Russische und französische Helfer

In der "sechsten Armee" des kaiserlichen deutschen Heeres hätten unter anderem Soldaten des dritten bayerischen Armeekorps am Ersten Weltkrieg teilgenommen, erinnerte der Historiker Hans Gleißner in seinem Vortrag für den Heimatpflegebund: "Für dieses Armeekorps wurde der Übungsplatz Grafenwöhr errichtet." Dieser Heeresteil habe am Feldzug gegen Frankreich teilgenommen.

Wegen desaströser strategischer Fehler sei dieser schon nach einigen Wochen am französischen Fluss Marne zum Stehen gekommen, blickte Gleißner zurück. Aus dem "Bewegungskrieg" sei damit im Westen ein jahrelanger opferreicher "Stellungskrieg" geworden. Ähnlich katastrophal seien die Folgen der erfolglosen "Isonzoschlachten" gegen Italien in den Südalpen für das österreichische Heer gewesen. Demgegenüber habe die achte deutsche Armee im Osten unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, später unter August von Mackensen, weite Teile des Russischen Reichs besetzt, darunter die als "Kornkammer" wichtige Ukraine, und die bedrängten Österreicher erfolgreich unterstützt.

In zwei Schlachten in Ostpreußen seien im August und September 1914 über 100 000 russische Kriegsgefangene in deutsche Hände geraten. 13 000 von ihnen sowie 11 000 französische Gefangene seien ab November 1914 in Grafenwöhr interniert und auch als landwirtschaftliche Hilfskräfte im Umland eingesetzt worden, wusste Hans Gleißner: "Die Unterbringung im Grafenwöhrer Stall-Lager, einem damals leer stehenden Pferdestall für gut 3700 Tiere, entsprach nicht den völkerrechtlichen Regeln, doch eine andere Möglichkeit gab es nicht." (bjp)
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