Radweg sucht Route

Ein Idyll ist die Uferböschung des Eichelbachs, die bereits ein Feldweg säumt. Den würde der Markt Kohlberg gern zum asphaltierten Radweg ausbauen. Das will die Naturschutzabteilung des Landratsamtes nicht. Bild: war

Hat der Markt Kohlberg bei Hannersgrün vorschnell Grund gekauft, um dort einen Radweg anzulegen? Bürgermeister Rudolf Götz sagt nein: Er ist zuversichtlich, dass er die Trasse durchbringt. Im Frühjahr 2016 sollen die Arbeiter anrücken. Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes hält davon gar nichts.

Sie sieht ein Biotop auf rund 800 Metern gefährdet. Die Behörde spricht von mehreren seltenen Pflanzen und Tieren, Götz von "ein paar Fröschen". Er hofft nun auf ein Gespräch mit Landrat Andreas Meier. Sachbearbeiterin Evelyn Babl hat bereits nach einem Ortstermin am 26. Oktober klargemacht, dass das Teilstück von Hannersgrün am Eichelbach entlang über die Kläranlage bis Kohlberg nicht infrage kommt.

Zurück zur Staatsstraße

Ob Meier anders entscheidet als seine Fachfrau scheint zweifelhaft. "Es müssen jetzt in einer Besprechung mögliche Alternativen geprüft werden", sagt Landratsamtssprecherin Claudia Prößl. Dabei geht es für die Naturschützer nicht um die Variante, ob der Radweg links oder rechts vom Eichelbach hin soll. Beides sei unmöglich. Damit bliebe nur noch der Verlauf entlang der Staatsstraße 2238 Weiden-Hirschau, wo der erste Teil des Radwegs von Etzenricht bis kurz vor Hannersgrün im Frühjahr fertig sein wird. Doch diese Alternative ist nicht nur landschaftlich halb so attraktiv wie die Eichelbach-Route, sondern auch mit einem Anstieg gespickt. Zudem müsste der Markt wieder mit Landwirten über Grunderwerb verhandeln. Nicht nur des Geldes wegen hält Götz wenig davon: "Dann müssten Landwirte mit ihren Fahrzeugen wieder die Staatsstraße benutzen, wo sie ein Hindernis sind." Denn am Eichelbach ist bereits ein öffentlich gewidmeter Feld- und Waldweg vorhanden, der zurzeit zugewachsen ist. Würde man den zum asphaltierten Radweg machen, könnten ihn weiterhin auch die Bauern nutzen, meint der Bürgermeister.

"Nicht daran gedacht"

Baurechtlich ist ein Radweg von Etzenricht nach Kohlberg keine große Sache. Es braucht keinen Flächennutzungsplan, und als Träger öffentlicher Belange müssen nur Wasserwirtschaftsamt und Untere Naturschutzbehörde gehört werden. Warum das erst jetzt geschehen ist, nachdem der erste Bauabschnitt fast fertig ist, erklärt Götz so: "Da hat doch keiner daran gedacht, dass dort ein gefährdetes Biotop sein soll."

Einwände, auf der anderen Seite der Staatsstraße gebe es bereits einen asphaltierten Weg zwischen Etzenricht und Kohlberg, lässt er nicht gelten. Dies sei ein kurzer Flurbereinigungsweg, der zudem auf einer Gasleitung verlaufe und irgendwo die Staatsstraße wieder kreuzen müsste, um nach Kohlberg zu führen.
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