Roter Tupfer in bunter Familie

Die Geschwisterliebe muss groß sein. Denn obwohl (von links) Julia, Elias und Vivien unterschiedliche Fußballvereine favorisieren, ist ihre Beziehung harmonisch. Die ein oder andere Stichelei bleibt aber nicht aus. Bild: hfz

Mama, Stiefpapa und Bruder sind Dortmund-Fans, die Schwester HSV-Fan. Julia Bauer selbst ist stellvertretende Vorsitzende im frisch gegründeten Bayern-Fanclub "Rote Legion Oberpfalz". Beste Voraussetzungen, um mit der 24-Jährigen über Fußball zu plaudern.

Im Gespräch mit Redakteur Christopher Dotzler redet die OP-Schwester aus Mantel über Klischees, die kuriose Familienkonstellation und den 77 Mitglieder zählenden Fanclub.

Was ist Abseits?

Das ist ja gemein. Soll ich das jetzt erklären?

Gerne!

Abseits ist, wenn der gegnerische Spieler einen Pass vom Mitspieler bekommt und hinter dem letzten Mann des eigenen Teams steht, Tormann ausgenommen.

Test bestanden. Auf was die Frage eigentlich abzielt: Mit wie vielen Klischees muss man als fußballbegeisterte Frau kämpfen?

Bisher eigentlich gar nicht. Es kommt zwar immer wieder ein Spruch über Frauen und Fußball ...

... aber Sie setzen sich zur Wehr?

Sicherlich. Ich muss dazusagen, meine Mama ist in einem Regensburger BVB-Fanclub. Mein Stiefpapa und mein elfjähriger Bruder sind auch Dortmund-Fans, meine Schwester ist HSV-Anhängerin. Zumindest mein Papa ist Bayern-Fan.

Krasse Konstellation. Wie funktioniert das?

So schlimm ist es nicht. Natürlich gibt es Scherzereien. Ich war mit meiner Mama bei zwei Spielen zwischen Bayern und Dortmund. Unter anderem im DFB-Pokal-Halbfinale (3:1-Sieg für den BVB nach Elfmeterschießen; Anm. d. Red.). Da habe ich mir schon ein bisschen was anhören müssen.

Was gibt es da für Sticheleien?

Nach dem Halbfinale hat sie mir einen Link geschickt, wo es Anti-Rutsch-Socken zum kaufen gibt (Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschten beim Elfmeterschießen aus; Anm. d. Red.). Ansonsten schicken wir uns Bilder hin und her, die gegen Bayern oder Dortmund zielen. Aber alles im Rahmen und nicht böse.

Wie ist das eigentlich mit Ihrem Freund? Mit welchem Verein sympathisiert er?

Mit gar niemanden, er interessiert sich nicht für Fußball.

Wie lange sind Sie schon Bayern-Anhängerin? Wann hat alles angefangen?

Eigentlich war ich als Kind noch gar kein Fan. Mein Papa hat ganz viel Fußball geschaut, samstags Sportschau. Meine Schwester und ich waren damals gar nicht begeistert von der ganzen Sache. Wir sind freiwillig mit der Großtante in die Kirche gegangen, weil wir das nicht anschauen wollten. Irgendwann hat es mich dann doch erwischt. Wahrscheinlich, als ich selber das Fußballspielen angefangen habe.

Wo spielen Sie?

Jetzt spiele ich nicht mehr. Ich war in Mantel. Ich habe mit 13 oder 14 angefangen.

Dann hat Sie der Hype vor 2006 erwischt. Vielen gilt die WM als Wendepunkt, seit dem sich immer mehr Frauen für Fußball interessieren.

Nein, ich habe mich schon vorher interessiert.

Was ist das Besondere am Fußball?

Dadurch, dass ich selber gespielt habe, ist das Interesse gewachsen. Am Anfang war es nicht so da, das hat sich dann mehr oder weniger so ergeben.

Wie kommt man dazu, stellvertretende Vorsitzende eines Bayern-Fanclubs zu werden? Das ist doch recht ungewöhnlich.

Der Vorsitzende hat mir erzählt, dass er gerne einen Fanclub gründen würde. Da war eigentlich noch gar nicht die Rede davon, dass ich ein Amt übernehmen soll. Der Kassier hat schließlich vorgeschlagen, dass er mich zwecks der Frauenquote vorne dabei haben möchte.

Was ist beim Fanclub geplant?

Erstmal haben wir das Ziel, ein eingetragener Verein zu werden.

Wie sieht es mit Karten für Spiele aus?

Für die Bundesliga sind wir zu spät dran. Möglicherweise haben wir aber Chancen auf DFB-Pokal- oder Champions-League-Tickets.

Letztendlich: Wie sieht Ihre Saisonprognose aus?

Der Meistertitel wäre schon ganz cool. Vier Mal hintereinander hat noch niemand die Schale geholt, das wäre ein schöner Rekord.
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