Regensburg ist Bayerns Hafen-Hauptstadt
Wasser, Schiene und Straße

Der Westhafen an der Linzer Straße beeindruckt mit seinen Wipp-Drehkränen. Regensburg ist der mit Abstand umschlagstärkste Hafen in Bayern (Marktanteil 25,5 Prozent). Per Binnenschiff geht es zu den Seehäfen an der Nordsee und von dort in die ganze Welt. Bilder: Portner
 
Hafen

Am 1. Oktober 1865 schlug die Geburtsstunde des Regensburger Hafens: Die Donauländebahn verband jetzt Bahnhof und Donauufer und bot neue Möglichkeiten für den Umschlag von Gütern aus aller Welt. "Die besten Verbindungen" stehen noch 150 Jahre später im Fokus - auch wenn Getreide aus Ungarn und Kohle aus Böhmen nicht mehr die Hauptrolle spielen.

Der Regensburger Hafen erstreckt sich auf 180 Hektar und umfasst damit 250 Fußballfelder. Er vernetzt die drei Verkehrswege Wasser, Schiene und Straße und ist vom Schiffsgüterumschlag her der mit Abstand stärkste bayerische Hafen. Regensburg gilt als Bayerns Hafen-Hauptstadt und bietet weit mehr als "Schifferl fahren" auf der Donau! In der Logistik-Drehscheibe für ganz Ostbayern werden Güter umgeschlagen, die aus der ganzen Welt kommen und in die ganze Welt gehen. "Umschlagen" bedeutet, dass die Waren ihren Verkehrsträger wechseln: Vom Lastwagen geht's aufs Schiff oder die Bahn - und umgekehrt. Die Donau nutzten bereits die Kelten und Römer. Regensburg hatte schon früh einfache Landeplätze zum Festmachen für Schiffe, die sogenannten Länden. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt Endpunkt der Dampfschifffahrt auf der Donau, und ab 1959 verband die Ostbahn Regensburg mit München und Nürnberg. Doch der Bahnhof war weit von den Länden entfernt. Am 1. Oktober 1865 wurde die Donauländebahn für den Güterverkehr eröffnet; Bahnhof und Donauufer waren nun durch Schienen verbunden. So konnte beispielsweise per Güterzug aus Böhmen kommende Kohle aufs Schiff geladen und donauabwärts weiterverfrachtet werden. Damit war in Regensburg die Verknüpfung der Verkehrsmittel möglich - damals wie heute eine Grundvoraussetzung für den Betrieb eines Hafens.

Ein Getreide-Drehkreuz

Über die beiden umweltverträglicheren Verkehrsträger Schiff und Bahn wurden im Jahr 2014 insgesamt 4,02 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen; einschließlich Lastkraftwagen waren es 8,4 Millionen Tonnen. Spitzenreiter am Schiff sind land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse. Aus vielen Schiffsbäuchen schimmert es Gold-Gelb, denn Regensburg ist Bayerns-Getreide-Drehkreuz: Per Binnenschiff geht es zu den Seehäfen an der Nordsee und von dort in die ganze Welt. Aber auch Lebensmittel, Dünger, Zement, Streusalz, Computer, Textilien oder Wertstoffe werden umgeschlagen, wobei Eisen, Stahl, Erze und Mineralöl-Erzeugnisse die Hauptrolle spielen.

Regensburg ist nicht nur als Hochschulstadt beliebt - auch der Hafen hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und gilt heute als einer der herausragenden Logistikstandorte in Bayern. Bilder von Gertraud Portner


"Verkehrsverlagerung beim Gütertransport auf langen Strecken ist für uns ein wesentliches Ziel", sagt Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der Bayernhafen-Gruppe. Er verweist auf die "Rollende Landstraße": 2014 wurden 9871 Lkws auf der Schiene über den Brenner transportiert. Ziel bleibt es, mehr Verkehr auf Binnenschiff und Bahn zu verlagern. Im "Vor- und Nachlauf" ist der Lkw aber weiterhin unverzichtbar.

Einheimische und Gäste merken es beim Anstehen vor der "Wurstkuchl" an der Steinernen Brücke: Die Fluss-Kreuzschifffahrt nimmt zu. 2014 legten in Regensburg 1044 Kreuzfahrtschiffe an. Zum 150. Geburtstag der Donaulände hatte die "Donauprinzessin" ihren großen Auftritt. Sie pendelte beim Fest "Hafen live erleben" am 20. September zwischen Lände und Osthafen. Wer wollte, der konnte im historischen Zugabteil durch den Westhafen düsen, mit Blick auf die riesigen Container-Terminals. Das bunte Hafenfest zog die Besucher in Scharen an. Angesiedelte Firmen öffneten ihre Tore und boten einen spannenden Blick hinter die Kulissen. "Süß" präsentierte sich eine Halle der Spedition Pöppel mit riesigen Palettenreihen voller "Südzucker-Päckchen". Spannung pur versprach ein Hubschrauber-Rundflug oder der "Höhenflug" bis auf 75 Meter im Eventkorb am Autokran. Väter und Söhne bekamen große Augen beim Anblick des Hydraulikbaggers. Auch Schwimmbagger und Eisbrecher faszinierten - ebenso die Regensburger Feuerwehr bei ihrer Höhenrettungsübung am Kran oder der spektakulären Bergung eines im Hafenbecken versunkenen Autos.


Regensburg ist nicht nur als Hochschulstadt beliebt - auch der Hafen hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und gilt heute als einer der herausragenden Logistikstandorte in Bayern. Mit rund 3200 Schiffsbewegungen jährlich ist der Regensburger Hafen unter den "Top-Ten" der Binnenhäfen in Deutschland. Im gesamteuropäischen Vergleich ist er einer der zentralen Knotenpunkte für den Warenverkehr. 90 Unternehmen haben sich mittlerweile angesiedelt, die rund 2000 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Das Güterverkehrszentrum wirbt damit, dass Unternehmen am Bayernhafen Regensburg von der "pole position" starten. Sanierung und Neuordnung am Westhafen-Südkai machten den Ausbau des Container-Terminals möglich. Im Osthafen ist eine neue Verladeanlage für Zement in Betrieb, der auf der Schiene aus Rüdersdorf bei Berlin geliefert wird. Und die seit 1998 angesiedelte Donau-Transport- und Umschlagsgesellschaft investiert in den Neubau einer 2600 Quadratmeter großen Lagerhalle für Schüttgüter am Westhafen-Nordkai.

Das Hafenareal prägen riesige Silos und Krananlagen. Für empfindliche Lebensmittel gibt es eine beheizbare Lagerhalle und für flüssige Stoffe stehen im Ölhafen besondere Lagertanks und Mineralöl-Pumpanlagen zur Verfügung. In Zeiten immer voller werdender Autobahnen rückt die effiziente Vernetzung von Schiff, Bahn und Lkw als "ökologisch optimale Transportkette ohne Standzeiten" ins Blickfeld nicht nur der Logistik-Dienstleister.
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