Reinhard Gebhardt verliest bei Rathaussturm Regierungsprogramm der Tollitäten
Pfarrer soll "Bringschuld" einlösen

"Närrisches Volk: Höret nun das Regierungsprogramm von Lidia I. und Andreas II., das für Euch alle über die tollen Tage Gültigkeit hat!" Mit diesem Aufruf wandte sich Reinhard Gebhardt beim Rathaussturm an die Zuschauer. In Anlehnung an die 95 Thesen, die Martin Luther 1517 an die Schlosskirche Wittenberg anschlagen ließ, heftete er das elf Paragrafen umfassende Regierungsprogramm der Tollitäten an die Rathaustür und trug es lautstark vor.

So hieß es in Paragraf 1: "Die wenigen Aufgaben des Stadtrats übernimmt der Elferrat. Den angenehmen Beschäftigungen des Bürgermeisters kommt das Prinzenpaar nach, den kleinen Rest erledigen Vorsitzender Michael König und Präsident Harald Wohlrab von der Eschenbacher Faschingsgesellschaft." Einen Vorschlag, wie die Effizienz der Bauhofmitarbeiter erhöht werden kann, enthielt der zweite Paragraf. Außerdem war darunter zu lesen: "Des Weiteren haben unsere Apotheken für einen ausreichenden Vorrat an Kopfschmerz- und Magentabletten zu sorgen. Für Kunden mit Narrenkappen sind diese kostenlos einschließlich Beratung und liebevollem Zuspruch zu übergeben."

In Paragraf drei "empfehlen die Analysten des Elferrats Anlageprodukte mit Renditen von mindestens 40 Prozent. Jack Daniels, Williams Christbirne, Ouzo 12 und weiteres Hochkarätiges stehen zur Auswahl." Und: "Jeder, der über die närrischen Tage einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung aufgreift und im Altersheim abgibt, erhält eine Abwrackprämie in Form von einem Kasten Bier. Handelt es sich hierbei um den ersten, zweiten oder dritten Bürgermeister steigt die Belohnung auf ein 30-Liter-Fass, falls beim Schrotthändler kein besserer Preis erzielt wird."

Der letzte Paragraf wendet sich an die Geistlichkeit: "Um einen unnötigen, unsererseits nicht gewollten sowie zahlenmäßig nicht geringen Teil an konvertierenden Mitgliedern der Faschingsgesellschaft zu vermeiden, wird dem allseits geschätzten Stadtpfarrer und Dekan Thomas Jeschner nahegelegt, seine Bringschuld in Form eines Weißwurstessens alsbald einzulösen. Für die Getränke wird 'Bruder Gips' aufkommen. Eine Galgenfrist bis Ostermontag sei unserem Herrn Hochwürden gewährt."
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