Porzellanikon Hohenberg zeigt historische und aktuelle Objekte der Manufaktur Herend
Europas Kulturerbe

Die Karnevalsfigur "Dekor Jardin zoologique" in der Farbvariante Schwarz-Pink stammt aus der aktuellen Kollektion.

Eigentlich ist Herend eine Stadt im Komitat Veszprém in West-Ungarn. Bekannt ist der Ort jedoch wegen der berühmten Porzellanmanufaktur Herend. Neben historischen Objekten werden auch aktuelle Neuinterpretationen historischer Dekore präsentiert.

Eine Ausstellung der Gegensätze und Überraschungen erwartet im Porzellanikon in Hohenberg den Besucher der Sonderschau "Europas Kulturerbe Herend". Gezeigt werden auf rund 330 Quadratmetern Ausstellungsfläche 800 Teile aus der Porzellanmanufaktur Herend. Tee- und Kaffeeservice, Figuren und Preziosen, klassische, heute fast überladen wirkende Dekore stehen neben ihren modernen, oft zurückhaltenden Interpretationen. Bewusst stellen die Experten von Herend, die darauf bestanden hatten, die Präsentation selbst zu gestalten, klassische Stücke den modernen Variationen und Entwicklungen gegenüber.

Herend geht damit einen eigenen Weg, die Ausstellung versucht nicht, sich gängigen modernen Präsentationen anzubiedern. Herend-Porzellan ist etwas Besonderes, die Kunstfertigkeit der ausschließlich von Hand bemalten Stücke ist es ebenso. Zielgruppe ist sicher nicht der modern-puristische Mensch in einer hektischen und schnelllebigen Zeit. Die weltbekannte ungarische Porzellanmanufaktur begeistert den eher traditionellen Porzellan-Liebhaber mit Gespür für behutsame Neuinterpretationen.

Herend ist die älteste und größte Porzellanmanufaktur in Ungarn. Sie wurde 1826 vom Keramiker Vinzenz Stingl gegründet. Bald jedoch geriet dieser in finanzielle Schwierigkeiten und musste die Fabrik verkaufen. Unter seinem neuen Eigentümer Moritz Fischer (1799-1880) begann ab 1839 der Aufstieg des Werkes. Fischer begann mit Ergänzungen alter asiatischer und europäischer Speiseservice für die ungarische Aristokratie. Er machte Herend zu einer der bedeutendsten Porzellanmanufakturen in Europa.

1948 wurde Herend verstaatlicht, was das Unternehmen wohl vor dem Bankrott rettete. Das kommunistische Regime ließ Herend relativ freie Hand, da die Manufaktur ein wichtiger Devisenbringer und ein Vorzeigeunternehmen für das Land war. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges folgte im Jahre 1993 die Privatisierung, so dass sich gegenwärtig 75 Prozent der Anteile im Besitz der Mitarbeiter befinden.

Gesamtes Service bestellt

Prominente, Könige und Herrscher in aller Welt speisen bis heute von Herend-Porzellan. Herend zeigte eine Kollektion bereits auf der ersten Weltausstellung in London, Queen Victoria war so angetan von dem farbenprächtigen Dekor mit Schmetterlingen und Blütenzweigen, dass sie umgehend das gesamte Service bestellte. Ihr zu Ehren erhielt der Dekor seinen Namen.

Und auch ihr Nachfahre Prinz William, Herzog von Cambridge, erhielt zu seiner Hochzeit mit Kate Middleton 2011 ein Herend-Service. Eigentlich wollte das junge Paar keine Geschenke, Herend ließ sich nicht abhalten. Mittlerweile hat die junge Familie schon vom Geschenk gespeist. Gerüchte behaupten, dass derzeit ein neuer Dekor zu Ehren des kleinen Prinzen George entwickelt werde.

In den ersten Jahren arbeitete Herend viel mit asiatischen Motiven, die damals in Europa sehr beliebt waren. Berühmt wurde die Manufaktur dann mit ihren variantenreichen Naturmotiven. Allein der Dekor "Rothschild" umfasst 12 verschiedene Vogelmotive. Herend arbeitet nicht mit großer Formenvielfalt, man beschränkt sich auf sechs unterschiedliche Formen. Die Konzentration liegt auf der liebevollen und äußerst kunstfertigen Motivgestaltung. Jeder Dekor ist auf allen sechs Formen erhältlich, die Außenränder werden gemäß den Wünschen der Kunden gestaltet.

Wird ein klassischer Vogel-Dekor modern interpretiert, ziehen Künstler wie Etelka Meixner das Hauptmotiv an eine andere Position, arbeiten mit anderen Farbgestaltungen, geben einem klassischen Motiv eine neue Umrandung. Der Vogel steht oft nicht mehr im Zentrum, er findet sich auf der Tellerfahne wieder, hat eine neue Position erhalten. Produziert wird auch heute noch nach alten Vorlagen. Die Service "Gödöllo", "Miramare", "Fleurs des Indes Vertes" oder "Victoria Bouquet" werden mit neueren Kreationen weiterhin hergestellt.


Das weiß-goldene "Burgservice" ist mit den Initialen von König Franz Joseph I. und der Stephanskrone verziert. Das "Miramare"-Service soll an Kaiser Maximilian und Mexiko erinnern. Das "Gödöllo"-Service war ursprünglich ein Geschenk König Franz Josephs I. an seine Gemahlin Elisabeth für ihr Schloss in Gödöllo. In der Präsentation zeigt Herend zahlreiche Stücke aus dem manufaktureigenen Museum, aber auch ganz aktuelle Dekore. Neben Serviceteilen gibt es auch Ergänzungsstücke wie Uhren, Vasen, Schalen und Dosen zu sehen.
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