Pop-Art-Star Ramón Rodriguez wirkt in Ranna
Herz und Kunst

Ramón de Jesus Rodriguez lebt und arbeitet in Ranna. Er zeichnet sich durch ein vielseitiges Schaffen aus: "Meine Kunst ist Pop" sagt er.

"Der Künstler arbeitet mit dem Herz", sagt Ramón des Jesus Rodriguez Rodriguez, der seit rund zweieinhalb Jahren mit seiner Familie in Ranna lebt und arbeitet. Er muss ein großes Herz haben und vor allem einen großen inneren Horizont. Das bisherige Schaffen des Spaniers ist erstaunlich vielseitig, aber eindeutig zuzuordnen: Pop-Art.

Das lässt der Künstler auch zu: "In meinem Kopf ist Pop", sagt der 47-Jährige mit dem für Deutsche so wohlklingenden Namen.

Poetische Sprache

Man muss sich auf die Bilder konzentrieren, um die Kunst von Rodriguez beschreiben zu können. Er malt vor allem Erinnerungen in einer ihm eigenen poetischen Sprache. Bei ihm findet man immer zwei Situationen auf einem Bild, die nicht unbedingt einen Zusammenhang haben müssen, aber eine Spannung aufbauen.

Rodriguez nennt das Dichotomie, ein Begriff, der aus dem Griechischen kommt und genau genommen "halb geteilt" oder "entzweigeschnitten" heißt. Würde man einer philosophischen Betrachtung genüge tun, wäre hier natürlich noch einiges mehr hinzuzufügen, aber auf einen einfachen Nenner gebracht, könnte man sagen, dass die Motive auf den Bildern des Spaniers für sich alleine betrachtet, ihre Wirkung verlieren. Nur gemeinsam wirken sie, so wie komplementäre Farbenpaare, die sich gegenseitig zum Leuchten bringen.

Die Motive von Rodriguez lassen oft Raum zum Rätseln: Der Raumfahrer Juri Gagarin neben einem mächtigen Alpenkamm, ein japanisches Liebespaar neben einer Explosion, Wolken und Personen und dazu Schriften oder Schriftfragmente. Rodriguez erinnert gerne an Personen, die nicht allzu bekannt waren oder über die man nicht viel weiß. Und alles wirkt nur zusammen und nie alleine - ein erstaunlicher Effekt in ungesättigten Farben und klassischen Maltechniken.
So groß wie Rodriguez künstlerisches Herz scheint, so offenherzig geht er auf die Menschen zu. Keine Spur von elitärem Denken oder einer gewissen Abgehobenheit, die man Künstlern so gerne nachsagt. Außerdem ist er ein guter Paella-Koch und Familienvater.

Dabei hat der Mann einen Lebenslauf, der fast für ein kleines Taschenbuch ausreichen würde. Er studierte die Schönen Künste an der Universität in Barcelona mit dem Schwerpunkt Malerei und wurde dort Meisterschüler mit der Note sehr gut mit Auszeichnung. Er sammelt danach Erfahrung als Dozent und Lehrer und veröffentlichte im Nachgang als Redakteur und Autor Bücher und Lehrwerke für eine Reihe von Verlagen.

Ab dem Jahr 2000 sammelte er Berufserfahrung in Film, Werbung und Fotografie, war Art Director und Assistent an Filmset, machte Musikvideos, war Dekorateur für Kino und Fernsehwerbung, Kulissenbauern und Dekorateur, alles im Sinne der Pop-Art. Zurzeit macht er seine Doktorarbeit, die in drei Monaten fertig sein soll. In ihr widmet er sich der Straßenkunst (Street-Art) mit dem Untertitel: "Von der Mauer ins Museum".

New York und Stockholm

Seit 1986 bestückt er Galerien und Ausstellungen mit seinem Gemälden, unter anderem auch in Stockholm und New York, in Holland und natürlich in ganz Spanien. Hier in Deutschland war er bei der Nürnberger Gemeinschaftsausstellung SupermART in Nürnberg der meistbeachteste Künstler. Im September geht es nach Berlin auf die Berliner Liste - zu einer der bedeutendsten Kunstmessen in Sachen zeitgenössischer Kunst und dann folgt eine Ausstellung in Nürnberg. Es bewegt sich was, für Rodriguez, auch in Deutschland.

Seine Frau Sabine Klier hat Rodriguez in Barcelona kennen gelernt. Die Grafikdesignerin war dort jahrelang für einen Kulturkalender zuständig. Als er hinter einer Kamera stand, stand sie als Statistin davor. Gemeinsam mit Tochter Lilia haben beide dann Barcelona den Rücken gekehrt. Als Akademiker und Künstler hat Rodriguez in Spanien keine Perspektiven mehr gesehen - ein allgemeines spanisches Phänomen. Die junge Familie zog in das Haus der Eltern nach Ranna, wo Rodriguez nicht nur malt und Paella nach Mutters Rezept kocht, sondern auch intensiv Deutsch lernt, auch wenn seine Sprache die Kunst ist. "Kunst ist eine internationale Sprache", sagt er. "Es gibt keine Grenzen, aber jedes Land hat seinen Dialekt".
Die Familie Rodriguez-Klier hat sich in Ranna bestens eingelebt, die Tochter geht in den Auerbacher Kindergarten, Sabine Klier arbeitet als Art Director in Nürnberg. Rodriguez fühlt sich in Ranna wohl, was man vielleicht nicht erwartet hätte. "Für mich ist das die schönste Landschaft der Welt", sagt Rodriguez sogar und immerhin sei er hier bei seiner Familie. In Ranna finde er die Ruhe und Ausgeglichenheit für seine Arbeit. Und kulturelle Dinge, die ihm wichtig sind, wie Kino und Theater findet er im leicht erreichbaren Nürnberg. Ranna als Ausgangspunkt für das große Ziel des Künstlers: In Deutschland Fuß zu fassen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.ardiart.de
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