Retter Frontzeck

Mit geballter Faust steht Hannovers Trainer Michael Frontzeck am Spielfeldrand. Mit großem Eifer und Ehrgeiz, so wie von ihm gewohnt. Bild: dpa

Hannover 96 hat seine Krise beim HSV vorerst beendet. Coach Frontzeck macht die Arbeit Spaß - gegen Hertha sollte er am Freitag aber nachlegen. Erst zum Winter ist Verstärkung zu erwarten.

Michael Frontzeck stemmt sich mit aller Macht gegen das Ende seiner Zeit bei Hannover 96. Statt viel zu reden, konzentriert sich der 51 Jahre alte Fußball-Lehrer auf seine Arbeit und versucht die Zeit bis Weihnachten zu überstehen - dann soll der neue Sportliche Leiter Christian Möckel Qualität nachverpflichten. "Wir werden den Kader bis ins Detail durchleuchten", kündigte Frontzeck am Tag nach dem äußerst glücklichen 2:1 (0:1) beim Bundesliga-Nordrivalen Hamburger SV an.

"Wenn man sich verbessern kann, muss man sich verbessern", sagte der Coach, der im Sommer weitere Verpflichtung trotz des Angebotes von Clubchef Martin Kind abgelehnt hatte. Jetzt will er im Winter gemeinsam mit dem neuen Sport-Geschäftsführer Martin Bader und Möckel nachlegen. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, sechs bis sieben Spieler zu holen."

Mit einer fulminanten Halbzeitansprache und zwei Wechseln hatte der Coach Anteil an der Wende in Hamburg. Die Niedersachsen nahmen nach den unterirdischen ersten 45 Minuten die Einladung der überheblichen Hamburger an: Zwei Chancen, zwei Tore. Und Mittelfeld-Lenker Hiroshi Kiyotake bestätigte seine besonderen Fähigkeiten.

Der Japaner marschierte voran, verwandelte den Foulelfmeter (59.) und gab die Vorlage zum Siegtor durch Salif Sané (67.). "Er ist ein herausragender Spieler, er hat etwas Außergewöhnliches", sagte 96-Geschäftsführer Martin Bader, der ihn 2012 von Osaka nach Nürnberg holte.

"Er ist ganz wichtig für uns", bestätigte auch Mittelstürmer Artur Sobiech. Doch Kiyotake allein reicht auf Dauer nicht. Nach dem Abschied von Lars Stindl zu Borussia Mönchengladbach fehlt 96 mindestens ein weiterer Klasse-Feldspieler.

Ein Garant für die so wichtigen drei Zähler war auch Ron-Robert Zieler. Der Torwart fand wieder einmal klare Worte: "Das waren die wichtigsten Punkte, die wir in der Vorrunde geholt haben." Mit nun elf Punkten hält Hannover den Anschluss ans Mittelfeld - muss aber am Freitag (20.30 Uhr) gegen Hertha BSC nachlegen, um nicht wieder in die untere Tabellenregion abzurutschen.

Schlussmann Zieler lobte Frontzeck ausdrücklich und ließ erkennen, dass auch die Profis weiter mit dem Coach arbeiten wollen: "Der Trainer hat deutliche Worte in der Halbzeit gefunden." Er selbst blieb in der Schlussphase ruhig und hielt den Sieg fest, als der HSV auf sein Tor stürmte.

Nun macht sich der Nationalspieler Hoffnung, beim Freundschaftsspiel am 17. November gegen die Niederlande im heimischen Stadion dabei zu sein. Zwar ist der Weltmeister im Verein nicht international gefordert, seine Aufgaben in der Bundesliga meistert er derzeit aber souverän. Ganz nebenbei brach er den Rekord des Ex-96-Verteidigers Jupp Hellingrath - Zieler stand bei den vergangenen 153 Spielen von Hannover auf dem Feld.
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