Ruhestätte der Toten

Niemand kennt die Zahl der Toten, die durch dieses längst nicht mehr zugängliche Portal am "neuen" Neukirchener Friedhof zur letzten Ruhe geleitet wurden. Bilder: wsl (2)

Der November ist der Monat des Totengedenkens. Friedhöfe sind aber nicht nur Orte der Trauer und Erinnerung, sie sind auch untrennbar mit der Geschichte eines Gemeinwesens verbunden - auch in Neukirchen.

An Allerseelen feiern die katholischen Gläubigen die Erinnerung an ihre verstorbenen Angehörigen, der Volkstrauertag ist dem staatlichen Gedenken an die Gefallenen und Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet und am Totensonntag, dem letzten Sonntag vor Advent, betrauern die evangelischen Christen ihre Toten. Und zu Tod und Trauer gesellt zumeist sich das triste Grau dieses herbstlichen Monats.

Am Rand des Dorfes

Wie kaum in einem anderen Monat werden die Friedhöfe allerorten von den Menschen so zahlreich besucht wie im November. Seit der Säkularisation im Jahre 1803 bestatten die Bewohner des Ortes ihre Toten am nordöstlichen Rand des alten Dorfkerns. Über Jahrhunderte hinweg fanden zuvor die Verstorbenen - wie in vielen anderen Kirchdörfern auch - unmittelbar um das Gotteshaus, dem Kirchof, ihre letzte Ruhestätte.

1807 wurde der Friedhof an der uralten St.-Peter-und-Paulkirche endgültig aufgelassen und gleichzeitig der neue Gottesacker am Ortsrand mit einer Mauer umgeben. Der ehemalige Kirchhof wurde pikanterweise fortan von den Pfarrmesnern der beiden Konfessionen als Garten genutzt. Die Anlage des neuen Begräbnisplatzes war in der Amtszeit von Pfarrer Christian Samuel Meinel (1793 bis 1823). Der Zugang erfolgte vom Dorf her durch ein Portal, flankiert von zwei kleinen Linden. Zwar existiert das Tor mit den beiden inzwischen zu wahren Riesen herangewachsenen Bäumen noch, doch für Leichenzüge und Besucher ist das Portal aus der Gründerzeit seit Jahrzehnten nicht mehr zugänglich.

Gleichberechtigte Träger

War schon der alte Kirchhof südlich und nördlich der Kirche seit 1653 simultan, so teilten sich bis 1974 die beiden Glaubensgemeinschaften auch beim "neuen" Friedhof von 1803 gleichberechtigt die Trägerschaft. Ein Leichenhaus erhielt der Gottesacker erst im Zusammenhang mit einer Erweiterung im Jahre 1930. Dekan Jergius aus Sulzbach vollzog seinerzeit die Segnung.

Der kleinen Friedhofsglocke im Dachreiter der Leichenhalle schlug während des zweiten Weltkrieges wie vielerorts das Schicksal der Konfiszierung und Einschmelzung für Waffenzwecke. Um so größer war die Freude, als am 3. September 1950 eine von dem in die USA ausgewanderten Neukirchner Georg Übler gestiftete Glocke in Dienst gestellt wurde. Georg Übler stand in verwandtschaftlichen Beziehungen zur Bäckerei Hofmann/Grünthaler in der Bahnhofstraße.
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