Pointen im Sekundentakt

Nicht wie zu Ostern üblich die Füße, sondern vielmehr den Kopf wusch Michl Müller so manchem Zeitgenossen. Doch auch über banale Dinge des Lebens regte sich der "fränkische Dreggsagg" so richtig auf.

Grafenwöhr. (mor) Zum dritten Mal gastierte Michl Müller, der wohl bekannteste Komiker des Frankenfaschings, in der Stadt. Ein gepflegtes, "internationales" Publikum - von Gräfenberg über Kirchenthumbach, von Ebnath bis "Pressack" sowie viele "Aborigines" - begeisterte der Bad Kissinger in der Stadthalle mit seinem Programm "Ausfahrt freihalten".

Ohne Punkt und Komma ging es vor über 1000 Besuchern von der WM 2020, die mit Glühwein statt Bier zur Weihnachtszeit stattfindet, zu Karl Moiks Tod, der nur vor Andy Borg, "Österreichs singender Sacher-Torte", geflüchtet sei. Nicht die elektronische Maut, sondern ein Papperl mit Seehofers Bild würde auch Wildunfälle verhindern, ätzte Müller. Bei Helmut Schmidt, dem "Schlot der SPD", sei die Ehe auf der "Kippe" gestanden und der ehemalige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hege nun Umbau- und Renovierungsgedanken in der Sixtinischen Kapelle.

Putins Verschwinden führte Michl Müller auf einen gefährlichen Männerschnupfen des "kleinen russischen Freckers" zurück, den selbst Kanzlerin Angela Merkl, die "Friedenstaube aus der Uckermark" oder "Flugente aus Meck-Pomm", nicht erreicht habe. Vorschläge gab's für den Jahreskreis: Den 3. Oktober könne "Haubitzen-Uschi" (Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen) mit einer Militärparade aus zwei Flugzeugen und drei Panzern begehen. Für die Friedhofsrallye an Allerheiligen schlug der Kabarettist einen Stand mit Uli-Hoeneß-Bratwürsten vor - schließlich würden am Vorabend, dem "evangelischen Feiertag Halloween", auch Süßes und Saures angeboten.

Keinen Zweifel ließ der Franke daran, dass der Weihnachtsmann mit seinem "How, how, how" ein Oberpfälzer sein müsse. Wie ein roter Faden zogen sich Geschichten aus seiner Heimat sowie seiner Freunde Frank und Holger beim Italiener durch das Programm von Michl Müllers. Über Franks I-Pad sei die Reise nach La-Gomera gebucht worden: Lava, Lava, Lava und Essen vom heißen Stein erwartete dort die Franken.

Die Sehnsucht nach der Ferne führe auch dazu, Kindern Namen wie Jean Paul und Francesca zu geben. Ihnen werde dann Kohlrabi-Karotten-Saft von den Eltern serviert, die meist selber Vegetarier oder Flexitarier seien, die nicht geschlachtete, sondern nur totgefahrene Tieren essen.

Ostereier aus Ingwer

Früher habe es Schoko-Eier zu Ostern gegeben, nun gebe es für die Kleinen eine Ingwer-Wurzel, um die Eier selber daraus zu schnitzen. Dessous- und Dildo-Abende statt Tuppertreffen, Gartencenter, Romantikhotels, Thermomix und die Ingwerreibe aus Porzellan - "die Hilti unter den Küchengeräten" - waren weitere Themen im Redeschwall des Franken. "Weißt du, warum ich bei dir bleibe - es ist deine Ingwerreibe", ertönte es dazu.

Protestsongs sollten es eigentlich werden, doch Lieder wie "Kloos mit Sooß", "Ich bin kein Seemann", "Sexy" und "Zwiebelplootz und Federweißer" unterbrachen den Redeschwall des "Rock 'n' Röhner". Im fränkischen Reggae-Style sowie in der Art von Andrea Berg und Helene Fischer waren auch die Zugaben und das Potpourri vom "Heringsdösle" bis zur "Fleischereifachverkäuferin" gestaltet, die am Ende das Publikum nochmals von den Stühlen rissen und kräftig mitklatschen ließen.

Bis Mitternacht

Einschließlich des Autogramm-Marathons hatte Michl Müller die Stadthalle fast vier Stunden Stunden lang im Griff. Rechtzeitig mit Beginn des Karfreitags um Mitternacht endete das Gastspiel.
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