"Politiken Cup" 2015
Schachfestival

In Europa werden jährlich unzählige Schachturniere veranstaltet. Aus der großen Masse der Turniere ragt seit einigen Jahren der Kopenhagener "Politiken Cup" heraus. Aus kleinen Anfängen hat er sich zu einem großen Schachfestival entwickelt. Die Intention des dänischen Schachverbandes ist noch heute die gleiche: Dänische Nachwuchsschachspieler sollen die Gelegenheit erhalten, sich mit internationalen Schachgrößen zu messen.

Gingen beim Start im Jahr 1979 zweiundzwanzig Akteure an den Start, treten bis 2. August 431 Teilnehmer aus 20 Ländern an, so viele wie nie zuvor. Unter ihnen befinden sich 75 internationale Titelträger, darunter 30 GM, die in zehn Runden um das Preisgeld von 20 000 dänischen Kronen kämpfen.

Unter den 19 deutschen Teilnehmern befindet sich auch die aktuelle Nr. 2 der deutschen Rangliste, GM Liviu-Dieter Nispeanu, mit 2654 Elo Nr. 6 der Startliste. Diese führt der französische Supergroßmeister Laurent Fressinet (2707) an. Obwohl rund ein Viertel der Teilnehmer nicht über Elo 1700 hinauskommt, erreicht das Turnier dennoch den guten Eloschnitt von 1940. Livepartien sind im Internet unter www.chessdom.com zu sehen.

Unsere Partie wurde in Runde vier gespielt. Das Besondere: Ein Kampf jung gegen alt, mit Weiß die dänische Nr. 1 der U-16 und schon Fidemeister (Elo 2370) und mit Schwarz ein 63-jähriger ehemaliger niederländischer WM-Kandidat (Elo 2566), 1982 die Nr. 2 der Weltrangliste.

Weiß: Mikkel Jacobsen

Schwarz: Jan Timman

1.Sf3 c5 2.b3 d5 3.e3 a6 4.Lb2 Sc6 5.d4 cxd4 6.exd4 Lf5 7.Sh4 Le4 8.Sf3 e6 9.Sbd2 Lg6 10.a3 Sf6 11.Le2 Se4 12.Sxe4 dxe4 13.Se5 Sxe5 14.dxe5 Da5+ 15.Dd2 Dxd2+ 16.Kxd2 0-0-0+ 17.Ke1 Lc5 18.h4 e3 19.fxe3 Lxe3 20.Th3 Ld2+ 21.Kd1 Lf4+ 22.Ke1 Ld2+ 23.Kd1 Lf4+ 24.Ke1 Kb8 25.Ld3 Td5 26.Lc4 Td2 27.Lc1 Td4 28.Lxf4 Txf4 29.Ld3 Lxd3 30.cxd3 Tc8 31.Ke2 Tc2+ 32.Ke3 Tff2 33.h5 Tce2+ 34.Kd4 Tf4+ 35.Kc5 Kc7 0-1

Tagesnotizen: Ferien-(Urlaubs-)Zeit ist Studienzeit. So bieten wir Ihnen heute mit Aufgabe Nr. 102a eine Studie zum Lösen an. Es ist nicht einfach nur eine Studie, bei der es heißt: Weiß zieht und gewinnt, sondern sie kann ohne weiteres als die "Mutter aller Studien" bezeichnet werden. Wem die Studie zu schwer erscheint, muss sich auf die Lösung vertrösten und wird sich an der phantastischen Zugfolge erfreuen. Auf welche Weise Weiß wohl die scheinbar verlorene Position zum Sieg führt?

Mit dem Zweizüger in Aufgabe Nr. 102b stellen wir einen Problemkomponisten vor, der über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Publikationen mit bemerkenswerten Schachaufgaben in Erscheinung getreten ist. Die Aufgabe stellte der Autor den Teilnehmern des unlängst in Bad Wörishofen über die Bühne gegangenen Schachtreffens des Bayerischen Schachbundes, zu dem der Bearbeiter der Schachecke als Problemschachreferent geladen hatte.

Genauso bemerkenswert wie seine Schachaufgaben war die berufliche Laufbahn des mittlerweile 78-Jährigen, der schon seit über fünfzig Jahren Schachaufgaben verfasst: Nach 17-jähriger Tätigkeit als Goldschmied arbeitete er 15 Jahre als Gemeindereferent in der Krankenhausseelsorge des Bistums Köln. Heute ist er einer der beiden Jugendleiter beim Schachclub Wangen im Allgäu.

Und zur Aufgabe: Der überraschende Schlüssel leitet ein brillantes Mattfeuerwerk ein.

Lösungen: Die Partie zu Taktik-aufgabe Nr. 101a (Lockwi-Tartakower, W: Kh1, De1, Tg5, Ba2, b2, d5, g2, h2 [8], S: Kh8, Db6, Tf8, Bb7, e5, g7, h7 [7]) wurde schon 1937 anlässlich der internationalen polnischen Meisterschaft gespielt und entlockt noch heute ein Schmunzeln. In der Diagrammstellung konnte Schwarz am Zug mit 1...Dxb2 seinen Minusbauer zurückholen. Besser ist, mit 1...Db5! die schwache weiße Grundreihe auszunutzen. Schwarz leitet damit eine Zugzwangfolge ein, der Weiß nichts entgegenzusetzen hat. Da 2...Tf1+ sowohl matt als auch Damenverlust droht, ist 2.Kg1 erzwungen. Mit 2...Dc5+ 3.Kh1 Dc4 erneuert Schwarz die Drohung 3...Tf1+. Abermals ist Weiß zu 4.Kg1 gezwungen. Nun 4...Dd4+, worauf Weiß wieder nur 5.Kg1 bleibt.

Mit 5...De4! greift Schwarz jetzt die weiße Dame direkt an. Diese muss wegziehen (6.Dxe4?? Tf1#) und dabei die Grundreihe verteidigen. Nach 6.Dg1 würde Schwarz mit 6...De2 fortsetzen und nach 7.Tf1 die Dame gewinnen. 6.Dd1 würde nach 6...Df4 (droht 7...Df1+ 8.Dxf1 Txf1#) den Turm g5 kosten, und auf 6.Dc1, wie in der Partie geschehen, folgt 6...Dd3 (droht wieder 7...Tf1+) 7.Kg1 Dd4+ 8.Kh1 Dd2!. Die schwarze Dame ist tabu (9.Dxd2 Tf1#). Da die weiße Dame nicht gleichzeitig sich, das Mattfeld f1 und den Turm g5 decken kann, geht nach einem beliebigen Wegzug auf ein Feld der ersten Reihe der Turm g5 verloren.

Ein schönes Beispiel von Humor in einer wichtigen Turnierpartie!

Der Vierzüger in Aufgabe Nr. 101b (W: Ka3, Tb3, Lc3, Sf2 [4], S: Kc1, Ta1, Lb1, Ba2, a5, b2, c2, e2 [8]) stammte aus eigener Werkstatt. Hier erhebt sich die Frage, wie Weiß dem bewegungsunfähigen schwarzen König beikommen will. Zugzwang muss helfen. Dabei hat Weiß zu berücksichtigen, dass Schwarz nach Ausführung seiner beiden Bauernzüge mit patt droht.

Deshalb bereitet Weiß mit dem Schlagschlüssel 1.Txb2! ein Hineinziehungsopfer vor mit der Folge 1...a4 2.Kxa4 (womit Weiß eine Deckung des Feldes b2 aufgibt) 2...e1 Umwandlung beliebig 3.Lxe1 (womit sich die letzte weiße Figur von der Deckung des Feldes b2 verabschiedet). Schwarz ist nun zum Hineinziehungsopfer 3...Kxb2 gezwungen und wird mit dem Idealmatt 4.Sd3# matt gesetzt. Idealmatt deshalb, weil alle weißen Figuren am Mattbild beteiligt sind und dem bedrohten schwarzen König sämtliche acht Fluchtfelder nur aus einem Grund unzugänglich sind. 1...e1 Umwandlung beliebig 2.Lxe1 a4 3.Kxa4 bedeutet nur Zugumstellung.

Im Hinblick auf die hochsommerlichen Temperaturen diesmal leichte Sommerkost, oder war es doch nicht so einfach?!
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