Prager Schachzug 2015
Zug im Zug

Oktober rollt er wieder, der Prager Schachzug, und wird am 13. Oktober zum Prager Hauptbahnhof zurückkehren. Dazwischen macht er Station in Dresden, Breslau, Bratislava und Wien. Dort gibt es ausreichend Gelegenheit, diese Städte kennenzulernen, die alle eine große Schachtradition haben: In Prag wurde der erste Schachweltmeister der Schachgeschichte, Wilhelm Steinitz, geboren.

Aus Dresden, Gastgeber der Schacholympiade 2008, stammt einer der besten deutschen Schachspieler aller Zeiten, Wolfgang Uhlmann. Breslau war die Heimatstadt des deutschen Vorkämpfers Adolf Anderssen. In Bratislava ist der auch in Deutschland bekannte Großmeister Lubomir Ftacnik zu Hause und Wien mit seinen unzähligen Schachcafés war im 19. Jahrhundert das Schachzentrum Europas.

Das Besondere an diesem Zug: Zwischen den Stationen wird Schnellschach gespielt. Insgesamt stehen 15 Runden mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten pro Spieler und Partie auf dem Programm. Zu diesem Zweck sind die Salonwagen zu einem "Seeschlangen"-Turniersaal umgebaut, in dem sich die Spieler in langen Reihen gegenüber sitzen. Eine Qualifikation ist nicht erforderlich.

Jeder Spieler kann sich an diesem Spektakel beteiligen, sofern er sich rechtzeitig angemeldet hat. So findet sich in dem illustren Feld mit Spielern aus Österreich, Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Philippinen, Polen, Russland, Slowakei, Spanien, Schweden, Großbritannien, USA und Vietnam mit Raj Tischbirek auch ein deutscher Großmeister.

Wenn Sie Lust bekommen haben, im nächsten Jahr teilzunehmen, hier die Kontakt-Infos: per E-Mail: prazska.sachova@gmail.com oder im Internet: www.praguechess.cz.

Zur heutigen Partie: Sehen Sie den entscheidenden Sieg des siebenmaligen russischen Meisters GM Peter Svidler gegen den starken Holländer GM Anish Giri, aktuell Nr. 5 der Weltrangliste, mit dem er sich für das Finale des unlängst in Baku zu Ende gegangenen Weltpokals qualifizierte. Damit qualifizierte er sich für das nächste Kandidatenturnier zur Ermittlung des Herausforderers von Weltmeister Magnus Carlsen.

Weiß: Anish Giri (Elo 2793)

Schwarz: Peter Svidler (Elo 2727)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0-0 8.c3 d6 9.h3 Lb7 10.d4 Te8 11.Sbd2 exd4 12.cxd4 Sd7 13.Sf1 Sa5 14.Lc2 Lf6 15.Tb1 c5 16.d5 Sc4 17.b3 Sce5 18.S3h2 Sg6 19.Sg3 Lc8 20.Tf1 Sb6 21.Sg4 Lxg4 22.hxg4 h6 23.Sf5 Se7 24.Se3 b4 25.g3 a5 26.Kg2 a4 27.bxa4 Dd7 28.Dd3 Sg6 29.Sf5 Sxa4 30.Lxa4 Txa4 31.Th1 Se7 32.g5 hxg5 33.Se3 Txa2 34.Ld2 Sg6 35.Sf5 Se5 36.De2 g6 37.Sh6+ Kg7 38.Sf5+ Kg8 39.Sh6+ Kg7 40.Sf5+ gxf5 41.Dh5 Sg6 0-1

Und übrigens: Im Finale des Weltpokals, bei dem es nur noch um die Höhe des Preisgeldes ging, unterlag Svidler seinem Landsmann Sergej Karjakin erst im Blitzentscheid, nachdem es nach je vier Turnier- und Schnellschachpartien noch pari stand.

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 106a (Uhlmann-Brümmer, W: Kg1, Dg4, Ta1, Lc1, Sd4, Sf5, Ba4, b2, e5, f2, g2, h2 [12], S: Kf8, Dd7, Ta8, Td8, Lb4, Se6, Ba5, b7, d5, f7, g6 [11]) wurde 1964 bei der DDR-Meisterschaft gespielt. Der die weißen Steine führende Dresdener GM Wolfgang Uhlmann hatte im Vertrauen auf sein virulentes Springerpaar die Qualität geopfert.

Diese Entscheidung stellte sich nach dem letzten schwarzen Zug 0...g6? als richtig heraus. Mit 1.Dh4!stellt Weiß die Drohung 2.Dh8# auf. Weiß kommt entgegen, dass der Springer f5 tabu ist. Schwarz hat keine Zeit zu 1...gxf5 wegen 2.Dh8+ Ke7 3.Sxf5#. Noch am besten setzt Schwarz mit 1...Kg8 fort. Das schwächere 1...Ke8 lässt 2.Dh8+ Lf8 (2...Sf8 3.Sg7+ Ke7 4.Dh4+) 3.Sxe6 fxe6 4.Sd6+ zu, und Schwarz muss wegen 4...Ke7 5.Df6# die Dame geben.

Mit 2.Sh6+ Kf8 3.Sg4! setzt Weiß den Springertanz fort. Die Partie war nach3...Sxd4? 4.Dh8+ Ke7 5.Lg5+ f6 6.Dg7+ beendet. Zwar hätte Schwarz mit 3...Dc8 länger Widerstand leisten können, wäre aber nach 4.Lh6+ Ke8 5.Sf6+ Ke7 6.Tc1 auch auf verlorenem Posten gestanden. Konsequent hat Großmeister Wolfgang Uhlmann, einer der besten deutschen Spieler aller Zeiten, die ihm gebotenen Chancen genutzt.

Nach längerer Pause ließen wir in Aufgabe Nr. 106b (W: Kb6, Te3, Ld7, Sd4, Bd5 [5], S: Kb4 [1]) den bekannten Problemkomponisten Werner Höller aus Nußdorf mit einer Dreizüger-Miniatur zu Wort kommen.

Die Stellungsanalyse der "Rex-Solus"-Aufgabe lässt das Fluchtfeld c4 für den schwarzen König erkennen. Nach dem Läuferopfer 1.La4! im Schlüsselzug kommt mit dem Feld a4 ein weiteres Fluchtfeld hinzu. Weiß droht 2.Sc2+ Kxa4 3.Ta3# beziehungsweise 2...Kc4 3.Lb3#. Die beiden schwarzen Drohmattparaden führen unter Zugzwang zu folgenden Abspielen:

a) 1...Kxa4 2.Kc5 Ka5 3.Ta3# mit altbekanntem Mattbild und

b) 1...Kc4 2.Sb5! Kxd5 3.Lb3# bzw. 2...Kb4 3.Te4#.

Ausnahmsweise ein Leichtgewicht aus dem Fundus des oberbayerischen Problemkomponisten, aber dennoch reizvoll.
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