Riedens Biertrinker

Die Teilnehmer warfen bei wirtshausgeschichtlichen Wanderung einen Blick über das Vilstal und auf Rieden. Bild: sön

14 Wirte in einem Dorf? Ein Paradies für Gesellige. Bei einer Wirtshauswanderung erfuhren die Teilnehmer jede Menge über die Bier-Kultur in ihrem Ort.

(sön) "In Rieden befand sich das Kurfürstliche Umgeldamt, an das unter anderem auch die Biersteuer zu entrichten war", erläuterte Ortsheimatpfleger Hubert Haas. Zu einer wirtshausgeschichtlichen Wanderung hatte der Heimatverein eingeladen. Die rund 40 Teilnehmer, meist Mitglieder der Sektion Amberg, des Bayerischen Waldvereins erfuhren: "Allein für das Kloster Ensdorf war im Jahr 1758 ein Zapfgeld von 73 Gulden und 40 Kreuzer fällig."

Indiz für Konsum

30 Jahre später seien es 315 Gulden und acht Kreuzer gewesen, so Haas, "was unschwer auf den höheren Bierkonsum in Rieden schließen lässt". Und er ging auch ins Detail, "denn pro Sud, der aus 34 Eimern zu je 108 halben Litern bestand, mussten ein Gulden und 45 Kreuzer bezahlt werden". Beim ältesten Riedener Gotteshaus, der Filialkirche St. Georg im Ortsteil Schnarrendorf links der Vils. Rund um die Kirche gebe es die alteingesessenen Gaststätten Hirschenwirt, den Gasthof Haas (Zum Poppn) und das erst nach dem zweiten Weltkrieg eröffnete Café Färber, heute "Zum Brücklwirt". Bis etwa 1920 hätten die damals 14 Riedener Wirte in der Hirschwalder Straße ein gemeinsames Brauhaus betrieben, sich jedoch zerstritten und Bier dann von auswärtigen Brauereien, vom Ensdorfer Klosterbräu, bezogen, informierte Haas.

Rund um den Marktplatz mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt konzentrierten sich auch heute noch Gaststätten wie der Löwenwirt (früher "Zum Goldenen Löwen") mit Bäckerei, der Landgasthof "Zum Bärenwirt", bereits 1701 als Wirt zum schwarzen Bären genannt, der Kronenwirt (Stettner) und der "Bierkönig", früher als Stelzerwirt bekannt. Erinnern, so Haas, wolle er auch an den "Stiglbäck" am Marktplatz (heute Bäckerei Großer), die ehemaligen Wirtshäuser "Zum Ochsenwirt" an der Ecke Reitergasse, das Schwandner-Wirtshaus in der Hauptstraße und das in der gleichen Straße gelegene, 1701 erstmals genannte und gegen 1930 geschlossene Wirtshaus "Zum Weißen Rössl". Zu vielen der Riedener Gaststätten gehörten auch Kegelbahnen. In den Pastoralberichten der jeweiligen Riedener Pfarrherren an das Bischöfliche Sekretariat in Regensburg sei die Anzahl Riedener Wirtshäuser oder Bierschänken in den Jahren 1864 bis 1895 mit jeweils 14 angegeben worden. Zur Frage einer Teilnehmerin nach der Kongo-Bar, ihr aus den 70er Jahren noch in Erinnerung, wusste Haas, dass dies der ehemalige Stelzer-Keller gewesen und heute als Funny bekannt sei. Nach einem Spaziergang über die Reitergasse und den Kreuzweg zur Bergkapelle konnten die Teilnehmer an der Wanderung bei herrlichem Frühlingswetter ihren Blick über das Vilstal und Rieden schweifen lassen.

Mauerreste auf dem Berg

"Wenn ma scho da heroben sind", gab der Heimatvereinsvorsitzende auch noch Erläuterungen zur Riedener Burg, deren Mauerreste heute noch zu sehen sind. Ein gemütliches Beisammensein im Wirtsgarten "Zum Bärenwirt" bei Bier und Brotzeit rundete diese wirtshausgeschichtliche Wanderung ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Rieden (3381)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.