Rentamt nicht rentiert

Alte Akte vom Finanzamt Eschenbach für einen Bewohner von Stegenthumbach.

Vor 150 Jahren begann sie, die kurze Geschichte des Finanzamts Eschenbach. "Das Königliche Rentamt mit dem Sitz im Kloster Speinshart wurde 1865 nach Eschenbach verlegt", schrieb Adolf Ficker in seiner Publikation "Eschenbach in Vergangenheit und Gegenwart". Schon 1928 war das Amt jedoch wieder Vergangenheit.

Nach der Verlagerung nach Eschenbach wurde das Rentamt - in der damaligen Zeit trugen die Finanzämter diese Bezeichnung - zunächst im Rathaus untergebracht. Wie Adolf Ficker in seinem 1950 erschienenen Heft berichtete, verlegte es seine Amtsräume "in das 1895/96 erbaute jetzige Vermessungsamtsgebäude".

Nach den Aufzeichnungen des Vermessungsamts wurde das Gebäude erst ab 1900 vom Rentamt genutzt. Über das Finanzamt Eschenbach schreibt Ficker nur noch, dass für dessen Amtsbereich 1928 das Finanzamt Weiden und ab 1930 das Finanzamt Kemnath zuständig war. Deshalb nutzte ab 21. Dezember 1929 das Vermessungsamt das stadtbildprägende Gebäude.

Erhebliche Mittel investiert

Von 1991 bis 2005 investierte der Freistaat erhebliche Mittel für Ausbau und Sanierung. Dazu gehörten der Ausbau des Dachraumes, die Abdichtung der Fenster und das Abschleifen der Parkettfußböden. Der Amtsbezirk der Behörde erstreckte sich über Teile der Landkreise Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach. Das Eschenbacher Amt, die ehemalige "Königliche Messungsbehörde", betreute 84 Gemarkungen in 18 Gemeinden.

Das Ende des Amts zeichnete sich erstmals im Jahr 2006 ab. Mit einer Vorordnung vom 4. November wurde die formelle Umstrukturierung und Auflösung der Vermessungsämter zum 1. Januar 2007 angeordnet. Der amtierende Bürgermeister Robert Dotzauer sprach von "Willkür und ausufernder Allmacht bayerischer Ministerialbürokratie". Ab da wurde das Amt zur Servicestelle degradiert. Bei der Weihnachtsfeier 2007 kündigte Vermessungsdirektor Anton Hösl das Aus für Ende 2008 an. Am 23. Dezember 2008 übergab Hösl die Hausschlüssel an Stefan Adam von der Regionalverwaltung Oberpfalz der Immobilien Freistaat Bayern. Am 21. April 2009 besichtigte der Stadtrat das Gebäude. Erich Rauscher von der Regionalverwaltung Oberpfalz der Immobilien Freistaat Bayern freute sich über das Interesse. Er informierte die Stadträte über zirka 670 Quadratmeter Hauptnutzungsflächen und über etwa 230 Quadratmeter Nebennutzungsflächen, einschließlich Nebengebäude.

Dachbalken prüfen

Dabei war Architekt Klaus Stiefler, auf den das Gebäude einen "guten Eindruck" machte. Einschränkungen galten lediglich dem Dach und der "Haustechnik, die nicht den heutigen Ansprüchen entspricht". Er hielt eine Prüfung der Dachbalken für angebracht. Im Falle eines Kaufs müsse die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege einbinden.

Bürgermeister Peter Lehr sagte, dass Fördermittel für Kauf und Modernisierung nur gewährt würden, wenn das Haus für soziale Zwecke genutzt wird. Ergänzend bemerkte er, dass der Mietvertrag für die in das Anwesen Karlsplatz 3 ausgelagerten städtischen Dienststellen wie Einwohnermeldeamt noch bis 2018 läuft. Das Gebäude wurde seither bis vor einem Jahr nur kurz für den Unterricht von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz genutzt. Seitdem steht es leer. Aktuell gebe es keine Überlegungen und Planungen zur Nutzung des Gebäudes durch die Stadt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.