Reservisten holen den Pott

Der Auerbacher Spielertrainer Tobias Wannenmacher (hinten) zeigt sich gegen den Landshuter Florian Obermayer (vorne) am eigenen Kreis nicht gerade zimperlich. Bild: Ziegler

Die halbe Handball-Mannschaft fehlt zwar, aber selbst der Rest des SV 08 Auerbach ist für die Gegner im diesjährigen Molten-Cup immer noch zu stark.

Der SV 08 gewann in eigener Halle beide Partien, bezwang den Ligakonkurrenten TG Landshut (36:25) und den ungeschlagenen Landesliga-Spitzenreiter TSV Allach 09 (38:24) jeweils deutlich. Auerbach und Finalist Allach sind damit für den Amateur-Pokalwettbewerb 2015 des Deutschen Handball-Bundes qualifiziert.

Unübliche Zeit

Als am vergangenen vierten Advent-Samstag um 11.30 Uhr der erste Anpfiff in der Helmut-Ott-Halle zur Partie zwischen der TG Landshut und dem SV 08 Auerbach ertönte, war manches anders als üblich. Als erstes die Uhrzeit: Bis in ihre Mini-Tage mussten die Akteure der beiden Teams zurückdenken, um sich an Pflichtspiele mit mittäglichen Anwurfzeiten zu erinnern. Die zweite Ungewöhnlichkeit sorgte bei einzelnen Zuschauern zunächst für etwas Verwirrung, denn Auerbach trat in diesem Spiel als Gast in eigener Halle an und so staunte manch einer nicht schlecht, als die ersten Tore für Blau-Weiß "auf der falschen Seite" aufleuchteten.

Landshut mit Jugend

Die dritte und wohl größte Überraschung boten die Aufstellungen der beiden Halbfinalisten. War die TG Landshut mit einer Art U-23-Team angereist, so fehlten aufseiten der Gastgeber nicht weniger als sechs Spieler des Bayernliga-Kaders. "Beruf, vor Monaten gebuchte Urlaube, Verletzungen und Krankheit, wir wollten schon fast absagen, haben uns aber doch anders entschieden", erklärte Landshuts Spielertrainer Markus Böhner nach dem Spiel sein zum größten Teil aus A-Jugendlichen bestehendes Team. Er selbst verzichtete wegen eines Bänderrisses im Fuß ebenfalls vorsorglich auf einen Einsatz.

Sechs fehlen

Die Auerbacher Aufstellung bot ein ähnlich überraschendes Bild. Neben den verletzt und krank ausgefallenen Matthias Schnödt und Philipp Schöttner und dem beruflich verhinderten Ralph Weiss hatten sich im Laufe der Woche auch noch die beiden Außen Kenny Schramm und Maximilian Lux und Ersatztorhüter Matthias Müller krank gemeldet.

Dennoch waren elf Mann im Spielberichtsbogen eingetragen. Neben dem Rumpfteam bekam Moritz Neuss erstmals die Gelegenheit auf einige Einsatzminuten. Als Torhüter wurde Marco Weih vom Reserveteam engagiert, und im linken Rückraum zeigte Maximilian Hofmann, dass er ohne seine Hüftverletzung noch immer eine veritable Alternative wäre. Als dritten "Neuzugang" präsentierten die Oberpfälzer einen ehemaligen Publikumsliebling: Thomas Bader, seit vielen Monaten ohne Handball und mit nur zwei Trainingseinheiten in den Knochen, stellte sich mit all seiner Erfahrung und seinem Können zur Verfügung und wirbelte nicht nur in der Abwehr auf vorgezogenem Posten die gegnerischen Angriffsreihen durcheinander, sondern erzielte auch selbst den einen oder anderen Treffer.

Motivation fehlt

Dass bei diesen personellen Voraussetzungen auf beiden Seiten die Motivation nicht übermäßig hoch sein würde, war wohl jedem klar. Dennoch starteten die Gäste forsch und legten gleich zwei Tore vor. Auerbach agierte zunächst etwas nervös und vergab die ersten Bälle. Aber dann ging es Schlag auf Schlag. Nach elf Minuten führte Auerbach mit 4:8 und bereits drei Minuten später nahm Markus Böhner beim Stand von 5:11 seine erste Auszeit. Bereits diese ersten 30 Minuten (10:17) hatten gezeigt, dass die Gäste das körperlich und spielerisch unterlegene Team waren. In der zweiten Hälfte stand Marco Weih zwischen den Pfosten, konnte sich jedoch auch erst gegen Ende der Partie mit einigen guten Paraden auszeichnen.

Dafür zeigte Tommi Bader, dass sein Einsatz mehr als gerechtfertigt war. In seiner unnachahmlichen Art und zur Begeisterung der Zuschauer stahl er dem Gegner mehrmals den Ball, leitete damit schnelle Gegenstoßtore ein und erzielte selbst vier Treffer. Am Ende stand nicht nur ein 36:25-Sieg sondern auch die Gewissheit, die Teilnahme am DHB-Amateur-Pokal erreicht zu haben.

Die zweite Partie war deutlich ausgeglichener als die erste. Mit dem TSV 2000 Rothenburg und dem TSV Allach 09 standen sich zwei Landesliga-Spitzenteams gegenüber und schenkten sich trotz der vorweihnachtlichen Zeit nichts. 28:28 hieß es am Ende. Das Spiel musste durch Siebenmeterwerfen entschieden werden. Mit 33:31 erreichte der TSV Allach 09 das Finale um den bayerischen Pokal und buchte gleichzeitig ein Ticket für den DHB-Amateur-Pokal.

Sehr einseitig

Für das Finale hatten sich wieder ein paar Zuschauer mehr in der Halle eingefunden (rund 200). Sie sahen ein von Beginn an einseitiges Spiel, das der SV 08 Auerbach nach Belieben diktierte. Zu groß war der Klassenunterschied trotz der im Team des Gastgebers vorgenommenen Veränderungen. Immer wieder hielt die konzentrierter und aggressiver arbeitende Abwehr die Angreifer der Gäste von Würfen auf das Tor von Philipp Walzik ab. Maximilian Niemeyer, im ersten Spiel noch einer der wichtigsten Spieler seines Teams, war bei Tobias Wannenmacher in besten Händen und daher kaum mehr zu sehen. Philipp Walzik zeigte nun ebenfalls, was er kann und eröffnete mit etlichen Paraden seinen Vorderleuten, allen voran Mario Schmidtke, immer wieder die Möglichkeit zu schnellen Kontertoren. Schnell war die Messe gelesen. Beim Stand von 19:10 ertönte die Pausensirene. Nach 42 Minuten stand es bereits 29:13 und hätte man nicht noch einige Bälle vergeben, der Sieg wäre noch deutlicher ausgefallen als mit 38:24.

Start am 2. Januar

Für Tobias Wannenmacher und sein Team beginnt nun eine kurze Phase der Regeneration. "Wir haben jetzt über Weihnachten ein paar Tage Zeit, diesen Erfolg zu genießen und unsere Verletzungen und Krankheiten auszukurieren. Bereits am 2. Januar geht die Vorbereitung auf die Rückrunde wieder los und ich hoffe, bis dahin möglichst viele der Jungs wieder fit zu sehen." Sprach's und verabschiedete sich auf die verdiente Weihnachts- und Siegesfeier.

SV 08 Auerbach (Tore in beiden Spielen): Walzik, Weih, Tannenberger (21/3), Wannenmacher (2), Herold (7), Schmidtke (16), Wolf (12/4), F. Müller (5), Neuss (2), Hofmann (4/1), Bader (5).
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