Polnische Ordensschwester berichtet in Pleystein über ihre Arbeit mit Prostituierten
Endstation Strich

Pleystein. (bey) Polen hat seit dem EU-Beitritt beachtlich an Wohlstand zugelegt. Der geht jedoch an einigen vorbei. Vor allem an Frauen, die in der Prostitution landen und dort schwer wieder herausfinden.

Schwester Anna Balchan und Magdalena Lasota vom Verein "Pomoc" helfen solchen Frauen in Kattowitz. Darüber referierten sie auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung und der KAB in der Pleysteiner Unterkirche. Der wirtschaftliche Aufschwung Polens lockte viele Menschen vom Land in die Städte, berichtete Anna Balchan. Lief es dort nicht mehr so gut, sahen etliche Frauen, darunter nicht wenige Mütter, nur noch eine Chance durch eine "Flucht" in Bordelle. Seit 1988 geht die Ordensschwester auf die Straße, um Prostituierte aus diesem Kreislauf loszueisen. Es betrifft zunehmend Mädchen aus der Ukraine und Weißrussland. "Polen wurde als einstiges Transitland für Menschenhandel mit dem gestiegenen Wohlstand für die Frauen zur Endstation."

Viele der Sexarbeiterinnen hätten häusliche Gewalt erlebt und würden wie moderne Sklaven gehalten. "Viele sind es nicht mehr gewohnt, selbst in kleinen Dingen des täglichen Lebens selbstständig zu handeln." Nur ein Arbeitsplatz jenseits des Mileus könne einen Weg aus diesem Elend weisen. Dabei will der Orden helfen.

"Pomoc" hat ein Frauenhaus eingerichtet, das Mütter und ihren Kindern Schutz bietet. Gerade Kinder würden von den Zuhältern und Menschenhändlern oft als Druckmittel eingesetzt, berichteten die Referentinnen. Erschütternd: Diese Kinder könnten Männer generell gar nicht mehr als anständige Menschen wahrnehmen, sondern nur noch als Bedrohung. "Pomoc" schätzt, dass derzeit in Polen rund 15 000 Frauen Opfer von Menschenhandel sind. Unterstützt wird die Arbeit des Vereins auch von Renovabis, dessen Hauptgeschäftsführer Pater Stefan Dartmann verschiedende Projekte in Osteuropa vorstellte.
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