Real-Ausbildung: 64 Atemschutzträger wagen sich in brennenden Container
Mitten im Inferno

Der spektakulärste und gleichzeitig brisanteste Moment bei der Realbrandausbildung: Kurze Zeit nach Öffnung des Containers kommt es zum "Flash over", der Rauchgasexplosion. Bild: bey
Die Feuerwehrleute kauern am Boden des Containers. Um sie herum 200 Grad. Etwas weiter oben sind es sogar 800. Die fünftägige Realbrandausbildung für 64 Atemschutzträger aus dem Landkreis ist eine heiße Angelegenheit. Und eine lehrreiche. Am Ende werden die Teilnehmer jedenfalls zufrieden sein: Das Ganze war "cool".

Gut vorbereitet

Der Container auf dem Gelände der Firma Höhbauer hat es in sich. Sein "Innenleben" ist dem eines Zimmers angepasst. Die Spanplatten an den Wänden symbolisieren die Wohnungseinrichtung. An der Stirnseite befindet sich der spätere Brandherd. Durch das Holz kommt es zu einer für Zimmerbrände typischen Hitze- und Rauchentwicklung. Mittendrin sind bei den Übungen jeweils acht Atemschutzträger. Tim Ullrich von der Firma ZF Friedrichshafen, Schweinfurt, ist der Herr des Brandcontainers.

Vor dem Einsatz gibt es einen einstündigen Unterricht. Danach bereiten sich die Teilnehmer praktisch auf die Übung im Brandcontainer vor. Der normale Feuerwehranzug, die Überjacke, der Helm und die Flammschutzhaube müssen sitzen. Kein Fleckchen Haut darf sichtbar sein, sonst gibt es fürchterliche Brandwunden. Natürlich muss auch der Atemschutz perfekt angelegt sein. Der Sauerstoff selbst wird aber erst im Container kurz vor dem "Brandausbruch" angeschlossen.

Ein Gasbrenner entflammt das Holz. Mit der Zeit bildet sich im Container enormer Rauch, beäugt von vielen Zuschauern der Übungen. Dann schließt der Sicherungstrupp vor dem Container die Tür - und dahinter steigt und steigt die Hitze. Auch die Rauchentwicklung nimmt zu, orientieren können sich die Feuerwehrleute fast nur noch per Tastsinn. Nach einem Klopfzeichen öffnet der Sicherungstrupp die Türe wieder. Dunkler Rauch quillt heraus. Und dann passiert es: An der Schwelle des Containers kommt es zum "Flash over". Es ist die deutlich sichtbare, explosionsartige Entzündung der Rauchgase. Dann wird die Tür wieder geschlossen, Tim Ullrich löscht das Feuer. Weißer Rauch steigt aus dem Container, ein Zeichen dass die Übung beendet ist.

Wichtiger Teil der Ausbildung, gefördert vom Innenministerium und dem Landesfeuerwehrverband, ist auch die Handhabung des Strahlrohres. "Zu viel Wasser verursacht nicht nur einen hohen Sachschaden, sondern gefährdet auch die Einsatzkräfte, weil der Wasserdampf durch die Schutzkleidung dringt", hatte der federführende Kommandant der Wehren des Marktes Luhe-Wildenau, Sebastian Hartl, ausführlich erläutert.

Lebenswichtige Lektion

Katharina Pschierer, Feuerwehr Oberwildenau, zeigt sich hinterher angetan. Das sei die einzige realistische Übungsmöglichkeit, sagt sie. Dazu komme der Unterricht mit vielen neuen Informationen. Anna Tschirschnitz (Neustadt am Kulm) räumte ein, dass bei ihr kurz Platzangst aufkam. Zufrieden war sie dennoch. Sie wisse nun, dass ein auf sie zukommendes Feuer nur mit kurzen Strahlstößen zu bekämpfen ist. Eine womöglich lebenswichtige Lektion.
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