"Rote" Trittbrettfahrer

Die nördliche Oberpfalz und somit die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN sollen von der Gleichstromtrasse verschont bleiben. Dies hatten die SPD-Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch und Marianne Schieder am Dienstag mitgeteilt. Doch für die Trassengegner der Region ist das nicht unbedingt der Verdienst ihres Stimmkreisvertreters.

Kulmain/Neusorg. (bkr) Die Kulmainer Bürgerinitiative (BI) gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost betrachtet die Meldungen der SPD-Politiker Uli Grötsch und Marianne Schieder mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freuen sich ihre Sprecher Markus König und Dietmar Scherer am Mittwoch, dass die Argumente gegen den Bau der Trasse angekommen seien und das Fichtelgebirge sowie der Steinwald nicht mehr zerschnitten werden sollen. Andererseits wollen sie auch keine Verschiebung der Leitung nach Westen, wie es nun die Pläne der Bundesnetzagentur und des Netzbetreibers Amprion vorsehen. Damit sei das Ziel einer energieautarken Region nicht erreicht. Es gelte weiterhin, Möglichkeiten auszuschöpfen, um in einem Energieverbund unabhängig zu werden.

Was beide überraschte, war die Meldung aus Berlin an und für sich. Noch eine Woche vorher habe der Münchner SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post erklärt, dass die Gleichstrompassage entlang der A 93 quer durch die Oberpfalz verlaufen könnte. Uli Grötsch habe vor einem Jahr versucht, die Bürgerinitiative ins Boot zu holen. In Weiden sei es zu einem Treffen gekommen. "Das Gespräch war sehr ernüchternd", betont Markus König. Der Politiker damals habe nicht erkennen lassen, ob er sich gegen die Trasse einsetzen werde.

Mehr Schweigen als Worte

"Sie versuchen noch schnell, auf den Zug aufzuspringen", meint Maria Estl von der BI Steinwald. Sie erinnert sich noch an Grötschs distanzierte Haltung zur Gleichstromtrasse. Bei einem Gespräch in Neusorg im Juni 2014 habe der Bundestagsabgeordnete gesagt: "Nennen Sie mir einen Experten der sagt, dass man die Stromleitung nicht braucht, dann bin ich auf Ihrer Seite."

Den Wissenschaftler Christian von Hirschhausen allerdings habe er nicht gelten lassen. Auch sonst hat sich der Waidhauser laut Maria Estl sehr schweigsam gezeigt, was den Widerstand gegen die Trasse betraf.
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