Romantik und Heimat

Das ist doch was: 40 Jahre Naturpark und 15 Jahre BayernTourNatur. Zu diesen Jubiläen wird nicht in einen Festsaal, sondern ins Grüne eingeladen.

Die Verwaltung des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald und die Stadt Eschenbach baten zu Naturbeobachtungen in das Oberseegebiet. Mit zirka 30 Teilnehmern durchwanderte Mathilde Müllner ein romantisches Stück Heimat. Informationsschwerpunkte setzte die Diplom-Biologin zur artenreichen Pflanzenwelt im und am Rande des Naturschutzgebietes. Ergänzend gab Forstamtsrat Martin Gottsche Hinweise zur reichen Tierwelt.

Bezaubernde Schönheit

Mathilde Müllner schwärmte schon zu Beginn der Führung: "Die biologische Vielfalt ist hier einzigartig". Diese unvergleichlichen Naturschönheiten vor Augen zu führen, war die etwa zweistündige Wanderung im Rahmen der BayernTourNatur gewidmet. Mathilde Müllner lenkte den Blick auf Ufer-, Röhricht- und Verlandungszonen, die anderswo längst verschwunden sind, wie sie bemerkte. Fachkundig geführt, gewährte Mathilde Müllner Einblicke in Lebensräume von Tieren und Pflanzenwelt, die sonst kaum Beachtung finden. Angetan hatte es Müllner an diesem regnerischen Nachmittag besonders der artenreiche Lebensraum in den Feuchtwiesen des Oberseegebietes. "Diese Wiesen sind Oasen der Blütenpracht und Pflanzenarten", bemerkte die Naturexpertin. Erleben und Entdecken hieß es mitten im kniehohen Wiesengras. Müllner schärfte den "Kennerblick" der Naturfreunde für Wiesen-Sauerampfer, Breitwegerich, Schafgarbe und viele weitere Kräuter und Blumen. Meist ließ sich erst beim genauen Hinsehen die Faszination der Pflanzen erkennen. "Noch sind diese Gräser nicht in ihrem Bestand bedroht", wusste die Biologin. Es gelte jedoch, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Mathilde Müller appellierte an den gesamtgesellschaftlichen Auftrag, Bestandsschutz zu organisieren. Denn: "Nur was man erkennt, das schätzt man, und was man schätzt, dass schützt man auch." Schließlich staunten die Naturfreunde über Paradoxes. Die reiche Tier- und Pflanzenwelt im Oberseegebiet sei durch den Menschen entstanden, klärte Müllner auf. Mit ihrem "Blick zurück" erzählte sie von der Entwicklung der Weiherlandschaft aus der Not heraus. Schon vor 500 Jahren habe Fischzucht und eine intensive Teichwirtschaft zur Sicherung der Lebensexistenz beigetragen.

Das "Vielnutzungsgebiet" der Oberseelandschaft mit Fischzucht, Torfabbau, Holzeinschlag und Schilfnutzung sei erst mit der Ausweisung als Naturschutzgebiet im Jahr 1950 eingeschränkt worden. Mathilde Müller verwies ferner auf die von der Stadt Eschenbach ab 1995 veranlasste Erschließung des Oberseegebietes mit gut ausgebauten Wanderwegen, zum Teil mit Hackschnitzeln gepolstert, und bestückt mit Beobachtungstürmen und Aussichtsplattformen. Diese Besucherlenkung schütze die Tierwelt und eröffne gleichzeitig den Naturfreunden Ein- und Aussichten in die vielen Schätze des Naturschutzgebietes mit seiner seltenen Fauna und Flora.

Dem Blick auf die filigranen Schönheiten entlang des Oberseedammes und der Feuchtwiesen im Gebiet des Landinger Weihers folgten Hinweise von "Kommunalförster" Martin Gottsche auf die seltene Vogelwelt im Oberseegebiet. Augen auf hieß es beim "Erspähen" des Fischadlerhorstes. "Dank der Nesthilfe durch den Naturpark brüten Fischadler schon im sechsten Jahr am Obersee", erklärte der Forstmann. Martin Gottsche wusste auch von einem gesunden Nachwuchs im Nest. Zu den zehn häufigsten Vogelarten im Naturschutzgebiet zählte er die Haubentaucher, Blesshühner und Entenarten und natürlich die Lachmöwen als Charaktervogel des Rußweihergebietes "und als Wildsauen der Lüfte", wie es Gottsche formulierte.

Wichtige Regulatoren

Zum Schutz dieser wertvollen und seltenen Vogelarten sei ein permanentes Management erforderlich, um die Tierwelt im Naturschutzgebiet im Gleichgewicht zu erhalten, ergänzte Mathilde Müllner. Mit den Fledermäusen als wichtige Regulatoren habe das Artenspektrum weiter zugenommen, freute sich die Biologin.

Weitere Erläuterungen gab Martin Gottsche. Der Forstfachmann verwies auf den kontinuierlichen Umbau der städtischen Wälder in einen Mischwald mit 20 verschiedenen Baumarten. Aus der Sicht eines Naturschutzwächters beantwortete Anton Rupprecht Fragen zur Tier- und Pflanzenwelt seines "Reviers". Besonders als Biberexperte ist der Haselbrunner seit Gründung der Naturschutzwacht unterwegs.
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