Romane von Hans Fallada, Herman Melville und Charles Dickens als "Graphic Novel"
Starke Bilder-Geschichten über seltsame Typen

Jakob Hinrichs: "Hans Fallada - Der Trinker" (160 Seiten, 25 Euro, Metrolit-Verlag):Der Trinker ist einer der persönlichsten Romane von Hans Fallada. Er verfasste das Werk 1944 heimlich im Gefängnis. Fallada war nach einem mutmaßlichen Totschlagversuch an seiner Frau als nicht zurechnungsfähig inhaftiert worden und saß mehrere Monate in der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz. In dem Buch hat Fallada nicht nur die eigenen Erfahrungen mit der Alkoholsucht verarbeitet, der Roman ist auch eine Auseinandersetzung mit seinen persönlichen Krisen und Demütigungen. Was liegt also näher, als die Geschichte über den Untergang des Kleinbürgers Erwin Sommer, der in einer Lebenskrise zu trinken beginnt und dem Alkohol so verfällt, dass er in der Folge seine Ehe und Existenz zerstört, mit der Biografie Falladas zu verknüpfen?

Der Illustrator und Comiczeichner Jakob Hinrichs hat sich intensiv mit dem Werk und dem Leben Falladas beschäftigt und viele für Fallada wichtige Orte besucht. Seine Adaption beginnt in der Landesanstalt und erzählt von dort aus die Geschichte Sommers und Falladas auf überzeugende Weise. So wird auch die berührende Lebensgeschichte eines bedeutenden Schriftstellers nachgezeichnet, der bis zu seinem Tod 1947 unter seiner Morphium- und Alkoholsucht litt.

Christophe Chabouté: "Herman Melville - Moby Dick" (256 Seiten, 29,99 Euro, Egmont Graphic Novel):Wer bisher vor diesem Stück Weltliteratur zurückgescheut ist, kann nun den seitenstarken Roman als kurzweiliges Seeabenteuer erleben. In dunklen, rauen Bildern wird das blutige und dreckige Handwerk der Walfänger gezeigt. Hauptfigur ist Matrose Ismael, der auf der Insel Nantucket dem tätowierten Harpunier Queequeg begegnet. Gemeinsam heuern sie auf einem Walfänger an, der Pequod. Dem Schiff und seinem Kapitän eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Chabouté erzählt das packende Seeabenteuer in atemberaubenden Schwarz-Weiß-Bildern.

Will Eisner: "Ich bin Fagin. Die unerzählte Geschichte aus Oliver Twist" (136 Seiten, 19,99 Euro, Egmont Graphic Novel):Moses Fagin, der "Jude" aus Oliver Twist, sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Empört darüber, wie Charles Dickens ihn in seinem Buch dargestellt hat, erzählt er ihm seine Lebensgeschichte. Als Sohn böhmischer Immigranten wuchs er in den Slums von London auf. Sein Vater brachte ihm bei, wie man sich mit Betrügereien durchschlägt. Als Fagins Eltern starben, nahm ihn der wohlhabende Geschäftsmann Eleazer Salomon als Diener auf. Bei ihm lernte Moses eine andere Seite jüdischen Lebens kennen. Doch auch in der Oberschicht musste er gegen Vorbehalte und Diskriminierung ankämpfen. Comic-Altmeister Will Eisner macht Fagin in seiner "Graphic Novel" (illustrierter Roman) zur Hauptfigur und entwirft dessen Lebensgeschichte vor dem Hintergrund des viktorianischen Zeitalters. Fagin wird zu einem mehrdimensionalen Charakter, der mit Oliver-Twist-Autor Charles Dickens streitet und ihn mit dem Problem des Antisemitismus in der Literatur konfrontiert.
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