Philosophie-Gehorsam

Auch Sie haben sicher schon diese Spezies Mensch kennengelernt, die "es" schon lange vorher gewusst haben will, wenn eine Katastrophe (ein ur-griechisches Wort übrigens) eingetreten ist. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Und dazu gehört sicher die gegenwärtige griechische Tragödie - noch ein Wort aus dem hellenischen Wortschatz. Denn in diesem Fall hätten viele das aktuelle Dilemma vorhersehen müssen - zumindest die Absolventen jener Gymnasien, die ihre Schüler zwangen, altgriechische Texte zu übersetzen. Ihnen war doch das erotische Chaos der heimischen Götter bekannt, deren oberster, Zeus, sogar in tierischer Gestalt Göttinnen zu beglücken pflegte. (Wo waren da eigentlich die Tierschützer?)

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Außerdem hielten sich die Götter nicht aus menschlichen Duellen heraus, sondern ergriffen sogar Partei. Immerhin war die weise Pallas Athene, die Tochter des Zeus, aus seinem Kopf geboren. Heute dürfte man fragen, aus welchem Körperteil des Göttervaters eine so dringend für die Zukunft notwendige Göttin geboren werden würde., Ohne Not leisten sich die Hellenen - so wie nur noch Russland und Serbien - eine Sprache, die niemand in den anderen Euro-Ländern lesen kann.

Ihr Alphabet benötigt noch heute zwei verschiedene Buchstaben für unser "E" und unser "T" sowie deren drei für unser "P". Und in der Grammatik haben sie als Einzige den Verbformen für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine vierte, den "Aorist" hinzugefügt - als "perspektivischen Aspekt der Vergangenheit", so das Lexikon.

Und ob der allen Nichtgriechen überlassene Ödipus-Komplex gegenwärtige Probleme zu lösen hilft, ist doch sehr fraglich. Besser wäre es, wenn die heutigen Hellenen auf ihre alten Philosophen gehört hätten oder hören würden.

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"König" Otto

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Vielleicht ist ja der überraschende Rücktritt ihres kreativen Finanzministers auf die uralten Zitate "Ich weiß, dass ich nichts weiß" und "Erkenne dich selbst!" zurückzuführen. Sokrates hatte das Glück, eine Xanthippe zur Frau zu haben, die ihm bei dieser Erkennisgewinnung kräftig half. So bleibt schlussendlich nur die Erinnerung an zwei Glücksfälle der neueren griechischen Geschichte.

Beide Male stand dafür der schöne deutsche Name Otto. Den ersten Träger dieses Namens haben die Griechen 1832 zu ihrem König gewählt, einen Monarchen (auch ein griechisches Wort) aus dem Hause Wittelsbach. Der zweite verhalf den griechischen Fußballern zum völlig überraschenden Europa-Meistertitel - "König" Otto Rehhagel. Ist nun der Vorschlag völlig abwegig, die Griechen nach einem dritten Otto suchen zu lassen - beim Internationalen Währungsfond, bei der Europäischen Zentralbank oder in den mitfühlenden übrigen Euro-Ländern?
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