Pilsen. Hier hatte er einen Traum und pflanzte einen Baum, so berichtete eine Legende. Am Hochaltar der Kirche Kladruby ist er bis heute überlebensgroß verewigt.

Von der Oberpfalz nach Schwaben zog es den Baumeister des Münsters Zwiefalten, Johann Michael Fischer aus Burglengenfeld, der seine Lehrjahre auch in Böhmen verbrachte. In der Zeit des Umbruchs vom Spätbarock zum Rokoko arbeitete er viel mit den Ausstattungskünstlern der Familie Asam, deren Bilder auch in Kladruby zu sehen sind.

Von 1741-1750 war er maßgeblich am Bau der Abteikirche des Klosters Zwiefalten beteiligt. Die beiden Partnerklöster ereilte am Ende das gleiche Schicksal. In der Säkularisation wurden sie aufgelöst. Noch heute ist der Mittelpunkt von Zwiefalten das Münster "Unserer lieben Frau", eines der bedeutendsten Bauwerke des Spätbarocks deutscher Prägung. Berühmt ist die Kirche durch alljährliche Konzerte mit geistlicher Musik an der schwäbischen Barockstraße.
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