Rendezvous mit Retterin

Barbara Traßl (rechts) mit ihrer Lebensretterin: Christl Reithmeier spendete der Eschenbacherin Knochenmark. Kein Wunder, dass sich die beiden Frauen viel zu erzählen hatten. Bild: bta

Solche Begegnungen gibt es nicht oft: Barbara Traßl empfing Christl Reithmeier in Eschenbach. Die war aus Landau an der Isar angereist, um die Frau kennenzulernen, der sie ein zweites Leben schenkte.

Die Paare sahen sich zum ersten Mal - und waren sich alle sofort sympathisch. Barbara und Wolfgang Traßls sowie Stefan und Christ Reithmeier hatten sich viel zu erzählen. Christl berichtete davon, wie sie sich schon vor 20 Jahren typisieren ließ. Damals war in ihrer Straße ein Junge an Leukämie erkrankt. Für ihn fand sich kein passender Spender. Deshalb sei sie heute besonders glücklich und auch ein wenig stolz, dass sie nun einem Menschen helfen konnte.

Der Mensch ist Barbara Traßl. Die Eschenbacherin erhielt vor rund drei Jahren nach einer Ärzte-Odyssee die Diagnose: "Aplastische Anämie". Es folgten viele Untersuchungen zuerst im Weidener Klinikum dann in der Uniklinik Regensburg. Danach erklärten die Ärzte: "Sie brauchen eine Knochenmarkspende!"

Für die Familie sei es ein Schock gewesen, erinnert sich Traßl: "Mir hat das Mädchen Anja immer so leid getan." Plötzlich sei sie selbst in dieser Situation. Gleich nach dem Schock folgte die Hoffnung: Für die kranke Frau fanden sich 13 Spender in der Kartei. Vorher musste Traßl eine Chemotherapie durchlaufen, um das kranke Immunsystem herunterzufahren und so bereit zu sein für das neue Knochenmark. Das sollte von der am besten geeigneten Spenderin kommen. Zunächst war Detektivarbeit nötig, erfuhr Traßl nun. Die Adresse in der Kartei stimmte nicht mehr. Doch Reithmeiers neue Anschrift war bald gefunden und sie erklärte sich sofort bereit zu spenden.

Auch für sie standen vor dem Tag der Wahrheit viele Untersuchungen an. Während Traßl in Regensburg wartete, ließ sich die Landauerin in Gauting bei München unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen Mark entnehmen. "Schmerzen hatte ich keine, nur eine Art Muskelkater für ein oder zwei Tage", erinnert sie sich. Für Traßl begann nach der Spende eine Zeit bangen Wartens: Würde der Körper nun wieder selbst gesundes Knochenmark produzieren? Nach zwölf Tagen brachte ein Arzt die erlösende Nachricht ins Krankenzimmer. Noch war die harte Zeit nicht überstanden. Die Behandlung dauerte noch viereinhalb Monate, dann durfte sie heim.

Zwei weitere Jahre blieb für Traßl eine Frage offen: "Wer hat mir das Leben gerettet?" Erst dann durfte sie den Namen erfahren. Nach mehreren Briefen vereinbarten die Frauen nun das Treffen in Eschenbach. Ihrer Spenderin verriet Traßl, dass sie noch immer in Behandlung und bei Weitem nicht über dem Berg sei. Alle paar Wochen muss sie zur Nachkontrolle in die Uniklinik nach Regensburg. Dennoch sei sie und ihre Familie glücklich über den Genesungsverlauf und die Chance, die ihr Reithmeier geschenkt hat.
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