Pianist Christian Seibert über Reger, väterliche Fußstapfen und Muskelspiele
"Die Schuhgröße meines Vaters entspricht meiner"

Weiden/Frankfurt/Oder.Hineingeboren in eine Pianistenfamilie, aufgewachsen mit der Musik von Max Reger. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen wir Pianist Christian Seibert, Sohn von Prof. Kurt Seibert, dem passionierten Reger-Interpreten und Begründer der Weidener Max-Reger-Tage. Doch Christian Seibert geht seinen eigenen Weg. Auch in Sachen Reger. Vor kurzem hat er für den WDR-Hörfunk drei Reger-Klavierwerke eingespielt. Unter anderem Regers Fantasie über "An der schönen blauen Donau", mit der er nicht nur in Korea das Publikum von den Sitzen reißt.

Aufgewachsen mit klassischer Musik, in einer Pianisten- und Pädagogenfamilie, dazu die väterliche Passion für Musik von Max Reger - Herr Seibert, wie cool war das denn für einen Heranwachsenden der Generation Michael Jackson?

Christian Seibert: Neben Prince und Michael Jackson empfand ich eigentlich nur Franz Liszt als wirklich interessant. An Reger fand ich eher den Klaviersatz cool, so viele schwarze Noten ... Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie Reger in seinem doch nicht so langen Leben diese vielen Noten aufschreiben konnte.

Ihr Vater hat in Sachen Reger große Fußstapfen gesetzt. Das weckt Erwartungen. Wie gehen Sie damit um?

Seibert: Die Schuhgröße meines Vaters entspricht ungefähr der meinen, Größe 42 oder 43. Sie sind vielleicht ein bisschen breiter. Er hat sich umfassend mit Reger auseinander gesetzt, was mir, ehrlich gesagt, kein Bedürfnis war. Ein Reger-Jünger war ich nie, aber ein paar Werke von ihm liebe ich sehr.

Welche Werke sind das?

Seibert: Natürlich die Bach-Variationen für Klavier. Allgemein der "Superhit", meiner Meinung nach zu Recht. Ich höre aber auch die Orgelwerke ganz gerne, obwohl es die Kirchenakustik kaum zulässt, 200 Modulationen in 3 Minuten zu folgen. Toll ist natürlich die Böcklin-Suite für Orchester. Generell finde ich Reger vor allem dann gut, wenn er sich einer schönen Vorlage bedient.

Eine dieser schönen Vorlagen ist der "Donauwalzer" von Johann Strauß. Von Reger für Klavier genial bearbeitet, aber "stümperhaft" vermarktet ...

Seibert: Wie ich gelesen habe, hat er Johann Strauß' Sohn mit dem Vater Strauß verwechselt und es daher versäumt, beim Verleger die Rechte zu sichern. Deshalb musste man 30 Jahre warten. Aber Gott sei Dank ist das Stück überhaupt veröffentlicht worden, es ist nämlich wirklich originell.

Das ist es in der Tat, und wer Sie damit live erlebt, der kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht nur das Publikum, sondern auch der Pianist tierischen Spaß an diesem virtuosen Paradestück hat.

Seibert: Natürlich, man zeigt ja als Pianist auch gerne mal Muskeln. Als ich in Korea, vielleicht nicht unbedingt ein Land der großen Reger-Tradition, dieses Stück gespielt habe, standen die Leute auf den Stühlen. Gute Vorlage, Max Reger und ein bisschen pianistischer Größenwahn, das kommt an.

Ein Ratschlag Ihres Vaters?

Seibert: Ich gehe meinen eigenen Weg. Das kann auch mal zu Auseinandersetzungen führen, wenn es um Interpretationsfragen geht.

Sie haben Reger für den WDR eingespielt. Wann ist mit einer CD-Veröffentlichung zu rechnen?

Seibert: Nächstes Jahr wird bei CPO meine Solo-CD mit Werken von Nino Rota veröffentlicht. Als nächstes Reger, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Mal sehen, ob sich CPO das auch vorstellen kann.

Wenn Sie keine klassische Musik hören, was hören Sie dann?

Seibert: Ich bin an allem interessiert und habe so meine Phasen. Derzeit läuft sehr oft das Bill Evans Trio.

Und Prince?

Seibert: Ich wäre so gerne wie er ...

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"Das Schwein und der Künstler werden erst nach ihrem Tod geschätzt". Eine Sendung über den Komponisten Max Reger. WDR 3 Radio, Sonntag, 21. Dezember, 13.04 bis 15 Uhr. Von Reger erklingen die "Silhouetten" op.53, die Bearbeitung von Bachs Präludium und Fuge E-Dur (BWV 458) und die Fantasie über "An der schönen blauen Donau" (Klavier, Christian Seibert).
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