Pflegeberufe zu unterschiedlich

Die Verantwortlichen in der Altenpflegeausbildung und Vertreter von Altenpflegeeinrichtungen schlagen Alarm: Bei einem "Runden Tisch" erteilten sie einer "generalistischen Pflegeausbildung" durch die Bank eine Absage.

Erbendorf. (njn) Zum Treffen hatte die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht, Landtagsabgeordneten Tobias Reiß sowie Vertreter aus Altenpflegeeinrichtungen eingeladen. Der Tenor: "Die Gesetzgebung zur Pflegeausbildung muss gestoppt werden."

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Trägervereins der Berufsfachschule, Johannes Reger, gab Rupprecht einen Abriss über die auf Bundesebene geplante Reform der Pflegeausbildung. Dabei sollen Kranken- und Altenpflege in einer weitgehend dualen Ausbildung zusammengefasst werden. "Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe arbeitet bereits einen Referentenentwurf aus." Das Gesetzgebungsverfahren werde voraussichtlich noch in diesem Jahr anlaufen.

Berufsfachschulleiterin Hannelore Doleschal sieht in der "generalistischen Ausbildung" vor allem die Qualität des Berufsfeldes Altenpflege in Gefahr. "Denn der Umfang der Lehrstunden bleibt für Kranken- und Altenpflege gleich." So müssten Abstriche beim Lernstoff gemacht werden. Zudem sei die Schnittmenge bei der Kranken- und Altenpflegeausbildung nicht so groß. Seitens der Altenpflegeeinrichtungen kam in der Diskussion ebenso Kritik. Obwohl die "generalistische Ausbildung" für die Auszubildenden attraktiv sei, bestehe die Gefahr, dass die Altenpflege "unter die Räder" komme. Denn viele zögen nach Ausbildungsende einen Kranken- dem Altenpflegeberuf vor.

"Die Altenpflege ist keine Krankenpflege und umgekehrt", merkte Schulleiterin Hannelore Doleschal an. Unter der Arbeit mit alten Menschen verstehe sie, deren Lebensqualität zu erhalten und zu fördern. Dies könnten nur ausgebildete Altenpfleger bewerkstelligen. Dies sahen auch die Vertreter der Altenpflegeeinrichtungen so. "Mit der Reform würde Alter mit Krankheit gleichgesetzt und die Altenpflege auf die Pflege kranker alter Menschen reduziert", betonte Doleschal.

Ein weiterer Punkt der Reform beträfe auch die schulischen Einrichtung in der Altenpflege. Denn die Frage sei, ob kleinere Berufsfachschulen eine "generalistische Ausbildung" aus logistischen und organisatorischen Gründen anbieten könnten.

Rupprecht fasste die Punkte nach dem rund zweistündigen Gesprächen zusammen: "Der Erhalt von Altenpflegeschulen wird gerade im ländlichen Raum sehr kritisch gesehen, ebenfalls kritisch wird die Qualität der 'generalistischen Ausbildung' bewertet." Die inhaltlichen Positionen werde er mit nach Berlin nehmen und sie zuerst in der CSU-Landesgruppe verlautbaren lassen.

Abschließend bot der Bundestagsabgeordnete eine Berlinfahrt für Mitarbeiter aus den Pflegeheimen an. "Es wäre eine spannende Geschichte, mit den Zuständigen des Ministeriums über die 'generalistische Ausbildung' zu sprechen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.