Pferdesteuer zum Wiehern

Carola, Melanie und Julia können unbeschwert weiterreiten, die Gemeinde Trabitz denkt nicht über eine Pferdesteuer nach, sagt Bürgermeisterin Carmen Pepiuk. Bild: idu

Den Gemeinde steht eine neue Einnahmequelle offen: Das Bundesverwaltungsgericht hat es Kommunen erlaubt, von Pferdebesitzern eine zusätzliche Steuer zu erheben. Bei den Pferdebesitzern der Region hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Das Halten von Pferden geht über das Alltägliche hinaus und erfordert einen zusätzlichen Vermögensaufwand, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Pferdebesitzer seien wirtschaftlich so leistungsfähig, dass sie mit Steuern belegt werden können. Das Urteil LAZ: BVerwG 9 BWN 2.15 bezieht sich ausdrücklich auf Pferdehaltung zur Freizeitgestaltung. Es nimmt Pferde von der Steuerpflicht aus, die hauptsächlich zur Berufsausübung eingesetzt werden.

Vom Mund abgespart

Diese Ausnahme kann die Pferdebegeisterten in der Region wenig trösten. Kerstin Diegel stört an dem Urteil besonders die Begründung: "Wir Pferdebesitzer sparen uns diesen Luxus vom Mund ab, verzichten auf so viel anders." Die Pressatherin verweist auf den Luxus, den sich andere gönnen: teure Klamotten, Luxusautos, mehrmals im Jahr in den Urlaub. "Hier fordert niemand eine Sondersteuer." Diegel fühlt sich und alle anderen Pferdefreunde ungerecht behandelt: "Wer entscheidet, dass jemand mehrmals im Jahr einen teuren Urlaub machen oder sich teure Fahrzeuge leisten kann, dies für sein alltägliches Leben braucht und deshalb keine Steuer zahlen muss?"

Die Pressatherin ist überzeugt, dass das Urteil auch für behinderte Menschen Probleme bringt: "Der Reitsport ist auch ein Sport für Behinderte, er ist Therapie." Diegel befürchtet, dass es für sie schwerer und teurer wird, Therapiestunden zu erleben. "Ich hoffe, viele Gemeinden werden den Schritt, eine Pferdesteuer einzuführen, überdenken und die vielen negativen Auswirkungen, die eine solche Steuer nach sich ziehen würde, bedenken", sagt Diegel. Denn für sie ist klar.

Keine Informationen

Diegel stört außerdem die schlechte Informationslage: "Wofür wird das Geld verwendet, und wie viel müssen wir überhaupt bezahlen." Wenn es darauf vernünftige Antworten gäbe, könnte sie sich mit der Hobby-Steuer abfinden. "Aber wir wissen nicht, was mit dem Geld gemacht wird und wie teuer es pro Pferde werden kann."
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