Rodin-Quartett eröffnet "Beer-Walbrunn-Tage 2014" in Kohlberg mit fulminantem Kammermusikabend
Ebenbürtig zu Mozart und Haydn

Das Rodin-Quartett mit Sonja Korkeala (von links), Gerhard Urban, Martin Wandel, Clemens Weigel) in intensiver Tätigkeit. Bild: Tietz
Kohlberg.Gut mit erwartungsvollem Publikum gefüllt war die Nikolauskirche in Kohlberg, als der erste musikalische Abend der "Beer-Walbrunn- Tage 2014" begann. Diese Wahl der Spielstätte war nicht zufällig. In diesem Ort ist der Komponist vor 150 Jahren geboren. Das Rodin-Quartett gestaltete den Abend: Sonja Korkeala (erste Violine), Gerhard Urban (zweite Violine), Martin Wandel (Viola) und Clemens Weigel (Violoncello) stellten ein ausgewogenes Programm zusammen.

Solo der Geigerin

Das berühmte Streichquartett Es-Dur op 33/2 von Joseph Haydn mit dem Beinamen "Der Scherz" leitete das Programm ein. Haydn intensivierte das Zusammenspiel der vier Streicher, die nun gleichberechtigt und abwechselnd wichtig den Fortgang der Musik gestalten. Dementsprechend war das Spiel des Rodin-Quartetts sowohl von intensivem Hören aufeinander wie gemeinsamer Darstellung der musikalischen Gedanken geprägt. Das vollzog sich im melodiereichen Anfangssatz wie im tänzerischen Scherzo. Das Largo legte ab dem Duo von Bratsche und Cello Wert auf reinstes "cantabile". Das Finale erklärt den Beinamen des Quartetts, indem das zunächst äußerst rasch vorbeihuschende Thema am Schluss durch ein paar dazwischengeschobene Pausen in Einzelteile zerlegt wird und mittendrin aufhört.

Als nächstes Werk stand das unbekannte Streichquartett Nr. 1 C-Dur op 4 von Anton Beer-Walbrunn auf dem Programm. Schon im ersten Thema wurden die präzisen Ideen dieses Komponisten bezüglich der Tonfolgen für vier Streicher deutlich. Und so ging es weiter. Den dichten Klangfolgen erwiesen die Musiker die richtigen Maßstäbe, sowohl im sehr ernsten Allegro wie im melodiösen Adagio. Das Scherzo bestach durch sein Vorwärtsdrängen in komplizierter Taktgestaltung. Das Trio wiederum bot der ersten Geigerin ein großartiges Solo über der leisen Pizzicato- Begleitung der Mitspieler. Mit raschen Läufen erweckte das Finale die vom Quartett beabsichtigte Ruhelosigkeit.

Nach der Pause zunächst zwei kleinere Werke von Max Reger. Die Romanze a-moll WoO IV/11 beeindruckte in der angestrebten ruhig wiegenden Melodie-Gestaltung trotz des kurzen Gefühlsausbruchs im Mittelteil. Die Melodia Nr .4 B-Dur op 129/4 verfuhr ähnlich. Dass beide Stücke Bearbeitungen sind, merkte man ihnen im Spiel des Quartetts nicht an. Was Harmonium respektive Orgel an gehaltenen Tönen leisten, schaffen Streicher auf ihre Art. Es folgte ein Streichquartett von Wolfgang Amadeus Mozart, in C- Dur KV 465, genannt "Dissonanzen- Quartett". Ein Sonderverdienst des Quartetts war nun, dass diese einleitenden Takte nicht wie sonst oft als kühne Einzelharmonien gedacht wurden, sondern in eine plötzlich glaubhafte Abfolge einer noch kühneren Melodiefolge mündeten.

"Längst überfällig"

Dann wurde Mozarts Quartett in einer intensiven und die musikalische Aussage voll verdeutlichenden Weise dargeboten. Erster Bürgermeister Rudolf Götz hatte anfangs erklärt, dieses Konzert sei eine späte aber längst fällige Ehrerbietung für Beer-Walbrunn. Wie wahr das war, zeigte die an diesem Abend erfolgte glanzvolle Einbindung des Komponisten in gleichartige Werke berühmter Komponisten. Zwei Zugaben (Mozart KV 80, J.S. Bach: "Air" 3. Orchestersuite) rundeten den Abend ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.