Rechtzeitig abklären

Die Große Koalition hat bei der gesetzlichen Altersversorgung gewaltig umgeräumt. Stichwort Rente mit 63 oder Mütter-/Väterrente. Und wie sieht es im Detail aus?

Sulzbach-Rosenberg. (bt) Antworten auf solche Fragen waren ein Anliegen des DGB-Frauenarbeitskreises, weshalb er gewerkschaftliches Fachwissen hinzuzog. Das war der Hintergrund einer Informationsveranstaltung, die Arbeitskreis-Vorsitzende Emilie Stief initiiert hatte. Auf der Versammlung referierten der DGB-Organisationssekretär und Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, Peter Hofmann, und als Versichertenberater vor Ort DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Berndt.

Die Rente mit 63 - offiziell Altersrente ab 63 für besonders langjährig Versicherte - würde dieser Tage ein Jahr alt. Darauf verwies Hofmann eingangs und definierte im Sinne dieses Gesetzes "besonders langjährig" als mindestens 45 Jahre Pflichtbeiträge aus Beschäftigung und selbstständiger Tätigkeit. Angerechnet werden ebenso nicht versicherungspflichtige Minijobs und sonstige Versicherungszeiten wie Kinderziehung. Das gelte auch noch für das Arbeitsgeld I, nicht mehr jedoch das Arbeitslosengeld II, Anwartschaften aus einem Versorgungsausgleich, Rentensplitting, die Anrechnung von Schul- und Hochschulausbildung und freiwillige Beiträge.

Hürde wird höher

Jeder, der diese Voraussetzungen erfüllt und 1952 geboren ist, könne mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, stellte Hofmann klar. Ab dem Jahrgang 1953 werden diese Zeit um jährlich zwei Monate angehoben. Da es keine Änderung bei der Altersrente für Schwerbehinderte gegeben habe, sind die Jahrgänge von 1952 bis 1958 mit der Altersrente ab 63 sogar besser gestellt, erläuterte der Fachmann.

Auch für Väter

Die zweite große Änderung im Rentenpaket sei die sogenannte Mütterrente, die allerdings ebenso für Väter gilt. Sie besagt, dass es für jedes Kind, das vor 1992 geboren ist, jeweils einen Entgeltpunkt gibt. Voraussetzung dafür sei, dass eine Kindererziehungszeit für den zwölften Monat nach der Geburt bei der Mutter beziehungsweise dem Vater angerechnet wurde. Für Mütter, die vor dem 1. Januar 1921 bis zum 1. Januar 1927 Kinder geboren haben, gibt es sogar zwei Rentenpunkte pro Kind.

Ruheständler, die vor dem Stichtag 1. Juli 2014 in Rente gegangen sind ("Bestandsrentner"), brauchen diese Kindererziehungszeiten nicht zu beantragen. Das erledigt der Versicherungsträger von sich aus. Bei diesem Personenkreis ist aber von Bedeutung, ob die Kindererziehung in Deutschland erfolgt ist. Bei Beziehern einer Grundsicherung, eines Versorgungsausgleichs oder einer Pfändung, werden diese angehobenen Rentenbezüge aber als weiteres Einkommen angerechnet.

Häufig komme es vor, dass Ausbildungs- und Kindererziehungszeiten oder allgemeine Fehlzeiten im Versicherungsverlauf nicht ausgeführt seien, unterstrich Hofmann. Deshalb sollte rechtzeitig eine Kontenklärung beim Versicherungsträger in Angriff genommen werden, um den Verlauf auf den aktuellen Stand zu bringen. Der letztliche Antrag auf die Regelaltersrente müsse dann für gewöhnlich nur drei Monate vor dem Eintritt gestellt werden.
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