Pfennigabsätze verboten

Zur Einweihung der neuen Schule am Koppelberg am 22. November 1964 sprach Landrat Christian Kreuzer. Repro: sef

Bereits 1958 hatte Hauptlehrer Alois Bocka Raumnot, Lärm und unhaltbare hygienische Zustände in den Aborten der Schule beklagt. Am 1. September 1960 beschlossen die Gemeindeväter einen Neubau der Bildungsstätte. Einweihung war vor 50 Jahren.

Am Westhang des Koppelberges erwarb die Kommune für 16 000 Mark (8200 Euro) ein geeignetes Grundstück und beantragte Zuschüsse. Mit der Konzeption betraute sie Eduard Weiß aus Altenstadt. Am 18. Mai 1962 reichte der Architekt eine detaillierte Beschreibung ein.

Das Grundstück fand sich am westlichen Abhang des Koppelberges. Das U-förmige Gebäude besteht aus zwei Quertrakten. Der nördliche hat vier Klassenzimmer. Im südlichen sind im Erdgeschoss der Turnsaal, darüber ein Klassenzimmer und der Werkraum untergebracht.

Genügend Platz für Sport

Beide Komplexe verbindet ein zweigeschossiger Längsbau. Darin finden Heizung, Toiletten, Duschen, Pausenhalle und Funktionszimmer für Lehrkräfte, Schulleiter und Lehrmittel Platz. Für Wärme sorgt eine Warmwasserheizung mit Ölfeuerung. Als Pausenhof dienen "gärtnerische Anlagen zwischen Nord- und Südflügel. Das Schulgrundstück bietet genügend Platz für eine Freisporteinrichtung", heißt es in der Beschreibung von Weiß.

Am 1. September 1962 stimmte der Marktrat dem Architektenentwurf mit fünf Klassenräumen zu. Damit könne ein prognostizierter Anstieg der Schülerzahl aufgefangen werden. Weiß berechnete Kosten in Höhe von 630 000 Mark (322 000 Euro). Er sah vor, sämtliche Außen- und Zwischenwände mit Gitterziegeln und die Decken aus Stahlbeton herzustellen.

Mit Satteldächern wollte der Planer die beiden Quertrakte und mit einem Flachdach samt Kiespressbelag den Verbindungsbau gegen Witterungseinflüsse absichern. Diese Vorschläge reichte der Markt Ende Oktober 1962 beim Landratsamt Neustadt ein. Die Behörde genehmigte am 18. Juni 1963 das Projekt unter Auflagen. So solle der Bau wegen der Hanglage gegen Grundfeuchtigkeit isoliert werden und die Fußböden mussten Wärmeschutz aufweisen. Das Landratsamt schrieb vor, den Turnraum mit Schwingboden und das darüber liegende Klassenzimmer schallgedämmt zu bauen. Außerdem ordnete es an, einen Sonnenschutz in den Klassenzimmern anzubringen.

Sofortiger Baubeginn

Nach der Bewilligung startete unverzüglich der Rohbau. Am 8. November 1963 feierten Arbeiter und Verantwortliche Richtfest. Ein Jahr später, am Sonntag 22. November 1964, erfolgte die Einweihung der neuen Schule. Im Anschluss an einen Dankgottesdienst in der Pfarrkirche formierte sich der Festzug zum Koppelberg, wo Bürgermeister Bernhard Weiß in der Pausenhalle die Begrüßung übernahm.

Nach einem Choral der Luher Blaskapelle und einem Prolog - vorgetragen von einer Schülerin - segnete Pfarrer Josef Sauer die Räume. Architekt Weiß übergab die Schlüssel an den Rathauschef, der die Finanzierung erläuterte: "Von den 650 000 Mark Gesamtkosten übernehmen Bund, Land und Bezirk 270 000 Mark. Der Landkreis gewährt pro Klassenzimmer 2500 Mark zinsfreies Darlehen, während die Gemeinde die erheblichen Restkosten schultern muss."

Dann sprach Hauptlehrer Alois Bocka. "Ich versichere, dass alle Lehrkräfte stets bemüht sein werden, in den neuen Räumen brauchbare Menschen zum Wohl von Gemeinde und Staat zu erziehen." Der Schülerchor unter Leitung von Lehrerin Gertraud Feiner sang während des Festaktes. Ein Sketch erinnerte die 143 Schüler (64 Knaben und 79 Mädchen) auf humorvolle Weise an ihre Pflichten.

Tag der offenen Tür

Am Nachmittag stand die neue Schule zur Besichtigung offen. "Die nagelneuen Räume dürfen keinesfalls mit Pfennig-, Bleistift- oder Stahlkopfabsätzen betreten werden", schärfte man den Gästen ein.

Zu Beginn des Schuljahres 1965/66 wurde der neue Sportplatz in Betrieb genommen. Die fünf Klassenzimmer waren erstmals im Schuljahr 1968/69 komplett mit 186 Kindern belegt. Als Lehrkräfte wirkten Schwester Dolorosa Binder (1. Klasse), Gertraud Feiner (2.), Karl Bodensteiner (3. und 4.), Alois Bocka (5. und 6.) und Wolfgang Feiner (7. und 8.).
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