Platznot im Storchennest

Langsam wird es eng. Die Altvögel suchen sich immer häufiger ein Plätzchen in der Nähe des Horsts, aber immer in Sichtweite zu ihrem nachwuchs. Die drei Luher Jungstörche machen schon fleißig Flugübungen für ihre bevorstehende große Reise. Bild: Hengge

Putzmunter und klapperfidel geht es schon seit längerem auf dem Dach der Metzgerei Tretter zu. Drei Jungstörche stehen im Nest und machen erste Trockenübungen für den baldigen Abflug in den Süden.

Es ist heuer das zweite Mal, dass es in Luhe nach fast drei Jahrzehnten Storchennachwuchs gibt. Acht Jahre stand der neue Horst über der Gastwirtschaft leer. Die alte Bleibe auf dem ehemaligen Pfarrhof hatten die Vögel sogar über Jahrzehnte verschmäht.

Im vergangenen Jahr herrschte große Freude, als sich Störche und Nachwuchs auf dem Dach des Wirtshauses ankündigten. Zwei propere Jungvögel starteten Anfang August in wärmere Gefilde. Heuer sind es gleich drei Junge. "Zwei waren recht gut beieinander, aber beim dritten haben wir nicht geglaubt, dass er durchkommt, so klein und winzig wie er war", erzählt Juniorchef Stefan Tretter.

Sein Vater, Metzgermeister Karl, quasi Storchenbeauftragter, führt akribisch Buch über alles, was Familie Storch und ihren Nachwuchs anbelangt. Tag für Tag beobachtet er das Treiben auf seinem mittlerweile überwiegend nun weißen Dach.

Gut im Futter

Seinen Beobachtungen nach traf der erste Vogel am 14. Februar ein, die oder der Partner folgte am 12. April. "Brut-Ende" hat Tretter am 22. Mai notiert. Ihre Daten liefern die Tretters auch an den Landesbund für Vogelschutz, damit deren Statistiken stimmen. Klimatisch scheint heuer ein gutes Jahr für den Storch gewesen zu sein, glaubt die Familie. Von großem Vorteil sei, so Sohn Stefan, dass die Luhe- und Naabwiesen in zeitlich versetzten Abständen von den Landwirten gemäht würden. "So finden die Vögel immer was zu fressen." Landwirtschaftliche Programme, die Mäh- und Erntezeiten vorgeben, sowie Biobauern kommen den Vögeln ebenfalls entgegen.

Jetzt wird es schön langsam eng in in der Storchen-Wohnung. Die Alttiere beziehen immer öfter Quartier in der Umgebung, sei es auf dem Dach des Kirchenschiffes, auf der Feuersirene oder auf Bürgerhäusern - das Nest und den Nachwuchs stets im Blick.

Nicht selten war es in der Vergangenheit zu Revierkämpfen gekommen. Immer wieder sammelt die Gastwirtsfamilie Äste, Zweige und andere Baustoffe in ihrem Hof auf, weil die Störche Material fürs Nest herantransportieren. Was nicht gefällt, fliegt wieder raus.

Blick in die Kinderstube

Wenn dann spätestens Mitte August auch die Alttiere Luhe verlassen haben - vorher machen sich die Jungtiere auf den Weg - rückt die Feuerwehr mit zwei Mann und Kletterausrüstung an. Die Familie Tretter lässt dann die Schneefangbäume auf dem hohen Dach reinigen, da sich dort in den vergangenen Wochen jede Menge Nistmaterial angesammelt hat.

Tretter hat übrigens seine Unterlagen mit vielen Fotos vervollständigt, die ihm Lutz Hengge zur Verfügung gestellt hat. Der zweite Vorsitzende des Luher Waldvereins sieht von seinem Balkon aus direkt in Adebars Kinderstube. Mit einem neuen Teleobjektiv hat er das Aufwachsen der Vögel festgehalten.
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