Rindertreiben auf die sanfte Art

Peter Muschler und Wolfgang Wiesent (rechts) treiben die Auerochsen mit einer sanften Methode in den Korral. Amtstierärztin Dr. Sonja Forster filmte das Treiben, um bei Fortbildungen dieses Musterbeispiel an artgerechtem Umgang mit den Rindern einem größeren Publikum vorzustellen.

Ein Vorzeigebetrieb ist das Weideprojekt Leonie offensichtlich auch auf Amtsebene. Dr. Sonja Forster vom Veterinäramt Amberg-Sulzbach war vor einigen Monaten bei einer Treibaktion der Auerochsen dabei und so begeistert, dass sie gleich wieder kam - dieses Mal mit der Filmkamera.

Wolfgang Wiesent, Michael Scharl, Peter Muschler und Dieter Treuter waren vor Ort, um die knapp 40-köpfige Herde in den Korral (das Gehege) zu treiben. Das ist von Zeit zu Zeit notwendig, für tierärztliche Untersuchungen, Impfungen oder zur Erfassungen der aktuellen Bestände. 2012 haben sich die Verantwortlichen einer Schulung unterzogen, bei der "Rinderflüsterer" Philipp Wenz aus Roggentin, die "Low-Stress-Stockmanship (LSS)", also die stressarme Herde-Mensch-Beziehung, zeigte.

Damals erklärte Wenz die Situation der Tiere. "Negativen Stress kennen wir alle: Er macht uns krank und den Tieren geht es genauso. Positiver Stress dagegen fordert uns heraus und motiviert uns. Wenn wir etwas geschafft haben, fühlen wir uns gut. Rindern geht es ähnlich." Mit der Methode ist dies möglich. Den Tieren Aufgaben stellen, die diese lösen können. Solch positiver Stress fördert ihre Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung. Viele Betriebe locken ihre Tiere mit Futter. Locken sei eine sehr gute und effiziente Methode, um Tiere von A nach B zu bringen - unter bestimmten Umständen. "Denn machen wir uns nichts vor, wir können die Tiere zwar in eine andere Weide locken, aber nicht ins Gehege oder irgendwo hin, wo sie nicht rein wollen." Deshalb riet Wenz, die Tiere zu treiben.

Treiben verleihe mehr Kontrolle über die Tiere, sei weniger stressig für sie. Warum ist locken stressig für die Tiere? Sie laufen doch freiwillig hinterher, möchte man meinen. Wenz erklärte es so: "Locken arbeitet letztendlich mit der Gier der Tiere. Und wo Gier ist, ist Neid nicht weit. Nach dem Prinzip Buckeln nach oben und Treten nach unten werden die schwächsten Tier hier das Nachsehen haben." Ein anderer Aspekt sei, dass die Gier die Tiere sehr unruhig werden lässt. Sie befürchten, zu kurz zu kommen, weshalb sie in die neue Weide rennen. Dabei werden leicht die Kälber von den Müttern getrennt und das Tor kann beschädigt werden. Die schnellste Art, mit Tieren zu arbeiten sei, es langsam zu tun.

Fünf Regeln

Fünf Regeln notierte Wenz. Tiere wollen sehen, wer oder was sie treibt, sie wollen dorthin gehen, wohin sie schauen. Bewegung erzeugt Bewegung, das heißt Tiere wollen Tieren folgen. Die Rinder konzentrieren sich nur auf eine Sache und haben wenig Geduld. Vermeiden sollte man Lärm in jeglicher Form, schnelle und hektische Bewegungen, Tiere schlagen, ziehen und ihnen den Weg verstellen.

Ruhig und geduldig

Was Wenz den Kursteilnehmern erklärte, setzten Wiesent und Muschler am Samstag um. Ruhig und geduldig trieben sie die Rinder samt ihrem großen Leitstier in den Fangstand. Mit langsamen Bewegungen, etwa dem leichten Rucken der Schulter, wurden die Ochsen in die richtige Richtung gebracht. Beim Treiben achteten die Tierfreunde auch darauf, dass Kälber nicht von ihren Müttern getrennt wurden. Und lammfromm ging ein Rind nach dem anderen von einem Bereich in den nächsten. Dr. Sonja Forster war begeistert. Sie nahm mit ihrer Kamera die ganze Aktion auf.
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