Professor Dr. Klaus Pörtl liest am Sonntag in Eschenbach aus seiner fiktionalen Autobiografie
"Böhmischer Lausbub" erinnert sich

Eschenbach. (do) In den ersten Volksschuljahren waren Lehrer für ihn ein "Narrenkabinett", für deren "doofe" Hausaufgaben er keinerlei Motivation empfand. Bei einer noch so kleinen Unruhe gab es Tatzen eines "widerlichen Steißtrommlers", erinnert sich Professor Dr. Klaus Pörtl. Eine wohlbeleibte Lehrkraft bekam von dem Dreikäsehoch schon mal den unrühmlichen Titel "fette Qualle" verpasst.

Niemand ahnte damals in den Nachkriegsjahren, die geprägt waren von Mangelwirtschaft, Hunger und Not, dass aus dem rotzfrechen "Schmolzdackl", wie ihn seine Schulkameraden provokant nannten, ein Universitäts-Vizepräsident, ein Volksschauspieler und später, schon im gereiften Alter, auch noch ein Schriftsteller werden sollte. Heiter-gelassen, gespickt mit vielen Erinnerungen an turbulente Kindheitstage, skizziert Klaus Pörtl unter dem Pseudonym Klaus R. Walter die gestrenge Welt und den Schabernack seiner Kinder- und Jugendjahre.

Am Sonntag, 22. Mai, wird der Buchautor wie so oft in sein geschätztes Eschenbach zurückkehren. Pörtl ist eingeladen, an der Stätte seiner jugendlichen Streiche anlässlich des Künstlermarktes und des Pfarrfestes im "Geschenke- und Kunsthaus" Kleber am Karlsplatz aus seinem Werk "Ein böhmischer Lausbub" vorzulesen. Vorab gab er dem "Neuen Tag" ein Interview.

Herr Professor, haben Sie noch Verbindungen zu Eschenbach?

Ja freilich. Eschenbach ist quasi meine zweite Heimat. Jedes Jahr, wenn auch oft nur für ein paar Tage, komme ich immer wieder gerne nach Eschenbach.
Haben Sie noch alte Bekannte hier?

Natürlich. Sie müssen wissen, dass meine Familie 1945 nach dem Krieg aus dem böhmischen Budweis auf Umwegen nach Eschenbach geflüchtet ist: meine Mutter mit ihren drei Kindern. Der Vater war schon früher im Flüchtlingslager eingetroffen und wurde als ausgebildeter Musiker bald Organist in der Stadtpfarrkirche. Er gründete einen Kirchenchor und verdiente außerdem mit Unterrichtsstunden in allen möglichen Instrumenten im ganzen Landkreis den Lebensunterhalt für seine Familie. Ich war damals sieben Jahre, habe die Volksschule besucht und bin noch drei Jahre aufs Gymnasium nach Weiden gefahren.

Können Sie sich noch an Ihre Lehrer an der Volksschule erinnern?

Sehr gut sogar. Der damals junge Lehrer Klier oder der strenge Windisch, der später die Schule in Tremmersdorf leitete. Unvergesslich auch die Religionsstunden mit Pfarrer Maierhofer.

Wo haben Sie damals gewohnt? Es herrschte ja doch Wohnungsknappheit in Eschenbach.
Wir bekamen zunächst eine erste Bleibe im Gebäude der Polizei unterhalb des Gefängnisses, wo auch der Polizist Knollmüller wohnte, mit dessen Sohn Reinhold, inzwischen pensionierter Schulleiter des Gymnasiums Landsberg am Lech, ich befreundet war und noch bin. Später wohnten wir im alten Höller-Haus an der Kirchenthumbacher Straße.

Wir haben gehört, dass ein Sohn des Nachkriegsbürgermeisters Josef Ficker Ihr Firmpate wurde?

Ja, der Michl. Der Familie Ficker bin ich bis heute sehr verbunden. Als mein Vater, der ja auch ausgebildeter Jurist war, in den frühen Fünfziger Jahren als Richter an das Landessozialgericht in München berufen wurde und die Familie endgültig nach München kam, war ich später jedes Jahr in den Schulferien Gastkind bei den Fickers. Eine Tradition, die sich bis in meine Studentenzeit fortgesetzt hat. Manche Episoden aus dieser Zeit und natürlich auch frühere sind im Buch "Ein böhmischer Lausbub" beschrieben".

Bevor wir auf das Buch zu sprechen kommen, sagen Sie noch, welchen Beruf Sie in Ihrer aktiven Zeit ausgeübt haben. Sie waren auch einige Zeit Vizepräsident der Universität Mainz?
Ja. Vizepräsident für Studium und Lehre, verantwortlich für das gesamte Personal und alle Studierenden, in letzter Instanz, versteht sich. Immerhin damals eine Uni mit über 25 000 Studierenden. In den letzten Jahren 1985 bis 1990. Ein aufregender Job. Mein Gott, man hat mich gewählt, obwohl ich mich nicht nach dem Amt gedrängt hatte.

Und Ihr Fach an der Universität hängt mit der Iberoromanistik zusammen?

Schon beim Studium der Romanistik, Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft habe ich mich sehr bald für die spanische Literatur und Kultur entschieden. Im Fach Hispanistik promovierte ich in München, habe insgesamt sieben Jahre als Stipendiat in Madrid und später als Lektor für Deutsch in Pamplona gelebt und mich schließlich an der Universität Mainz im Fach Romanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung der Hispanistik habilitiert.

1990 hat man mich zum Fachvertreter für Iberoromanistik an den Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim berufen, wo ich bis zu meiner Pensionierung im Herbst 2003 für die Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern in Spanisch und Portugiesisch auf Uni-Niveau verantwortlich war.
Erzählen Sie von all diesen Dingen in Ihrem Buch "Ein böhmischer Lausbub?

Nein. Darüber halte ich in diesem Monat noch einen Vortrag in meiner Heimatgemeinde Höhenkirchen. Der Titel des Vortrages wird lauten "Lo real marovillos. Aus dem Leben eines Iberoromanisten".

Den könnten Sie ja auch bei uns halten?

Warum nicht? Wenn man mich einlädt!

Schau'n wir mal. Und der böhmische Lausbub handelt von Ihrer Kindheit und glücklichen Jugend, zum Teil in Eschenbach. Warum nennen Sie sich Klaus R. Walter?

Ich habe das Buch unter diesem Pseudonym beim Westkreuz-Verlag, einem gediegenen kleinen Berliner Verlag, veröffentlicht mit Illustrationen des international bekannten, mit mir befreundeten Malers Eberhard Schlotter, der in wenigen Wochen 90 Jahre alt wird. Ich habe das gleiche Pseudonym gewählt, das ich auch als Volksschauspieler an der Volksbühne Neubiberg-Ottobrunn verwende, damit meine Frau als Chorleiterin der Stadtpfarrei Neubiberg keinen überflüssigen Rückfragen ausgesetzt ist.
Ich dachte mir, als seriöser Wissenschaftler firmierst du unter deinem bürgerlichen Namen und als Künstler mit einem Pseudonym, wie das ja oft üblich ist.

Sie haben ja auch in den sehr spannend erzählten Episoden gelegentlich Oberpfälzer Dialekt in den Dialogen eingebaut?

Ja, gelegentlich, allerdings nach eingehender Dialektberatung der gebürtigen Eschenbacher Lotte und Michael Schmidt, wie auf dem Titelblatt zu lesen ist.

Sind denn Ihre Geschichten alle wahr, oder haben Sie doch viel erfunden?

Es handelt sich um eine fiktionale Autobiografie. Ein Teil, vor allem die intensive Freundschaft mit dem tschechischen Jungen Pavel, ist natürlich, bis auf die Anfänge in Budweis, Fantasie. Allerdings ersehnte, gewünschte Fiktion eines idealistisch eingestellten jungen Menschen, der durch die Verbundenheit mit einem gleichaltrigen Tschechen eine Versöhnung von Deutschen und Tschechen, zumindest in seinem Alter, erträumt. Die Episoden aus dem eigenen Bereich sind, wenn auch manchmal etwas ausgeschmückt, durchaus authentisch. Ich hoffe, bei der Lesung einiger Stellen den Eindruck zu vermitteln, dass man Eschenbach und Umgebung um die Fünfziger Jahre auch wiedererkennt.

Dann hoffen wir, dass Ihr Buch Anklang findet. Wo kann man es denn erwerben?

Eigentlich in jeder Buchhandlung. Im Eschenbacher Kunst- und Geschenkeladen von Diana Kleber liegen Exemplare auf und, so viel ich weiß, sind sie auch in der Pressather Buchhandlung Bodner vorrätig.
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