Räum- und Streufahrzeuge im Winter gefordert: Interview mit Bauhof-Leiter Erwin Thurner
Dem Winter eine aufsalzen

Auch der riesige Schlepper ist bereit zum Einsatz: Erwin Thurner und sein Stellvertreter Tobias Bauschke haben die Mannschaft schon gut vorbereitet auf den Winter. Bilder: Gebhardt (3)

"Was soll man von einer Nation halten, die jedes Jahr wieder von einem völlig überraschenden Wintereinbruch spricht?" Diese Worte eines fränkischen Satirikers nimmt sich der städtische Bauhof zu Herzen: Die Mannschaft probt den Ernstfall - bevor ihn wirklich der erste Schnee überrascht.

Salz, Schneetreiben und Schichtbetrieb - der Winterdienst fordert den Einsatzkräften vieles ab. Arbeitsbeginn um 3 Uhr, Überstunden und knifflige Verkehrssituationen prägen die Arbeit im Führerhaus der Räum- und Streufahrzeuge. Es kann aber sein, dass in dieser Saison wieder alles glimpflich ausgeht.

Auch wenn es temperaturmäßig momentan eher nach Frühling als nach Winter aussieht - die Kommune setzt lieber auf Vorbereitung. Die SRZ sprach mit Bauhof-Leiter Erwin Thurner über die Organisation dieser wohl wichtigsten Tätigkeit in der kalten Jahreszeit.

SRZ: Herr Thurner, draußen im Hof stehen die orangefarbenen Fahrzeuge schon in Reih und Glied. Was tut Ihre Mannschaft jetzt im November damit?

Schnee kann vollkommen überraschend fallen nach einem kurzfristigen Temperatursturz. Deshalb überprüfen wir jetzt schon die Ausrüstung, montieren die Räumschilde, testen sie. Die Funktionsprüfung ist auch angesagt bei den Tanks und Streu-Vorrichtungen. Nicht vergessen werden wir die Schneeketten, die für jedes Fahrzeug bereitstehen.

Gibt es auch einen theoretischen Teil bei der Vorbereitung?

Selbstverständlich. Wir besprechen die Änderungen in den Räum- und Streuplänen. Heuer kommt zum Beispiel der neu errichtete Park & Ride-Platz an der Malzfabrik dazu. Diese Pläne werden in zwei Stufen abgearbeitet. Dann geht es um Unfallverhütungsvorschriften, Schichtpläne, Organisatorisches. Wir fahren auch vorher die Strecken ab, um einen realistischen Zeitplan aufstellen zu können.

Falls es wirklich überfallartig zum Wintereinbruch kommt - wie schnelle sind Sie einsatzbereit?

Innerhalb von maximal zwei Stunden sind alle Fahrzeuge umgerüstet.

Wie viele Einheiten stehen dann zur Verfügung?

Insgesamt sieben: zwei Schmalspur-Lkw für enge Gassen, ein Unimog, ein Allrad-Schlepper, je ein 10-, 16- und 18-Tonnen-Lkw. Ausgerüstet sind sie alle mit Schneepflug, Streusalztank und Solebehälter samt Streuscheibe.

Gibt das nicht Reibungsfläche auf der Straße, wenn so ein tonnenschweres Räumschild darüber wegbrettert?

Das haben wir im Griff: das Schild mit Stahlschiene und Gummilippe ist nämlich zum einen federnd gelagert, das schließt die Gefahr des Hängenbleibens aus. Zum anderen kann durch die spezielle Aufhängung das Pfluggewicht so eingestellt werden, dass von den rund 1000 Kilo des Räumschildes nur etwa 250 auf die Straße drücken. Der Rest belastet die Vorderachse, was die Straßenlage des Fahrzeugs verbessert.

Angenommen, es ist Hauptsaison zum Räumen und Streuen. Wie sieht dann die Arbeitsweise aus im Bauhof?

Es gibt drei Schichten mit je sieben Fahrern und einem Bereitschaftsleiter, die sich abwechseln. Die Arbeitszeiten sind von 3 bis 12 Uhr und von 12.30bis 21 Uhr. Außer, ein Notfall wie etwa Eisregen tritt ein. Dann wird durchgearbeitet.

Die letzte Saison ging ja moderat vorüber, es gab kaum Schneefall. Da haben Sie doch sicher noch Streusalz übrig?

Genau so ist es. Unsere Silos sind voll mit etwa 200 Tonnen plus 20 Tonnen Sackware für die Hausmeister der städtischen Schulen. Normalerweise brauchen wir pro Saison insgesamt rund 650 Tonnen, beim letzten Mal waren es nur 220, also nur rund ein Drittel.

Geben Sie auch Streumittel an die Bevölkerung weiter?

Natürlich, wir haben im Stadtgebiet an Gefahrenpunkten rund 65 Streugut-Kisten aus Kunststoff aufgestellt. Darin befinden sich jeweils 400 Liter Splitt zur Verfügung der Bürger.

Letzte Frage: Wie wird der Winter?

Ich bin kein Meteorologe, aber nach meinen Erfahrungen wird er wieder fast wie der vergangene. Der Temperaturverlauf ist nämlich bisher fast identisch. Und falls doch nicht - wir sind gerüstet!
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