Roven Vogel
Weltmeister

Nicht alle Tage kommt es vor, dass Deutschland einen Schachweltmeister zu bewundern hat. Im Seniorenbereich trug einzig Dr. Emanuel Lasker, der zweite Weltmeister die Schachgeschichte, von 1894 bis 1921 die Schachkrone. Und auch im Jugendbereich hatte es bislang erst drei deutsche Weltmeister gegeben: 1999 Leonid Kritz (U16), 2002 Elisabeth Pähtz, noch heute die Nr. 1 der deutschen Frauenrangliste, (WU18) und 2006 Arik Braun (U18).

Das schier Unmögliche hat der Dresdner Rovan Vogel erreicht. Bei der vor einem Monat zu Ende gegangenen Jugendweltmeisterschaft, die in der mondänen Hotelanlage Porto Carras auf der griechischen Insel Chalkidiki ausgetragen wurde, belegte er bei der U16 in einem starken Feld von 150 Spielern mit 9 Punkten aus 11 Partien den alleinigen ersten Platz.

Unter den Spielern, alle nicht älter als 15 Jahre, befanden sich bereits 45 internationale Titelträger, darunter fünf Internationale Meister mit Francesco Rambaldi (Italien, Elo 2547) als Nr. 1 der Setzliste. Anfangs sah es nicht nach einem vorderen Platz aus. Der noch titellose Roven Vogel startete verhalten mit 2,5 aus 4, um danach mit 6,5 Punkten aus den letzten 7 Partien einen fulminanten Endspurt hinzulegen. Da kann man nur gratulieren!

Mit nachfolgendem Sieg aus der Vorschlussrunde gegen den Ägypter Adham Fawzy, der als Nr. 2 der Setzliste im Schlussklassement mit 7 aus 11 auf Platz 18 landete, stellte der Dresdner die Weichen auf Turniersieg.

Weiß: Adham Fawzy (Elo 2483)

Schwarz: Roven Vogel (Elo 2417)

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Ld3 Se7 6.c4 Sbc6 7.Le3 Sxd4 8.Lxd4 Sc6 9.Lc3 Dg5 10.0-0 Lc5 11.Sd2 e5 12.a3 d6 13.b4 La7 14.Kh1 Lg4 15.Le2 h5 16.Sb3 Td8 17.b5 Se7 18.La5 Td7 19.b6 Lb8 20.Ld2 Dg6 21.f3 Le6 22.Le3 h4 23.Lf2 f5 24.Dc2 h3 25.g3 Tf8 26.Le3 fxe4 27.fxe4 Sg8 28.Sd2 Sf6 29.Tad1 d5 30.Ld3 d4 31.Lg1 Td8 32.c5 Tc8 33.Sb3 Sd7 34.Txf8+ Kxf8 35.Tc1 Ke7 36.Sxd4 exd4 37.Lxd4 Dh5 38.Le2 Lg4 39.Ld3 Le5 40.Le3 Le6 41.Le2 Lg4 42.Lxa6 bxa6 43.c6 Le2 44.Lc5+ Sxc5 45.Dxc5+ Ke8 46.Tc3 Lxc3 47.Dxh5+ Lxh5 48.b7 Td8 0-1

Tagesnotizen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 111a wurde bei der diesjährigen U20-Weltmeisterschaft im russischen Chanty-Mansijsk zwischen dem schweizer IM Noel Studer und dem österreichischen FM Christoph Menezes gespielt. Um die Doppeldrohung Tb5 abzuwehren, hatte Weiß gerade 1.Se2-c3 gespielt. Zwar deckt dieser Springer das Feld b5, doch ... Welche Kleinigkeit hatte Weiß dabei übersehen. Erkennen Sie mit Schwarz am Zug den Gewinnweg?

Unsere Adventgabe stammt aus dem Hause des Internationalen Meisters für Schachkompositionen Dr. Baldur Kozdon in Form eines Siebenzügers als Aufgabe Nr. 111b und zeigt eines der Markenzeichen des Autors, die Miniatur mit schwarzer Dame. Sieben Züge sind zwar eine Menge Holz, doch stellt sich die Angelegenheit praktisch doch recht einfach dar. Nur die Fesselung des Springers bewahrt Schwarz vor dem raschen Ende. Erkennen Sie, wie Weiß vorzugehen hat, um den schwarzen König in spätestens sieben Zügen matt zu setzen?

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 110a (Rupprecht-Krug, W: Kg1, Df3, Tf1, Tg5, Lc3, Sd5, Bc4, e3, g4, h2 [10], S: Kg8, Db7, Td6, Td8, Lf8, Sc6, Bc5, f7, g7, h7 [10]) ist 2000 vom Amberger IM Andres Rupprecht in einem Mannschaftskampf der bayerischen Landesliga gegen den starken Stefan Krug gespielt worden. Wie leicht ersichtlich befinden sich alle weißen Figuren im Angriffsmodus. Das auf der Hand liegende 1.Sf6+! startet den Mattangriff. Nach 1...Kh8 (bei 1...Txf6 entscheidet 2.Dxf6!, denn Schwarz kann 3.Txg7+ Kh8 4.Tg8+ Kxg8 5.Dh8# nur unter erheblichem Materialverlust abwehren) konnte 2.Df5! die Entscheidung bringen. Pariert Schwarz die Mattdrohung 3.Dxh7# mit 2...g6, so 3.Th5! (droht 4.Txh7#, auch nach 3...gxf5) 3...h6 (3...gxh5? 4.Dxh7#) 4.Dg5! Eine köstliche Situation: g- und h-Bauer sind gefesselt, der h-Bauer direkt und der g-Bauer wegen der Mattdrohung Dg8#. Gegen 5.Txh6+ mit nachfolgendem Matt (5...Kg7 6.Th7# oder 5...Lxh6 6.Dxh6#) ist Schwarz machtlos.

Vermeidet Schwarz dieses Abspiel und pariert die Mattdrohung 3.Dxh7# mit 2...Txf6, greift Weiß zu folgender Gewinnabwicklung: 3.Dxf6! gxf6 4.Lxf6+ Lg7 5.Txg7 (droht doppelt 6.Tg6# und 6.Txf7+ mit Damengewinn) 5...Td6 (noch am besten) 6.Txf7+ Txf6 7.Txb7 Txf1+ 8.Kxf1 und der Gewinn ist mit einem Plus von Qualität und zwei Bauern nicht mehr schwierig. In der Partie griff Weiß zu 2.Dh3!? und konnte nach 2...h6?? mit 3.Dxh6+ gxh6 4.Tg8# kurzen Prozess machen. Allerdings wäre es für Weiß nach dem besseren 2...gxf6 nicht leicht gewesen, den Gewinn nachzuweisen. Doch so war es: Überzeugend und klar!

In optisch ansprechender Form legte uns der bekannte Vaihinger Problemschachkomponist Eberhard Schulze mit Aufgabe Nr. 110b (W: Kf3, Tg8, Sb4, Sd4 [4], S: Kc3, Da3, Ta4, Tc4, Lg7, Bf4 [6]) ein Hilfsmatt in zwei Zügen zum Lösen vor, in das der Autor drei beabsichtigte Lösungen eingebaut hat. Hilfsmatt bedeutet, dass Schwarz anzieht und Weiß dabei hilft, den schwarzen König matt zu setzen.

Und so helfen beide zusammen:

1. Lösung: 1.Kxb4! Sb3 (der Springer kontrolliert die Fluchtfelder a5 und c5) 2.Lc3 (blockt Fluchtfeld c3) 2...Tb8#.

2. Lösung: 1.Tcxb4!(blockt Fluchtfeld b4) 1...Ke4 (kontrolliert die Fluchtfelder d3, d4 und d5) 2.Kc4 Tc8#.

3. Lösung: 1.Kxd4! Sd3 (kontrolliert, ähnlich wie in Lösung 1, die Fluchtfelder c5 und e5) 2.Dc3 (blockt Fluchtfeld c3) 2...Td8#.

Ein schönes Trio mit Turmmatts auf der c-, d- und e-Linie und nett anzusehen, wie Weiß Fluchtfelder kontrolliert und Schwarz solche blockt.

Nicht schwierig, doch ein ästhetischer Genuss!
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