Pflanzenwelt im Griff

Ria Wittmann hat einen Weißdorn in der Hand. "Die Früchtchen müssten bald kommen", stellt die Expertin fest. Dies muss sie dann in ihren Meldebogen eintragen und telefonisch an die Wetterstation in Leipzig mitteilen. Bild: rti

Ria Wittmann ist keine Biologin, Landwirtin oder Gärtnerin. Trotzdem kennt sie fast jede heimischen Pflanzenart.

Die 80-Jährige ist phänologische Beobachterin im Auftrag des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Seit 1979 notiert sie die Entwicklungen in der Pflanzenwelt im Raum Roggenstein und meldet die Daten dann weiter. Und das alles ehrenamtlich.

Die Seniorin überwacht die gesamte Vegetationsperiode. Sie beobachtet von über 50 Pflanzen (beispielsweise Gerste, Hafer, Roggen, Hasel, verschiedene Obstsorten oder Weißdorn) den Beginn des Austriebs, die Blüte und die Phasen der reifen Früchte. Nachdem die 80-Jährige die Daten sorgfältig im Meldebogen notiert hat, gibt sie den jeweiligen Tag an die Wetterstation telefonisch weiter. Zu Beginn war diese in Weiden (Milchhof). "Da habe ich alle Leute gekannt und sie haben mich gekannt. Das hat sich leider verändert", sagt Wittmann. Später musste sie die Station in Hof kontaktieren und seit einigen Monaten sitzten ihre Ansprechpartner in Leipzig. Viele Veränderung hat sie in ihrer 36-jährigen Tätigkeit nicht festgestellt. "Das ist fast alles gleichgeblieben." Natürlich gebe es aber Unterschiede bei der Verbreitung einiger Pflanzen. Als Beispiel nennt sie den Huflattich. "Den hat es früher viel öfter gegeben. Jetzt findet man ihn nicht mehr so oft."

Der Zeitaufwand für ihre Aufgabe sei mit rund 30 Minuten nicht allzu groß. "Wenn ich rausgehe oder mit dem Auto durch die Gegend fahre, sehe ich alles." Während der Ernte würde es aber immer etwas länger dauern.

Vom Vater übernommen

Schon ihr Vater Franz Nickl war seit 1942 phänologischer Beobachter ("Ich glaube, die sind früher einfach ausgewählt worden"). 37 Jahre später gab er das Amt an seine Tochter weiter. Wenn er mich nicht darum gebeten hätte, hätte ich es nicht gemacht", blickt die Kaimlingerin zurück. Allerdings würde es ihr immer noch sehr viel Spaß machen. "Solange es meine Gesundheit zulässt, beobachte ich die Pflanzen weiter."

Eine Nachfolgerin hat die 80-Jährige allerdings auch schon im Auge. "Vielleicht macht es mal meine Schwiegertochter Ulrike weiter. Die könnte das bestimmt. Vor allem könnte sie die Daten per Internet schicken, denn das mache ich nicht mehr."
Weitere Beiträge zu den Themen: Kaimling (206)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.