Rauf in die Baumwipfel

Angst kennt Alexander Nickl nicht, wenn er nach oben klettert. Dort holt er sich qualitativ hochwertige Fichtenzapfen. Aus den Samen wachsen später neue Bäume, im konkreten Fall genau auf die Hochlage in der Nähe der Altglashütte angepasst. Die Bayerischen Staatsforsten lassen Nickl aber nicht einfach so hinaufsteigen. Zahlen muss er für seine Sammel-Arbeit schon. Bild: nm

Da geht es schon mal 30 bis 35 Meter senkrecht nach oben: Als Kunde des Forstbetriebs klettern Alexander Nickl und Nino Baumann drei Tage die Bäume hoch. Für sie ist das nichts Außergewöhnliches, sondern Beruf. Spektakulär stellt sich das Zapfenpflücken hoch oben in den Baumwipfeln dagegen für Außenstehende dar.

Flossenbürg. (nm) Kaum jemand bemerkt die beiden Männer, die im Wald bei der Altglashütte ernten. Selbst wenn gelegentlich ein Spaziergänger vorbeikommt, muss der den Kopf schon weit in den Nacken legen, um die Artisten zwischen den Fichtenzweigen zu entdecken.

600 Kilo Zapfen

Nickl, der sich in Vilshofen selbstständig gemacht hat, ist darüber nicht unglücklich: "Sonst wäre ich wohl die meiste Zeit am Erzählen. Und das wirkt sich direkt auf den Geldbeutel aus." Während der drei Tage landen immerhin rund 600 Kilogramm Zapfen im Sammelbeutel.

Die darf Nickl aber nicht einfach so mitnehmen. Zunächst einmal fließt Geld von ihm an die Bayerischen Staatsforsten. Revierförster Oswald Hamann erläutert die Hintergründe: "Wenn wir das Pflücken erlauben, verkaufen wir ein hochwertiges Wirtschaftsgut. Der Käufer handelt schließlich auch nicht für sich selbst, sondern verdient auf dem weiteren Weg ebenfalls daran. Es geht um finanzielle Größenordnungen, die für alle Beteiligten durchaus lukrativ sind."

Beste Qualität

Über all dem steht die Qualität, die sich unmittelbar auf die Preise auswirkt. Sie wird in einem aufwendigen Verfahren genau kontrolliert. Hamann berichtet: "Die Flächen sind genau festgelegt und müssen freigegeben sein. Hinzu kommen tägliche Kontrollen." Auf eine solche Zertifizierung legt auch Nickl Wert. Sie wirkt sich auf den Preis aus, den er beim Verkauf erzielt. Bis es soweit ist, steht noch ein Zwischenschritt an. Nickl lässt die Zapfen in Bindlach aufbereiten, um an die begehrten Samen zu kommen.

Und der Bedarf für Top-Ware besteht: "Es handelt sich um ein Gebiet und um einen Bestand, in dem sich eine ausgezeichnete Qualität findet. Zudem ist Saatgut aus dieser Höhenlage gefragt."

Die Zapfen wollen aber erst einmal gepflückt sein. Dazu schießen Nickl und Baumann ein dünne Schnur in einen Baumwipfel, verbunden mit der Hoffnung, dass die über einen dicken Ast gleitet. "Das klappt nicht immer aufs erste Mal." Mit der Schnur wird das Kletterseil nachgezogen. An dem hangeln sich die Sammler nach oben: "Angst ist für uns ein Fremdwort, Sicherheit und Sorgfalt nicht. Beides muss unbedingt passen, und darauf achten wir genau."

Hangeln in luftiger Höhe

Dieses Bewusstsein schuf die Basis dafür, dass bislang nichts passierte: "Blöd ist nur, wenn du oben bist und etwas vergessen hast. Aber das kommt nicht oft vor." Bei jedem Baumwechsel müssen die zwei Männer im Übrigen nicht nach unten steigen und wieder neu anfangen. Wenn die Äste günstig gewachsen sind, hangeln sie sich gleich in luftiger Höhe weiter: "Das spart viel Zeit."
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