Runden drehen im Nieselregen

Chillen in der Spätsommersonne war in diesem Jahr zur Allersburger Wiesenkirchweih nur bedingt möglich. Trotzdem, es war wieder ein tolles Fest, obwohl es den Allersburger Kirchweihpaaren am Sonntagnachmittag schon etwas in die Liesl genieselt hat. "Aber das macht nix, da stehen wir drüber", meinten die harten Boum und feschen Moila.

St. Michael bringt in Allersburg die Wiesenkirchweih mit, sagt man im Dorf. Regional gesehen ist Allersburg schon immer ein kleines Zentrum in Sachen Kirwatradition an der Nahtstelle des Amberg- Sulzbach Landkreises zu Neumarkt. Sitzen im Freien war nur am Samstag zum Tag der Deutschen Einheit und am Montagnachmittag möglich. Aber das hat alles trotzdem gut gepasst, so die Vertreter der Dorfgemeinschaft zum Ausgang ihres Traditionsfestes, das wohl zu den ältesten Kirwan in der Region überhaupt zählt.

Kirwafrieden in Gefahr

Die Ursprünge lassen sich bis ins Jahr 1576 zurückverfolgen, als es um den Kirchweihfrieden nicht so gut bestellt war. Der bischöfliche Pfleger aus Hohenburg war mit den Seinen nach Allersburg gekommen, um das Standlgeld einzutreiben, und auf der anderen Seite waren es die pfalzgräflich Neuburgischen Herren aus dem benachbarten Lutzmannstein, die mit der gleichen Absicht ins Dorf gekommen waren, erzählt die Heimatgeschichte. Damals wäre es fast zu einer heftigen Auseinandersetzung um den Kirwafrieden gekommen.

Am Freitagabend hatten die Paare zum Weinfest ins beheizte Festzelt eingeladen. Am Samstag wurde der sorgsam hergerichtete Kirwabaum aufgestellt und für einen langen Abend spielte die Gruppe Keine Ahnung auf. Den Patroziniumsgottesdienst am Sonntag gestalteten die ehemaligen Kirchweihpaare.

Etwas Besonderes war das Baum-Austanzen am Sonntagnachmittag, das trotz leichten Nieselregens nicht verschoben wurde. Die Bühne war klitschnass, als die Hoglbouchern zünftig aufspielten. Die Sternpolka, ein schneidiger Zwiefacher und ein rescher Dreher wurden immer wieder von den durstigen Burschen unterbrochen, ehe dann der Austanzwalzer ans Licht brachte, was schon geheim von den Kirchweihpaaren ausgemacht war. Julia Geitner aus Allersburg und Wolfgang "G-Wolf" Braun aus Malsbach haben jetzt die Ehre des Oberkirchweihpaares in Allersburg. Die Trachtenkapelle aus Hohenburg unter der Leitung von Michael Schäfer verstand es, die richtigen Akzente für den Sonntag im Zelt zu setzen.

Am Montag war zum Kindernachmittag eingeladen und am Abend sorgten die Allerscheynstn, wenn auch mit einer keinen Verspätung, für das ausgiebige Finale der Allersburger Wiesn.

Bissige Schnoderhüpfl

Dass beim Schnoderhüpflsingen wieder so einiges durch die nasse Wies'n gezogen wurde, das gehört im Dorf nun einmal dazu. Da wurde die Geschichte vom Allersburger Ohrwurm preisgegeben. Den Mendorferbuchern wurden Ratschläge für eine windfeste Kirwabaumspitz erteilt.

Der in letzter Minute aufgeflogene Lieslklau kam zur Sprache. Sogar einer matten Putzerkolonne im Dorf wurde eine Mischmaschine Mörtel spendiert. Im Schnoderhüpflrefrain wurde von der Kirwanot eines Burschen erzählt, der daheim seinen Tatort anschauen musste, anstatt Party zu machen. "Ja das soll es in Allersburg schon gegeben haben", meinten die Moila schmunzelnd am Mikrofon in Richtung an den Daheimgebliebenen. Den Kirwabaum hatte Siegfried Bock aus Winkl per Los erstanden. Mitgenommen hat ihn letztendlich nach einer heißen Versteigerungsrunde 2. Bürgermeister Manfred Braun aus Malsbach.
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